„Wakassa“: Ravensburger Begegnung auf Augenhöhe

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Schwäbische Zeitung

Mit der Bühnenshow „Wakassa“ haben am vergangenen Samstag „Pierrick & friends“ das Publikum im Konzerthaus in Ravensburg begeistert.

Sie zeigten zusammen mit Workshopteilnehmern wie Integration erfolgreich funktionieren kann. Die Integrationsworkshops standen unter dem Motto „Vukana“. Vukana bedeutet Begegnung. Eine solche Begegnung hat in der vergangenen Woche zwischen Ravensburger Bürgern zunächst in Workshops und am Samstag dann auf der Bühne stattgefunden.

Jeweils die eine Hälfte der Teilnehmer der Trommel-, Tanz und Gesangsworkshops bestand aus Migranten und die andere Hälfte aus Ravensburger Bürgern. Zusammen erarbeiteten sie an drei Abenden ein Programm, das am Samstag imKonzerthaus Ravensburg uraufgeführt wurde.

Das Publikum zeigte sich voller Begeisterung für die Darbietung der Laiendarsteller. In einer kurzen Umbaupause begaben sich die Zuschauer sofort an die Umsetzung des Gesehenen und versuchten sich mit Klatschen und Stampfen an einem eigenen Rhythmus.Bevor dann „Pierrick & friends“ mit ihrer Bühnenshow „Wakassa“ auf die Bühne kamen, wurde das Publikum von den beiden Bauchtänzerinnen Ariane und Malaica verzaubert. Danach zeigte die Gruppe um den Percussionisten Pierrick Nzoungani eine spannende und vielschichtige Mischung aus Theater, Rhythmus, Gesang, Tanz und Percussion. Sie begannen mit wenig, nur ihren Körpern, dem Boden und einigen Papprollen, die einmal als Utensilien für den Rhythmus, einmal als Statisten zur Darstellung der afrikanischen Ahnen dienten, die Patrick Pinda mit einem auf der Gitarre begleiteten Lied um Rat bei der Lösung eines Problems bat.

Das Ensemble steigerte sich, verwendete Kalimba, Glocke und Bambusstangenfür die Rhythmuselemente, sang und tanzte, verschwand, präsentierte sich in neuenKostümen. Alles diente der Hinführung zu einem Instrument, der Ngoma. Eine (fast)heilige Zeremonie zelebrierten die Künstler um diese Trommel. Die Ngoma ist eine große Standtrommel, die in der kongolesischen Tradition als Instrument bei vielen Rhythmen und Festen eine zentrale Rolle spielt. Als Höhepunkt der Show zeigte die Gruppe nun eine wahre Explosion aus ekstatischem Trommlerkönnen, das vom Publikum durch begeistertes Klatschen und mit Jubelschreien begleitet wurde. 

Für „Wakassa“ scharte Pierrick neue und alte Freunde aus seiner Heimat Kongo um sich und jeder brachte sein Können ein: Soliac Matsimba sorgte mit seiner Stimme für Gänsehautmomente. Die Tänzer Orchidey Mahoungou und Aime Kifoula lächelten und tanzten sich in die Herzen der Zuschauer. Wahre artistische Meisterleistungen vollbrachte der Percussionist Koda Malanga, er wirbelte die Ngoma durch die Luft als würde er mit einem Jonglierstab hantieren. Daneben zeigte Pierrick Nzoungani einmal mehr seine Vielseitigkeit als Percussionist und begeisterte neben seiner Virtuosität auf der Ngoma mit einem mitreißenden Solo auf der Kalabasse während sich Patrick Pinda gesanglich und schauspielerisch gekonnt als kongolesischer Dorfälteste in Szene setzte. Ganz neu dabei war der aus Burkina Faso stammende Oua-Anou Diarra. Er verzückte die Zuschauer mit seiner Flöte auf der er nicht nur spielte, sondern auch sang.

Am Ende der Show hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen, als die Band sie aufforderte mitzusingen und tänzerische Elemente nachzuahmen. Bei der Zugabe sangen die Zuschauer nach anfänglichen Startschwierigkeiten zuverlässig mit. So endete eine rundum gelungene Show. „Pierrick & friends“ haben eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen „alten“ und „neuen“ Ravensburger Bürgern ermöglicht und sie haben es wiedereinmal verstanden „sich Gehör zu verschaffen“ (ursprüngliche Bedeutung des Wortes„Wakassa“).

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