Warum Aulendorf nicht aufgewertet wird

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Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke erklärt, welche Vorteile es für Gemeinden hat, in ihrer Zentralität aufgewertet zu wer
Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke erklärt, welche Vorteile es für Gemeinden hat, in ihrer Zentralität aufgewertet zu werden. (Foto: Annette Vincenz)
Annette Vincenz

Das Streben nach Höherem ist eine menschliche Eigenschaft. Ein besserer Job, ein höherer Sozialstatus, mehr Geld, eine größere Wohnung – fast jeder will sich in irgendeiner Art und Weise verbessern. Das gleiche gilt für Kommunen. Je höher die sogenannte Zentralität, desto mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Aber wer legt überhaupt fest, ob eine Gemeinde Oberzentrum, Mittelzentrum, Unterzentrum, Kleinzentrum oder nur ein sogenannter Gemeindehauptort ist? In den oberen zwei Kategorien das Land, und in den unteren drei die Regionalverbände.

Die Aulendorfer sind sauer. Obwohl sie einen wichtigen Bahnhof haben, ein Thermalbad, Kliniken, Gymnasien, Landeseinrichtungen und mehr als 10000 Einwohner, soll ihre Stadt im aktuellen Regionalplan nicht vom Kleinzentrum zum Unterzentrum aufgewertet werden. Anders als in Meckenbeuren, Salem oder Kißlegg sieht der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben in Aulendorf keine Versorgungsfunktion für umliegende Gemeinden oder einen übergeordneten Verflechtungsbereich. Die endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, derzeit sieht es aber nicht danach aus, als ob Aulendorf zum Unterzentrum aufgewertet würde.

Nur: Warum ist das überhaupt wichtig? „Als Unterzentrum haben Sie einen Rechtsanspruch auf einen großflächigen Einzelhandel“, erklärt Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke. Ansonsten sei bei 800 Quadratmetern Schluss – das entspricht der herkömmlichen Größe eines Aldi oder Lidl. „Aber selbst die Discounter jammern seit Jahren, das sei zu klein, und es herrscht ein Verdrängungswettbewerb.“

Auch bei allem anderen, was es zu verteilen gibt, werden höherzentrale Orte laut Franke immer bevorzugt. „Nehmen Sie als Beispiel das neue Polizeipräsidium. Es kommt vielleicht nach Ravensburg, nach Sigmaringen oder Friedrichshafen, aber niemals nach Wilhelmsdorf oder Salem. „Je höherzentraler der Ort, desto mehr Chancen und Möglichkeiten.“

Das Hoheitsgebiet des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben umfasst die drei Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodensee. Friedrichshafen bildet dabei mit Ravensburg und Weingarten ein gemeinsames Oberzentrum, ferner gibt es sieben Mittelzentren (Sigmaringen, Bad Saulgau, Pfullendorf, Überlingen, Bad Waldsee, Leutkirch und Wangen) sowie derzeit sieben Unterzentren (Gammertingen, Mengen, Meßkirch, Markdorf, Tettnang, Bad Wurzach und Isny). Hinzu kommen 14 Kleinzentren, zu denen eben auch Aulendorf gehört, und 58 sogenannte Gemeindehauptorte. Die Einteilung erscheint dabei nicht immer logisch. Warum Wolfegg mit Vogt ein doppeltes Kleinzentrum bildet, Baienfurt und Baindt aber beispielsweise nur als Gemeindehauptorte definiert werden, ist nicht nachvollziehbar.

Dass eine rasante Entwicklung in der kleinsten Kategorie, den Gemeindehauptorten, jedoch nicht kategorisch ausgeschlossen ist, beweist ein 40 Hektar großes neues interkommunales Gewerbegebiet, das an der B30 auf der Gemarkung von Baindt und Baienfurt entstehen wird, unter Beteiligung von Berg. Bis der Regionalplan-Entwurf im Dezember des Jahres beschlossen und ausgelegt wird, dürften hinter den Kulissen noch viele Gespräche laufen. Der Aulendorfer Bürgermeister Matthias Burth will die Zeit auf jeden Fall nutzen, um Überzeugungsarbeit zu leisten.

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