Wasserrettung in der Region ist in finanzieller Not

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Peter Sieber von der DLRG schildert im Pfrunger-Burgweiler Ried, wie die Wasserretter bei Einsätzen vorgehen.
Peter Sieber von der DLRG schildert im Pfrunger-Burgweiler Ried, wie die Wasserretter bei Einsätzen vorgehen. (Foto: Herbert Guth)
Herbert Guth

Der DLRG-Bezirk Ravensburg

Im DLRG-Bezirk Ravensburg werden 110 größere Seen und Weiher sowie 16 Flüsse oder Flussabschnitte betreut. Im Wasserrettungsdienst stehen in den drei Gruppen derzeit insgesamt 23 Einsatztaucher, 26 Bootsführer, 25 Signalmänner und 36 Strömungsretter für die Einsätze zur Verfügung. Sie verfügen teilweise über Mehrfachqualifikationen.

Während es im Jahr 2016 im Bereich des Wasser-Rettungsdienstes 13 Notfalleinsätze bei Ertrinkungsunfällen oder Notfällen im Wasser gab, lag diese Zahl 2017 bei Null. Im laufenden Jahr 2018 kam es hingegen schon zu zwei Einsätzen. Hier sind die Vorfälle bei Wachdiensten im Bereich der Bademöglichkeiten nicht mitgezählt.

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Sie rettet Menschen vor dem Ertrinken und ist selbst in Not: Die DLRG im Landkreis hat finanzielle Sorgen. Haupteinnahmequelle sind Mitgliedsbeiträge. Auch vom Land kommt Geld, das aber für die Investitionen in Fahrzeuge und Ausrüstung nicht ausreicht. Deshalb fordert die DLRG, dass sich Land oder Landkreis stärker an den Kosten beteiligen. Was die Mitglieder so alles leisten, erklärt Peter Sieber, stellvertretender Einsatzleiter im Bereich Schussental, am Beispiel des Alarms im Pfrunger-Burgweiler Ried von Ende Februar.

Hilfe bei Einbrüchen ins Eis

Es ist Samstag, 24. Februar, früher Abend. Draußen ist es bitterkalt. Seit Tagen werden Minusgrade mit teils deutlich unter zehn Grad gemessen. Die Teiche und Seen im Kreis Ravensburg sind mit einer Eisschicht überzogen. Bei den Mitgliedern der DLRG-Wasserrettung schrillt plötzlich der Alarm der Leitstelle in Ravensburg. Nach einem telefonischen Hinweis aus dem westlichen Zipfel des Landkreises sei es nicht auszuschließen, dass eine Person in die Eisdecke eines Weihers im Pfrunger-Burgweiler Ried eingebrochen sein könnte. Jetzt sind die Spezialisten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gefragt.

Mit dabei am vermeintlichen Unglücksort waren knapp 70 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren von Wilhelmsdorf und Riedhausen, 15 Helfer des Roten Kreuzes, die Polizei sowie ein Polizeihubschrauber aus Stuttgart. Die intensive Suche nach einem Vermissten blieb erfolglos, Menschen kamen also nicht zu Schaden. Zum Glück, wie alle Beteiligten bei der Nachbesprechung im Wilhelmsdorfer Feuerwehrhaus betonten.

Mit einigem Abstand zu den damaligen Geschehnissen am Weiher neben dem Nillsee, direkt an der Straße zwischen Pfrungen und Riedhausen, spricht Peter Sieber über die Arbeit der DLRG im Landkreis, die eher selten im Licht der Öffentlichkeit steht. Sieber ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und stellvertretender Einsatzleiter im Bereich Schussental, seit Jahrzehnten für die DLRG aktiv und intensiver Kenner der Materie.

18 Fachkräfte am Weiher

An besagtem Abend machte sich nach der Alarmierung sofort Bezirkseinsatzleiter Fabian Wünsch zum eisbedeckten Weiher auf. Dort beurteilte er zusammen mit dem Feuerwehrkommandanten die Lage. Parallel dazu rückten die DLRG Altshausen mit ihrem Gerätewagen Tauchen und die DLRG-Retter aus dem Schussental mit einem Boot, einer Einsatzkomponente Strömungsrettung sowie einem weiteren Gerätewagen Tauchen aus. Insgesamt waren 18 Fachkräfte vor Ort.

Mitten in dem großen Baggersee sahen die Hilfskräfte eine dunkle Fläche, die durchaus als Einbruchstelle gewertet werden konnte. Zwei sogenannte Strömungsretter, nicht zu verwechseln mit Tauchern, tasteten sich in voller Ausrüstung liegend auf dem Eis an die verdächtige Stelle heran. Sie waren bekleidet mit Neoprenanzügen, Helm, Rettungsweste, Wurfleine und speziellem Schuhwerk. Vom Polizeihubschrauber aus wurde der Platz mit einem starken Scheinwerfer ausgeleuchtet. Die dunkle Fläche war mit einer Eisdecke verschlossen, eine zweite in der Nähe ebenfalls. Hier konnte kein Mensch eingebrochen sein, die bereitstehenden Taucher mussten nicht eingreifen.

Suchaktionen im Wasser

Die Strömungsretter gibt es seit rund zehn Jahren bei der DLRG. Sie sind vielseitig einsetzbar, unter anderem bei Suchaktionen im Uferbereich eines Gewässers. Bei Hochwassereinsätzen können sich Strömungsretter auch abseilen und bei Bedarf Menschen retten, wie Peter Sieber die Einsatzbreite beschreibt. Von den rund 2500 Mitgliedern der DLRG, die im Landkreis Ravensburg nach dem Zusammenschluss von Aulendorf und Mochenwangen in elf Ortsgruppen organisiert sind, gehören über 60 den aktiven Einsatzkräften an, die in Notfällen alarmiert werden.

Finanzierung macht Sorgen

„Ich glaube, wir sind eine der schlagkräftigsten Einsatzgruppen im Landesverband Württemberg“, so die Einschätzung von Peter Sieber. Der Bezirk Ravensburg, aufgeteilt in die drei Einsatzgebiete Altshausen, Schussental und Allgäu, kann in jedem Bereich eigene Ausbilder für Tauchen, Strömungsrettung, Boot und Sanitätswesen ausweisen. Bei aller Zufriedenheit über Einsatzbereitschaft und Können der Wasserretter bereitet den Verantwortlichen die Finanzierung ihrer Arbeit Sorgen.

Versäumnis, das kostet

Im Gegensatz zur Feuerwehr hat die DLRG es vor vielen Jahren versäumt, das Tätigkeitsfeld Wasserrettung an die Gemeinden zu delegieren. Deshalb spricht Peter Sieber von einer „schrägen Finanzlage“. Die Haupteinnahmen kommen von den Mitgliedsbeiträgen. Sieber leicht sarkastisch: „Wir zahlen ein, um Menschen zu retten.“ Das zweite Standbein sind Spenden. Das Land stellt für ganz Baden-Württemberg zwei Millionen Euro zur Verfügung. Für den riesigen Investitionsbedarf in Fahrzeuge und Ausrüstung reicht dieses Geld bei Weitem nicht aus.

Sechs von acht Einsatzfahrzeugen im Kreis Ravensburg sind älter als 20 Jahre. Die komplette Ausrüstung für einen Taucher schlägt mit rund 12 000 Euro zu Buche. „Wir stehen Tag und Nacht für Einsätze für den Bevölkerungsschutz bereit. Deshalb sollten sich Land oder Landkreis stärker an den Kosten beteiligen“, wünscht sich die DLRG.

Die Meldung war richtig

Für die Rettungsaktion im Pfrunger-Burgweiler Ried stellte der DLRG-Bezirk Ravensburg der Gemeinde Wilhelmsdorf eine Rechnung über rund 1800 Euro. Grundlage für die Forderung sind die „Konzeption über die Durchführung des Wasser-Rettungsdienstes“ des Innenministeriums Baden-Württemberg sowie die Kostenordnung des DLRG-Landesverbands.

Übrigens besteht bei allen beteiligten Stellen Einigkeit darüber, dass die jungen Leute, die an dem kalten Februar-Abend die Leitstelle über ihre Beobachtung im Ried informierten, vollkommen richtig gehandelt haben. Besser ein solcher Ausgang als möglicherweise eine unterbliebene Rettungsaktion mit einem oder mehreren Toten.

Der DLRG-Bezirk Ravensburg

Im DLRG-Bezirk Ravensburg werden 110 größere Seen und Weiher sowie 16 Flüsse oder Flussabschnitte betreut. Im Wasserrettungsdienst stehen in den drei Gruppen derzeit insgesamt 23 Einsatztaucher, 26 Bootsführer, 25 Signalmänner und 36 Strömungsretter für die Einsätze zur Verfügung. Sie verfügen teilweise über Mehrfachqualifikationen.

Während es im Jahr 2016 im Bereich des Wasser-Rettungsdienstes 13 Notfalleinsätze bei Ertrinkungsunfällen oder Notfällen im Wasser gab, lag diese Zahl 2017 bei Null. Im laufenden Jahr 2018 kam es hingegen schon zu zwei Einsätzen. Hier sind die Vorfälle bei Wachdiensten im Bereich der Bademöglichkeiten nicht mitgezählt.

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