Waffen-Amnestie wird bislang kaum genutzt

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Schwäbische Zeitung
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Bisher haben nur wenige Waffenbesitzer in der Region die Möglichkeit genutzt, illegale Waffen straffrei und kostenlos abzugeben. Das ergeben Recherchen von Schwäbische.de bei den Landratsämtern der Region.

Seit dem 6. Juli können bundesweit lang illegale Waffen straffrei abgegeben werden. Die Amnestie läuft bis zum 1. Juli 2018.

„Das sind wir nicht zuletzt allen Menschen, die Opfer von Straftaten mit Waffen wurden, schuldig. Eine zeitlich befristete Amnestie ist dafür ein gutes Mittel“, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) in Stuttgart. Außerhalb der Amnestiezeit würde es sich um illegalen Waffenbesitz handeln und die Landratsämter müssten ein Strafverfahren einleiten.

Welche Gegenstände umfasst die Regelung?

Nach der neuen Regelung können illegale Waffen und Munition straffrei den Waffenbehörden oder der Polizei überlassen werden. Dazu gehören nicht nur Schusswaffen, sondern auch verbotene Gegenstände wie Butterflymesser, Schlagringe, Fallmesser und Stahlruten. Der unrechtmäßige Besitz von Waffen kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Welche Waffen wurden bisher abgegeben?

Bis jetzt wurden im Landratsamt Bodensee in Friedrichshafen zwei Messer abgegeben. Illegal seien die nicht gewesen, doch die Behörde nehme sie trotzdem entgegen, erklärt Schwarz. „Wer seine Waffe loswerden will, kann das tun.“

Eine Schreckschusswaffe wurde beim Landratsamt Sigmaringen abgegeben, ein Gewehr bei der Waffenbehörde in Biberach. Auch im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises wurde eine nicht näher benannte Waffe abgeliefert.

In den Landratsämtern Ravensburg, Ostalbkreis und Tuttlingen verzeichnete man noch keine Waffenabgaben. Zumindest in Tuttlingen habe es aber viele Nachfragen bezüglich des Regelung gegeben, hieß es auf Anfrage.

Wie müssen Waffenbesitzer vorgehen?

Wer eine Waffe zuhause hat und sie abgeben möchte, sollte am besten zuvor telefonisch einen Termin vereinbaren, empfiehlt Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamtes Bodensee. Warum? „Damit die Waffen abgeben werden, wenn sonst nicht viele Kunden da sind“, erklärt er.

Neben der Abgabe sei auch der Weg zu Behörde straffrei und bleibe ohne Konsequenzen. Doch dafür sollten die Waffen in geschlossenen Behältern abgegeben werden. Das Landratsamt Tuttlingen warnt in einem Schreiben außerdem davor, Waffen selbst zu transportieren, wenn man sich nicht oder nur oberflächlich auskennt. „Für Laien ist der Lade- und Sicherungszustand von Schusswaffen nicht ohne weiteres zu erkennen, insbesondere bei Jagdwaffen kann schon eine geringe Erschütterung das Losbrechen eines Schusses verursachen.“ Nach Absprache mit dem Landratsamt könne in vielen Fällen auch eine Abholung organisiert werden.

Können Waffen auch anonym abgegeben werden?

Üblicherweise werden bei der Abgabe die Kontaktdaten erfasst, die Waffe registriert und geprüft, ob sie beispielsweise für eine Straftat verwendet wurde. „Es gibt aber auch anonyme Abgaben und die nehmen wir auch entgegen“, sagt Robert Schwarz.

Gab es eine solche Amnestie bereits?

Schon 2009 hatte es eine solche Amnestie gegeben. Grund war der Amoklauf an einer Schule in Winnenden. Damals hatte ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst erschossen. Zwischen dem 25. Juli und 31. Dezember 2009 waren dann bundesweit mehr als 200 000 Waffen abgegeben worden, davon allein im Südwesten rund 46 000 legale und 7000 illegale Waffen. Im Landkreis Sigmaringen etwa wurden damals 500 legale und 138 illegale Waffen abgeliefert.

So viele Waffen gibt es in der Region

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