Von farbenreichem Klang in froher D-Dur

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Die neue Truhenorgel der Orgelbauwerkstatt Daniel Gruber hat zwei turmartige Seitenteile und einen hohen Mittelteil, hinter dem
Die neue Truhenorgel der Orgelbauwerkstatt Daniel Gruber hat zwei turmartige Seitenteile und einen hohen Mittelteil, hinter dem der Organist von vorne nicht zu sehen ist. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Schwäbische Zeitung
Dorothee L. Schaefer

Eine neue „Stimme“ hat die Kirchenmusik an der Evangelischen Stadtkirche am Sonntag erhalten. Schon eindrucksvoll von der Größe her wirkt die von der Orgelbauwerkstatt Daniel Gruber in Schiltach im Schwarzwald gebaute neue Truhenorgel. Mit ihrer warmen, gelblich braunen Holzfarbe und dem klassisch zweitürmigen Aufbau, an dessen Prospekt noch die Schnitzereien fehlen, die mit den Dekorationselementen in der Kirche harmonieren sollen, bietet sie einen erfreulichen Anblick.

Dass ihr Klang auch ein besonderer ist, war beim Einweihungskonzert von KMD Michael Bender zusammen mit der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben zu erleben. Das Programm – ausschließlich in froher Dur-Tonart, wie es sich für ein Fest gehört – umfasste neben Konzerten von Händel, Haydn und Bach auch eine Kirchensonate von Mozart und zwei Orgelsoli. So konnte Michael Bender die verschiedenen Klangfarben der Orgel vorführen. In Händels Orgelkonzert F-Dur op. 4 in drei Sätzen wirkte sie hell und singend vor dem satten Streicherklang des Ensembles wie auch in Joseph Haydns fröhlichem Konzert in F-Dur.

Dazwischen spielte Michael Bender die eher getragene „Passacaglia“ von Johann Kaspar Kerll. Mozarts „Kirchensonate“ C-Dur KV 336 für Orgel und Orchester dagegen hätte auch ein Opernmotiv sein können, so heiter und weltlich wirkte dieses schlichte Stück. Im Solo der Choralpartita „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ von Johann Pachelbel mit neun Variationen konnte Bender die ganzen Klangfarben der Orgel zeigen, die doch erstaunliche viele Variationsmöglichkeiten bieten und ein beachtliches Volumen erreichen. Bachs hochberühmtes Concerto D-Dur BWV 1054 in drei Sätzen machte den Abschluss: Hier fügte sich die Orgel wieder ganz in den wunderbaren Ton des Streicherensembles ein.

Truhe aus Traubeneiche

Sehr interessant waren im Anschluss an das Konzert die Erklärungen zu Material und Aufbau der Orgel von Orgelbauer Gruber und Michael Bender, der die zahlreichen Zuhörer ermuntert hatte, sich das Instrument aus der Nähe anzusehen. Das Material ist Traubeneiche, die auf steinigen Böden wächst (botanisch 'quercus petraea', deshalb im Deutschen auch 'Steineiche' genannt, nicht zu verwechseln mit der Eiche des Mittelmeerraums) aus dem Schwarzwald. Es ist ein hartes, zugleich aber gut zu bearbeitendes Holz, das traditionell im Orgelbau verwendet wird; die noch zu schnitzenden Prospektteile sind aus weichem Lindenholz und werden der Orgel dann den zum Kirchenbau passenden Schmuck verleihen. Die Orgel verfügt über ein Manual und nur über sechs Register, die allerdings je zwei Tonhöhen haben: zwei 8-Fuß-, zwei 4-Fuß-, ein 2-Fuß- und ein Quintenregister. Damit ist sie bestens ausgestattet für die Aufführung von Alter Musik und kann als Continuo in vielen Konzerten eingesetzt werden. Vermutlich wird sie ihren ständigen Platz im vorderen Teil des Chors erhalten.

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