Wachs: Imker erstattet Anzeige wegen Betrug

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Die Mittelwände dienen den Bienenvölkern als Basis für ihre Waben, in denen sie ihre Brut aufziehen oder Honig einlagern. Wenn
Die Mittelwände dienen den Bienenvölkern als Basis für ihre Waben, in denen sie ihre Brut aufziehen oder Honig einlagern. Wenn die Mittelwände von schlechter Qualität sind, dann können Waben zerbrechen oder Bienenlarven sterben. (Foto: dpa)
Crossmediale Redakteurin

Neue Erkenntnisse im Bienenwachs-Skandal: Nach Recherchen der „Schwäbischen Zeitung“ gibt es Vermutungen, wonach die Streckmittel Paraffin und Stearin dem Bienenwachs bei der Herstellung von Mittelwänden bewusst zugemischt worden sind. Bleibt nur die Frage: wo und von wem? Die Behörden wollen diese Fragen nun klären.

Wie berichtet, sind Mittelwände in Umlauf, die unerlaubte Substanzen beinhalten. Für Honigbienen können die verunreinigten Produkte eine Gefahr bedeuten. Der Grund: Die Mittelwände dienen den Bienenvölkern als Basis für ihre Waben, in denen sie ihre Brut aufziehen oder Honig einlagern. Wenn die Mittelwände von schlechter Qualität sind, dann können Waben zerbrechen oder Bienenlarven sterben. Genau das ist bei einem Imker aus Rheinland-Pfalz passiert, der Mittelwände im Kreis Ravensburg erworben hat.

Wie die Ravensburger Staatsanwaltschaft mitteilt, liegt ihr dazu jetzt eine Anzeige vor. Der Vorwurf lautet auf Betrug. Es soll um Mittelwände gehen, bei denen zusätzlich zum enthaltenen Bienenwachs ein Stearin-Gehalt von 25 Prozent gemessen wurde. Vonseiten der Staatsanwaltschaft heißt es: „Der Geschädigte macht geltend, nicht die von ihm gewünschte Ware, nämlich reines Bienenwachs, sondern ein synthetisches Wachs geliefert bekommen zu haben, was für seine Imkerei untauglich sei.“ Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken leitete die Anzeige an Ravensburg weiter. Seit Mittwoch sind die Ermittlungen im Gange.

Die Schwierigkeit bei alledem: Es muss geprüft werden, woher das verunreinigte Wachs kommt. Verwendete der Händler absichtlich Streckmittel, um eine größere Menge produzieren zu können? Oder kaufte er einem Lieferanten unwissentlich unreines Bienenwachs ab? „Eigentlich hilft hier nur, die Warenströme zu analysieren“, sagt Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. So könne auch eingegrenzt werden, wie viele Imker letztlich von dem Skandal betroffen seien.

Zweiter Fall in Ost-Württemberg

Das Ravensburger Veterinäramt hat bereits Untersuchungen in dem besagten Betrieb im Kreis Ravensburg aufgenommen. Die Ergebnisse hierzu werden bis Mitte kommender Woche erwartet.

Nach Kenntnisstand der „Schwäbischen Zeitung“ soll es darüber hinaus ein zweites Fälschungsdelikt geben: In diesem Fall bestanden die Mittelwände zu 100 Prozent aus Paraffin. Wie ein Informant berichtet, soll das Paraffin mit gelber Farbe eingefärbt gewesen sein, sodass es sich optisch nicht von Bienenwachs unterscheidet. Diese Paraffin-Mittelwände wurden wohl in einem Betrieb aus dem östlichen Baden-Württemberg hergestellt.

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