Versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung: Täter in der Psychiatrie

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(Foto: Anna Kratky)
Schwäbische Zeitung
Digitalredakteurin

Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung hat der Haftrichter gegen den afghanischen Asylbewerber, der am Freitagnachmittag auf dem Marienplatz und am Frauentor in Ravensburg gegen 16.20 Uhr auf drei Personen eingestochen und diese dabei schwer verletzt hat, einen Unterbringungsbefehl erlassen. Das teilte die Staatsanwaltschaft und die Polizei mit. 

Der Beschuldigte leidet nach der Einschätzung eines Gutachters an einer tiefgreifenden psychiatrischen Erkrankung. Er befand sich deshalb mehrfach in stationärer Therapie. Nach dem vorläufigen Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen war aufgrund dieser Erkrankung die Schuldfähigkeit bei Begehung der Tat ausgeschlossen oder zumindest erheblich vermindert. Er wurde deshalb in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. 

Nach aktuellen Erkenntnissen ist der Beschuldigte 21 Jahre alt - nach ersten Informationen hatte es noch geheißen, der Mann sei 19 Jahre alt. 

Streit mit einem Arbeitskollegen mit dem Messer austragen

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat zu der Tat beigetragen, dass der Beschuldigte schon seit längerem Streit mit einem Arbeitskollegen hatte. Er beabsichtigte, diesen Konflikt mit seinem Kontrahenten auf dem Marienplatz auszutragen - und dazu hatte er sich ein größeres Messer besorgt.

Als jedoch sein Arbeitskollege der Aufforderung, zum Marienplatz zu kommen, keine Folge leistete, stach er unvermittelt auf unbeteiligte Personen ein.

Was geschehen ist:

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft handelte es sich dabei um ein "psychotisches Erleben". Dass der Mann psychisch krank war und in Behandlung war, hatten die Ermittler schon kurz nach der Festnahme herausgefunden. 

Die ersten beiden Opfer keine näheren Bekannten

Der Mann stach mit seinem Messer zunächst bei der Bushaltestelle am nördlichen Marienplatz auf zwei syrische Asylbewerber im Alter von 19 und 20 Jahren ein, die er allenfalls vom Sehen kannte. Einen Streit zwischen den drei Männern, der ursprünglich als Motiv in Frage gekommen war, bestand demnach nicht.

Dritter Mann bleibt unverletzt

Dann attackierte er einen weiteren Mann, der jedoch nicht verletzt wurde. Anschließend entfernte sich der mutmaßliche Täter in Richtung Frauentor. Im Außenbereich der Gaststätte Engel traf er auf einen 52-jährigen Deutschen aus Frankfurt. Dieser stellte sich dem Beschuldigten entgegen, um weitere Anwesende zu beschützen. Dabei hielt er sich einen Stuhl schützend vor den Körper. Der Tatverdächtige fügte auch diesem Mann mehrere Stiche zu und verletzte ihn.

Danach kam es zum zufälligen Zusammentreffen mit dem Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp. Dieser forderte den Afghanen auf, das Messer abzulegen, was dieser auch tat.

Im Interview mit der "Schwäbischen Zeitung" berichtet Rapp über das Zusammentreffen und die Auswirkungen, die dieser Tag auf Ravensburg haben wird:

Nahezu gleichzeitig kam ein Polizeibeamter hinzu, der dem Beschuldigten mit gezogener Waffe entgegentrat und diesen anschließend widerstandslos festnehmen konnte.

Lebensgefahr besteht nicht mehr

Die drei Opfer, die zunächst von Passanten betreut wurden, mussten vom Rettungsdienst zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Der 20-jährige Syrer, der lebensgefährliche Verletzungen erlitt, befindet sich zwischenzeitlich außer Lebensgefahr.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden ist davon auszugehen, dass durch das beherzte Verhalten des 52-jährigen Frankfurters, des Oberbürgermeisters und des Polizeibeamten Schlimmeres verhindert wurde.

Die umfangreichen Ermittlungen laufen mit Hochdruck weiter. Bislang gibt es keine Erkenntnisse, dass der Tat ein religiöses oder politisches Motiv zu Grund liegt.

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