Vorschlag: Per Seilbahn in die Altstadt

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Da schlägt das liberale Herz höher: Gondeln in FDP-Gelb. Wenn es nach dem Ravensburger Stadtrat Roland Dieterich ginge, würde ei
Da schlägt das liberale Herz höher: Gondeln in FDP-Gelb. Wenn es nach dem Ravensburger Stadtrat Roland Dieterich ginge, würde eine Seilbahn die östliche Vorstadt mit der Innenstadt verbinden. (Foto: Archiv: Rainer Jensen/dpa)

Es klingt wie eine Schnapsidee, ist aber ernst gemeint: Die Ravensburger FDP würde die östliche Vorstadt gerne über eine Seilbahn mit der Innenstadt verbinden. Da am Rinker-Areal, am Bezner-Areal und weiter östlich an der Wangener Straße drei Neubaugebiete entstehen mit bis zu 1000 Bewohnern, müsste sich die Stadt „innovative Verkehrskonzepte ausdenken“, meint Stadtrat Roland Dieterich.

„Es kann schon sein, dass das eine spinnerte Idee ist, aber die Stadt könnte zumindest eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben“, argumentiert Dieterich. Doch auch dafür bräuchte es eine Mehrheit, und die ist derzeit nicht in Sicht. Außer den zwei FDP-Stadträten kann sich bislang niemand so recht für die Idee erwärmen, entlang der Wangener Straße Masten für eine Seilbahn aufzustellen, die Menschen mittels Gondeln ins Zentrum transportiert – vielleicht mit einem Abstecher auf die Veitsburg, „dann wäre die auch endlich mal erschlossen“ meint Dieterich.

Kosten sind unklar

Was das Ganze kosten würde? „Ja, das ist das Hauptproblem“, sagt der FDP-Politiker zerknirscht. „Ich habe keine Ahnung.“ Da aber ähnliche Seilbahnen in anderen Städten „mit vielen Menschen auf wenig Fläche“ schon errichtet wurden, sollte so etwas irgendwie finanzierbar sein.

Zumindest die nordrhein-westfälische Stadt Wuppertal denkt ernsthaft darüber nach, mit einer drei Kilometer langen Seilbahn die Universität mit dem Hauptbahnhof zu verbinden und täglich 7000 Menschen zu transportieren, um die überfüllten Busse zu entlasten.

Ansonsten sind Seilbahnen, die im Nahverkehr eingesetzt werden, also nicht bloß touristischen Zwecken dienen, aber eher etwas für Großstädte. Es gibt welche in Portland, Singapur, Rio de Janeiro, London, Ankara, Istanbul, La Paz und Medellín. Was gut für die Metropolen dieser Welt ist, kann für Ravensburg ja nicht ganz schlecht sein, findet Dieterich.

„Der Vorteil gegenüber Bussen oder Straßenbahnen ist, dass es keine festen Abfahrtszeiten und somit keine Wartezeiten gibt“, wirbt er für das Projekt. Gondeln, die gerade nicht gebraucht würden, „werden einfach ausgegliedert“. Mithilfe innovativer Nahverkehrskonzepte wäre es vielleicht auch möglich, Neubaugebiete mit weniger Stellflächen und Tiefgaragenplätzen auszuweisen. Und wenn die zukünftigen Bewohner der östlichen Vorstadt ausnahmsweise einmal woanders hin wollen als in die Innenstadt oder auf die Veitsburg? „Vielleicht könnte man am Stadtrand noch einen großen Parkplatz bauen“, so Dieterich.

Um die Luft in Ravensburg zu verbessern, werden gerade viele Ideen diskutiert – darunter auch welche, die auf den ersten Blick kurios bis komplett verrückt klingen. So könnte eine neue E-Straßenbahn aus China die alte Bähnle-Strecke wieder aufleben lassen, die bis 1959 zwischen Baienfurt und Ravensburg verkehrte. Es gibt sogar den Vorschlag, den Flugverkehr über Ravensburg zu verbieten.

Wo es schon Seilbahnen gibt:

In Deutschland werden im reinen Nahverkehr derzeit keine Seilbahnen eingesetzt. Es gibt aber welche, die touristischen oder nostalgischen Zwecken dienen, etwa das Überbleibsel der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz oder der „Erbschleicherexpress“ in Stuttgart, der seit 1929 zum Waldfriedhof führt. Ansonsten werden Seilbahnen überwiegend in Ski- und Wandergebieten gebaut, um schnell große Höhenunterschiede zu überwinden. Eine ähnliche Idee wie in Ravensburg geistert seit 2013 durch Konstanz. Dort wurden die reinen Investitionskosten für ein Seilbahnnetz vor kurzem allerdings auf 250 bis 350 Millionen Euro geschätzt. Spätere Betriebskosten nicht eingerechnet.

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