Verkehrsbelastung: Bürger fordern schnelles Handeln

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Samstags gehört die Marktstraße den Wochenmarktbesuchern, unter den Wochen vor allem den Autos. Das soll sich ändern, fordern B (Foto: Derek Schuh)
Schwäbische Zeitung
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In einer Bürgerinformation stellt die Ravensburger Stadtverwaltung am Donnerstagabend um 19 Uhr im Schwörsaal ihre ersten Überlegungen für ein neues Verkehrskonzept in der Oberstadt vor. Die Agendagruppe Oberstadt hat in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl an Vorschlägen aus Sicht der Anwohner formuliert - ins Gespräch mit der Verwaltung kam sie aber ihrer Darstellung nach nicht. „Die Stadt verschließt sich komplett, da gab es bisher keinen Dialog“, sagt Dieter Fuchs von der Agendagruppe. „Das ist ein Unding.“ Diese Behauptung wiederum bewertet Alfred Oswald, Sprecher der Stadt, „gelinde gesagt als dreist“.

Oswald verweist auf ein Gespräch der Stadt mit der Agendagruppe am 9. Januar. Im Protokoll dazu heißt es, die von der Agenda geäußerten Wünsche seien aufgenommen, in eine Reihenfolge gebracht „und teilweise diskutiert worden“.

Die Oberstadt-Agenda hat sich für 2014 die „Reduzierung des Verkehrs in der Oberstadt und damit verbunden die Schadstoffminderung in der Luft“ zum Ziel gemacht. Ihre Forderungen im Einzelnen:

Burgstraße: Um den Verkehr drastisch zu reduzieren, verlangt die Agendagruppe die Einführung einer Einbahnregelung in der Burgstraße. Sollte es dafür keine Mehrheit im Gemeinderat geben, sollte die Burgstraße verkehrsberuhigt werden. Weitere Forderungen: regelmäßige Radarmessungen, richtige Bodenschwellen, einen Fußgängerüberweg beim Kunstmuseum und einen beim Ravensburger Verlagsmuseum.

Nachtberuhigung: Die Bürgerinitiative verlangt eine Sperrung der Oberstadt zwischen 22 und 6 Uhr für alle Kraftfahrzeuge außer derer der Anwohner. Rechtlich sei das möglich, die Stadt Überlingen habe ein solches Verbot bereits eingeführt. Am Bodensee gibt es auch das von der Agenda geforderte Fahrverbot für Motorräder im Zentrum.

Marktstraße: Die untere Marktstraße müsse als Fußgängerzone entsprechend klar ausgeschildert werden. Vor und hinter dem Obertor wünscht sich die Agendagruppe Zebrastreifen für Fußgänger.

Herren- und Kirchstraße: Hier sollen die Durchfahrten in die Marktstraße und auf den Gespinstmarkt baulich verhindert oder verboten werden. Manfred Lenz von der Agendagruppe: „Ein Großteil der Autos in der Oberstadt kann man dem Parksuchverkehr und dem Abkürzungsverkehr zuordnen. Diesen könnte man durch einfache Maßnahmen aus der Altstadt verbannen.“

Wilhelm- und Leonhardstraße: Um den Schwerlastverkehr zu reduzieren, sollten nach Ansicht der Bürgergruppe diese Straßen mit einer Lkw-Maut belegt werden. Zudem steht die Forderung im Raum, die Zahl der Fußgängerüberquerungen in der Wilhelmstraße zu reduzieren oder eine Unterführung zu bauen. Dadurch könnte der Verkehr schneller fließen, was die Schadstoffbelastung der Luft reduziere.

Weitere Verkehrsänderungen: Die vielfach Stau verursachende Linksabbiegerspur von der Schussen- in die Gartenstraße sollte nach Wunsch der Agendagruppe wegfallen; Autos könnten in die Nordstadt und nach Weingarten über die Nothelferbrücke fahren. Ebenfalls wegfallen sollte die Abbiegemöglichkeit von der Marktstraße in die Leonhardstraße und die Durchfahrt von der Herren- in die Rossbachstraße.

Schadstoffe: Die Oberstadt-Agenda hatte bei Spot-Messungen eine erhebliche Schadstoffkonzentration in der Luft festgestellt. Für die Stadtverwaltung hatte das keine Konsequenzen. Die Bürger verlangen jetzt die Erstellung eines Luftreinhalteplans mit klaren Terminfestlegungen. „Die Bewohner, die unmittelbar an diesen Straßen wohnen, sind nicht nur vom Dauerlärm betroffen, sondern müssen mit einem gewaltigen Gesundheitsrisiko wegen der weit überschrittenen zulässigen Luftverschmutzung leben“, sagt Lenz. Kommerzielle Interessen dürften nicht über die Gesundheit der Bürger gestellt werden.

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