Vor dem „Frei-Wild“-Konzert in der Ravensburger Oberschwabenhalle herrscht entspannte Stimmung

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 Lange Warteschlangen haben sich am Mittwochabend vor dem „Frei.Wild“-Konzert in der Ravensburger Oberschwabenhalle gebildet.
Lange Warteschlangen haben sich am Mittwochabend vor dem „Frei.Wild“-Konzert in der Ravensburger Oberschwabenhalle gebildet. (Foto: Elke Obser)

Rund 3000 Fans aller Altersgruppen der umstrittenen Deutschrock-Band „Frei.Wild“ ließen sich am Mittwochabend nicht davon abhalten, bis aus Reutlingen, Konstanz oder Vorarlberg zum Konzert der vier Südtiroler in die Ravensburger Oberschwabenhalle zu kommen. Schon mehr als eineinhalb Stunden vor Beginn bildeten sich Warteschlangen, die Stimmung war entspannt, Gegendemos gab es keine. Da die Polizei davon ausging, dass alles ruhig bleibt, hatte sie keine Maßnahmen geplant – Einsatzkräfte waren nicht vor Ort. Im Vorfeld der Tour „Rivalen und Rebellen“ war die Band für ihre Texte angegangen worden. Unter anderem hatten Kritiker von „Frei.Wild“ in den sozialen Medien zum Boykott des Konzertes im Schussental aufgerufen. Auch die Ravensburger Grünen hatten sich gegen den Auftritt der Band gestellt, der Kritiker vorwerfen, mit der rechten Szene zu sympathisieren.

Die Grünen hatten dafür plädiert, das „Frei.Wild“-Konzert in Ravensburg abzusagen – sie wollten nicht, dass die „Live in Ravensburg“ (Lira) GmbH als städtische Tochter „einer solchen Band ein Forum bietet“, wie es in einer Stellungnahme an Bürgermeister Simon Blümcke und Lira-Geschäftsführer Willi Schaugg hieß. Während Blümcke der Ansicht ist, man müsse „über die Programmierung der Halle und zukünftige Leitlinien“ sprechen, hält Schaugg das Konzert für unproblematisch: „Es gibt nach unserer Einschätzung keinen Grund, die Fans und Besucher an den rechten Rand zu rücken oder das Konzert als eine Art Rechtsrock darzustellen“, sagte er gegenüber der Schwäbischen Zeitung.

So sahen es auch die Fans: „Die sind nicht rechts, das ist total überzogen“, fand etwa ein Vater, der mit seinem Sohn zum Konzert kam. Einige Mädels aus Biberach meinten: Die „Frei.Wild“-Kritiker sollten sich „mal die Texte durch hören und sich informieren“. Die meisten der vornehmlich in Schwarz gekleideten Fans stehen schlicht auf die Musik der Südtiroler und versichern: „Wenn die rechts wären, würde ich nicht hingehen“. Dennoch: Auch die „Initiative gegen Rassismus Westallgäu“ hatte gegen das „Frei.Wild.“-Konzert in Ravensburg protestiert. Begründung: Mit ihrer „rechtspopulistischen Musik“ trage die Band erheblich dazu bei, „einen gefährlichen Nährboden für rechtsradikale Organisationen und Ideologien herzustellen“. Anderswo wurde ein „Frei.Wild“-Konzert abgesagt: Die Betreiber der Arena in Flensburg, wo am 20. April ein „Frei.Wild“-Auftritt geplant war, kündigten den entsprechenden Vertrag.

Die Südtiroler wollen am 20. April aber trotzdem in Flensburg sein: „Eine Band wie Frei.Wild und ihre Fans lässt sich nicht wie Vieh aus der Stadt jagen“, schreiben die vier auf ihrer offiziellen Webseite. Egal wo in Flensburg – man wolle sich zu einem „Frei.Wild-Frühlingsfest“ treffen. Das in der Flensburger Arena geplante Konzert wird ins 70 Kilometer Pahlen verlegt. Derweil trafen in Flensburg bei einer Demonstration am vergangenen Wochenende rund 90 „Frei.Wild“-Fans und 35 Auftritt-Gegner aufeinander. Die dortigen Grünen hatten eine Kundgebung angemeldet, auf der beide Seiten dann friedlich miteinander diskutierten.

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