Verlängerung: Kiesabbau geht bis 2030

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Schwäbische Zeitung

Ursprünglich sollte 2010 Schluss sein mit dem Kiesabbau in Knollengraben. Bis zu diesem Zeitpunkt wollte der damalige Besitzer Engelbert Hiemer das Kiesvorkommen in dem Ravensburger Ortsteil aus dem Boden geholt haben, bis 2014 sollte die Grube rekultiviert sein. 2003 verunglückte der Unternehmer jedoch tödlich, 2008 kaufte die Kieswerk Ravensburg GmbH und Co. KG das Gelände und baut dort seit anderthalb Jahren wieder Kies ab. Allerdings sehr viel langsamer als das Vorgängerunternehmen. 20 bis 25 Lastwagen fahren täglich durch Knollengraben, der Lärm des Abbaus liegt nach einem Gutachten unter allen Grenzwerten. „Keinerlei Beschwerden“ sind nach Auskunft von Baubürgermeisterin Stephanie Utz heute im Technischen Ausschuss bislang bei der Stadtverwaltung eingegangen, seit wieder Kies abgebaut wird. Das Kieswerk Ravensburg baut gerade eine eigene Lärmschutzwand, reinigt die Reifen der Lastwagen in einer eigenen Waschanlage, und schaffte eine Kehrmaschine sowie eine Sprinkleranlage an, damit im Sommer kein Staub aufwirbelt, wie Geschäftsführer Andreas Drewing in der Sitzung erläuterte.

Durch den langsameren Abbau verlängert sich aber die Dauer. Erst 2030 will das Kieswerk jetzt mit der Ausbeutung fertig sein und die Grube bis 2034 rekultivieren. Bei einer Bürgeranhörung, die vom Landratsamt noch auszuwerten sein wird, kamen einige negative Reaktionen. Den Wertverlust seiner Immobilie befürchtet ein Anwohner von Knollengraben durch den verlängerten Abbau, „unzumutbare Beeinträchtigung in den nächsten 33 Jahren durch Lärm, Staubimmissionen und Erschütterungen“ ein anderer.

Im Technischen Ausschuss des Gemeinderates kamen die Pläne des sanften Abbaus hingegen gut an. Gerade die Rekultivierungspläne – 2034 soll das Gelände ein Biotop für seltene Tierarten sein, was ein Geologe und Ökologe im Auftrag der Firma anhand von hübschen Bildern mit bunten Schmetterlingen und anderen Tieren und Pflanzen verdeutlichte – stießen auf großes Lob. Zum Beispiel von den Grünen. „Es ist klar: Eine historische Abbaustelle löst sich nicht in Luft auf“, sagte Fraktionschef Manne Lucha. Durch den langsamen Abbau werde die Bevölkerung weitgehend geschont, die Belastung reduziert, die Artenvielfalt durch die lobenswerte aufwändige Rekultivierung wieder hergestellt.

Walter Blum (CDU) zeigte sich ein wenig geschockt von den bisherigen Plänen, die die Vorgängerfirma verfolgt hatte und die ja auch genehmigt worden seien. „Mir stellen sich die Nackenhaare auf. Da war ein Raubbau geplant, und da war ein Raubbau genehmigt.“ Werner Fricker (Freie Wähler) und Michael Lopez-Diaz (SPD) konnten sich indes „vorstellen, dass das die Anwohner nicht erfreut“ (Fricker), „denn von uns wohnen die wenigsten da“ (Lopez-Diaz).

Böses witterte einzig und allein Siegfried Scharpf (Bürger für Ravensburg): „Wo i die Blümle alle gesehen hab, war mir klar: Irgendwas stinkt da“, meinte er im Hinblick auf das idyllische Ende der Präsentation der Rekultivierungspläne mit den Bildern von Pflanzen und Schmetterlingen. Eigentlich gebe es überhaupt keinen Grund, die Abbaugenehmigung zu verlängern.

Das sah Dr. Roland Dieterich (FDP) wiederum anders. „Gerade die Verlängerung ist hier das Charmante“, warb er für den schonenden Abbau. Man müsse unterscheiden zwischen den „subjektiven Gefühlen der Bürger“ und den objektiven Aussagen der Gutachter, die festgestellt hatten, dass Lärmemissionen kaum messbar seien.

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