Warum es in Oberhofen nur Tunnel-Befürworter gibt

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Dicht am Wohnhaus von Albert Arnegger (rechts), aber auch am Haus seines Nachbarn Alfred Nachbaur (links im Hintergrund) rollen
Dicht am Wohnhaus von Albert Arnegger (rechts), aber auch am Haus seines Nachbarn Alfred Nachbaur (links im Hintergrund) rollen in der Kemmerlanger Straße in Oberhofen die Brummis vorbei, nicht nur bei Tage, sondern bis in die Nächte. Klar, dass beide Oberhofener den Molldietetunnel herbeisehnen. (Foto: Peitz)
Schwäbische Zeitung

Wenn in Ravensburg vom Autobahnzubringer gesprochen wird, dann von der Leonhardstraße/Wangener Straße. „Aber wir sind auch Autobahnzubringer. Die Kemmerlanger Straße ist schmaler und kurvenreich und die Wohnhäuser stehen noch dichter an der Rollbahn“, geben der Oberhofener Dorfmeister Guido Köberle, Ulrich Lorenzer, Wolfgang Brauchle, Albert Arnegger und Alfred Nachbaur zu bedenken.

15 Prozent Schwerlastverkehr

Tag und Nacht rumpeln die schweren Lastwagen zum Beispiel dicht neben dem Wohnhaus von Albert Arnegger an der Ecke Waidenhofener Straße vorbei, und an Werktagen stauen sich bergab morgens regelmäßig die Personenautos der Einpendler 200 bis 300 Meter bis zur Kreuzung mit der Tettnanger Straße. 6800 Fahrzeuge pro Tag, davon 15 Prozent Schwerlastverkehr, müssen die Anwohner der Kemmerlanger Straße verkraften, die zum Teil nachts nur mit geschlossenen Fenstern schlafen können. Tendenz weiter steigend. „In den letzten zehn Jahren ist es immer schlimmer geworden“, klagt die Gesprächsrunde. Klar, dass sie hier alle für den Molldietetunnel sind, wohlwissend, dass der noch lange auf sich warten lassen wird.

Hoffen auf Alternativtrassen

Bisher gibt es vom geplanten Molldietetunnel nur diese Skizze.
Bisher gibt es vom geplanten Molldietetunnel nur diese Skizze. (Foto: Grafik: Stadt Ravensburg)

Die Oberhofener, sie gönnen den Untereschachern die Entlastung demnächst durch die neue B 30 Süd von Herzen und sie wissen, dass ihre Geduld noch auf eine lange Probe gestellt wird, wollen aber jetzt endlich erste konkrete Planungsschritte in Richtung Molldietetunnel sehen. Und sie hoffen, dass nun nicht wieder, wie in den 80er- und 90er-Jahren, eine Diskussion über Alternativtrassen weiter südlich beginnt. Denn die waren damals bereits verworfen worden, nachdem eine Umweltverträglichkeitsstudie ergeben hatte, dass das Naturschutzgebiet Flappachtal dadurch tangiert würde. Mit den ebenfalls lärm- und abgasgeplagten Anwohnern der Leonhard- und Wangener Straße fühlen sie sich übrigens durchaus solidarisch. „Wir sitzen in einem Boot.“

Das hört Frank Enderle, der seit 22 Jahren an der Wangener Straße wohnt, gerne. Er gehört natürlich zusammen mit seiner Frau auch zu den Befürwortern des Molldietetunnels und hat sogar die Hoffnung, dass diesmal auch tatsächlich etwas daraus wird. „Der Druck ist jetzt doch noch viel größer als vor Jahrzehnten“, verweist er auf das stark gestiegene Verkehrsaufkommen, das er besonders am Sonntagabend nach 22 Uhr als sehr belastend empfindet, wenn das Lkw-Sonntagsfahrverbot endet.

 

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