Vergifteter Babybrei könnte bereits in Kundenhand gewesen sein

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 Ein Glas mit vergifteter Babynahrung könnte vorübergehend im Einkaufswagen eines Kunden gelandet sein.
Ein Glas mit vergifteter Babynahrung könnte vorübergehend im Einkaufswagen eines Kunden gelandet sein. (Foto: Marcus Fey)

Eines der fünf vergifteten Gläser mit Babynahrung, die der mutmaßliche Supermarkterpresser vor rund einem Jahr in Lebensmittel- und Drogeriemärkten in Friedrichshafen deponiert hat, ist möglicherweise vorübergehend im Einkaufswagen eines Kunden gelandet. Hinweise darauf gab es am zweiten Prozesstag am Landgericht Ravensburg.

Wie bereits berichtet, war das letzte mit Ethylenglycol kontaminierte Glas erst am Dienstagabend, 19. September, gefunden worden, obwohl der Marktleiter bereits am Samstagabend sämtliche Gläser der betroffenen Sorte aus dem Regal entfernt und die Polizei am Tag darauf mindestens ein weiteres Glas sichergestellt hatte, das sich an einer anderen Stelle des Regals befunden hatte.

Wie am zweiten Prozesstag während der Anhörung eines weiteren Kriminalbeamten klar wurde, hat eine Mitarbeiterin des Marktes ein weiteres Glas, das sich in einem ganz anderen Regal befand, im Verlauf des Montags wieder dort einsortiert, wo es der Sorte nach hingehörte. Wie sich einen Tag später herausstellte, handelte es sich um jenes mit der für Kleinkinder tödlichen Dosis Gift.

Wie es in das andere Regal gelangt war, ist unklar. Dass ein Kunde es zunächst mitgenommen, dann aber doch nicht gekauft, sondern wieder abgestellt hat, lässt sich nicht belegen, liegt aber zumindest im Bereich des Möglichen.

Der mutmaßliche Supermarkterpresser muss sich vor dem Schwurgericht am Landgericht Ravensburg nicht nur wegen räuberischer Erpressung und gemeingefährlicher Vergiftung verantworten, sondern auch wegen versuchten Mordes in fünf Fällen.

Der angeklagte mutmaßliche Supermarkt-Erpresser (M) kommt in Saal 1 des Landgerichts. Weil er Babynahrung vergiftet haben soll,
Der angeklagte mutmaßliche Supermarkt-Erpresser (M) kommt in Saal 1 des Landgerichts. Weil er Babynahrung vergiftet haben soll, muss er sich wegen versuchten Mordes in fünf Fällen verantworten. (Foto: dpa)

In seiner am Montag von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung hatte er zugegeben, dass er 11,75 Millionen Euro von verschiedenen Handelsunternehmen gefordert und damit gedroht hat, 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, habe er in fünf Geschäften in Friedrichshafen je ein vergiftetes Glas Babynahrung deponiert.

Die Absicht, Menschen zu verletzen oder gar zu töten, habe er aber nie gehabt. So gab der Angeklagte zu verstehen, dass der das Gift nicht für tödlich gehalten habe und er die Gläser bewusst am späten Samstagnachmittag und nicht in die vorderen Reihen der Regale gestellt habe.

Er sei davon ausgegangen, dass sie schnell gefunden würden, nachdem er in seinem auch ans Bundeskriminalamt verschickten Erpresserschreiben relativ genaue Hinweise gegeben hatte. Tatsächlich konnten bis zur Öffnung der Märkte am darauffolgenden Montagmorgen nur drei der fünf Gläser sichergestellt werden.

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