TWS wollen Genussrechte ausgeben

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Hat große Pläne für die Zukunft: TWS-Chef Andreas Thiel-Böhm will die Bürger an seinem Unternehmen beteiligen. (Foto: TWS/Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zustimmt, können sich Bürger ab Ende des Jahres an den Technischen Werken Schussental (TWS) über sogenannte Genussrechte beteiligen. Der Aufsichtsrat des kommunalen Energieversorgers, der den Städten Ravensburg und Weingarten sowie der EnBW gehört, hat dem Vorhaben bereits zugestimmt.

Wie TWS-Geschäftsführer Andreas Thiel-Böhm am Montag bei der Bilanzpressekonferenz in Ravensburg erläuterte, wollen sich die TWS auf diese Art zehn Millionen Euro von Bürgern leihen, um mit dem Geld noch stärker in regenerative Energien zu investieren. Denn der Gewinn, den das Unternehmen mit dem Verkauf von Strom, Gas und Wasser erwirtschaftet, fließt zu großen Teilen an die Gesellschafter zurück. In diesem Jahr bekommen sie vereinbarungsgemäß vier Millionen Euro, der Gewinn lag mit insgesamt 4,3 Millionen Euro eine Million Euro unter dem Vorjahreswert.

Da mit 300 000 Euro verbleibendem Überschuss keine großen Sprünge bei Investitionen in regenerative Energien gemacht werden können, planen die TWS die Erhöhung der Eigenkapitalquote durch die Bürgeranleihen. Mit Beträgen ab 1000 Euro können sich Privatleute und Unternehmen beteiligen. Diese Genussrechte sollen voraussichtlich eine Laufzeit von zehn Jahren haben und mit einem Mindestzins von zwei bis drei Prozent pro Jahr eine bessere Geldanlage bieten als normale Sparguthaben derzeit. Falls jemand früher an seine Einlage heran will, kann er die Genussrechte frei handeln, also wieder verkaufen. Dabei wollen die TWS behilflich sein.

Da der aus den Stadtwerken Ravensburg und Weingarten hervorgegangene Energieversorger in den zwölf Jahren seines Bestehens immer zwischen drei und zehn Millionen Euro Gewinn gemacht hat, ist die Geschäftsführung optimistisch, dass der tatsächlich ausgezahlte Zins höher liegen wird. Garantien dürfe man aber keine geben, es handelt sich also nicht um eine Art festverzinsliches Wertpapier. Ein Stimmrecht über Unternehmensstrategien besteht nicht.

TWS verlieren Gaskunden

Obwohl der Gewinn 2012 nicht gerade üppig ausgefallen ist, ist der Umsatz stark gestiegen: von 83 auf 95 Millionen Euro. Bedingt seien die Zuwächse durch 2000 neue Kunden auf dem Stromsektor. Im deutlich lukrativeren Gasmarkt (mit höheren Gewinnspannen) haben die TWS im vergangenen Jahr jedoch 1000 Kunden verloren (von 20 000). Thiel-Böhm: „Der Wettbewerb ist deutlich schärfer geworden.“ Nicht ganz erfüllt wurden die Erwartungen in die neuen Windkraftanlagen. „Wir hatten ein saumäßiges Windjahr“, meinte TWS-Netz-Geschäftsführer Helmut Hertle. Vor allem im November sei das Jahresergebnis „verweht“ worden. Die Winter-Flaute machte sich für die TWS finanziell bemerkbar. Trotz ungünstiger Wetterbedingungen habe man die eigenen Erzeugungskapazitäten aber um 165 Prozent auf 37 Millionen Kilowattstunden steigern können. Seit 2009 hat das Unternehmen bereits 39 Millionen Euro in Solar- und Windkraftanlagen investiert. Wegen hoher Planungskosten rentieren sich solche Projekte meist erst nach einigen Jahren, weshalb die TWS mit höheren Gewinnspannen ab 2018 rechnet.

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