Turngala in Ravensburg versetzt Publikum in Staunen

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Babette Caesar

„Celebration“ erstrahlt auf der überdimensionalen Projektionsfläche in der Oberschwabenhalle. So das Motto, unter dem sich am Donnerstagabend die Turngala 2019/20 präsentiert hat.

Drei Stunden lang boten der Badische und der Schwäbische Turner-Bund auf seiner Tournee durch Baden-Württemberg sportliches Weltklasseformat. Akrobatische und artistische Highlights versetzten das begeisterte Publikum in Staunen. Aber nicht nur das – es war die Show als Ganzes, die faszinierte.

 Moderatorin Rosemie Warth sorgte für Farbe und Witz.
Moderatorin Rosemie Warth sorgte für Farbe und Witz. (Foto: Elke Obser)

Rosemie Warth – Clownin, Komikerin, Tänzerin, Sängerin und Musikerin in einer Person – oblag die Moderation. Bekannt für ihre freundlich singende schwäbische Mundart, ausgestattet mit strengem Dutt, Hornbrille und den immer gleich geschnittenen Kleidern, die lediglich die Farbe wechseln, hat sie für „Stimmung“ gesorgt.

„Celebrate good times“ - damit eröffneten die Kinder- und Lokalgruppen vom TG Biberach und TSG Achstetten in selbst erdachten Choreographien mit turnerischen und sportlichen Bewegungsformen den Abend. Sie zeigten in dieser 32. Turngala einmal mehr, wie aus jungen Talenten große Artisten heranwachsen können.

Die Show ist purer Genuss

„Glücklich sein ist der Weg!“ und „unerbittlich läuft die Zeit“, also genieße den Moment, lautete die Botschaft, die diese Show aus schräger Komik und artistischer Hochleistung zum puren Genuss werden ließ. Schon der Auftakt mit der Gruppe Showproject aus ehemaligen Bundesligaturnern und Turnshow-Profis machte deutlich, in welchen Dimensionen sich die freigesetzten Energien bewegen werden. Ein Tisch mit Stühlen, auf denen sie Platz genommen haben, bespielte die Bühne.

Was da noch recht harmlos aussah, verwandelte sich mit den drei Artisten in gewagte Handstände, Überschläge und Salti. So als seien diese Bewegungen das Leichteste von der Welt. Diesen Anschein vermittelten auch alle weiteren Aufführungen, was dem Abend zusammen mit mal mehr rockigen, mal mehr poetischen Popsongs aus dem Off seinen Charme verlieh.

So brachten die SKC Tabea-Gymnastinnen aus Sachsen-Anhalt mit ihrer Ball-Jonglage viel dynamischen Schwung in die Show, während die Auftritte des Duos Lukas Ivanow und Aaron Hakala aus Schweden wahre Begeisterungsstürme auf den nahezu ausgebuchten Rängen auslösten.

Furchtlose Junkies ohne Höhenangst

Als „zwei flippige Idioten, verdrehte Genies und furchtlose Jump Junkies“ beschreiben sie sich selbst, wenn sie ihr Cyr Wheel ins Rollen bringen und sich zu zweit um die eigene Achse drehen mit Pirouetten und Balanceakten. Ganz anders dagegen, wenn sie ihr Teeterboard in Anschlag bringen. In Gestalt einer drei Meter langen Holzwippe, auf der sie sich positionieren. Ungeheuerlich mutet die Sprungkraft der beiden Schleuderbrettakrobaten an, sobald sie das Brett weit hoch gen Hallendach katapultiert und sie zum Glück sicher unten landen.

 Eine spektakuläre Performance boten Blancaluz Capella und Laura Smith mit ihren Partnern Rafael Moraes und Mark Pieklo.
Eine spektakuläre Performance boten Blancaluz Capella und Laura Smith mit ihren Partnern Rafael Moraes und Mark Pieklo. (Foto: Elke Obser)

Das scheint einem wie aus Zauberhand zu passieren, nur fällt der Blick dabei unweigerlich auf die Muskelpakete des Artistic Show Team Heidelberg. Ahnt man doch, was diese Hotspots erfordern. Im „The A.S.T. Theatre“-Auftritt absolvierten die sechs Herren am Barren sehr elegant im 20er-Jahre-Dress und mühelos Liegestütze im Dreierverbund, Handstände übereinander, Salti abwärts ein- bis dreifach.

Dazwischen drängelte sich immer wieder Rosemie mit radebrechender Komik aus Stepptanzeinlage zu ploppendem Zungenschlag, mit „soderle“ und „jetzetle“, sobald sie sich zu spontanen Umarmungen anschickt und zu ihrem Flötenflockentrötendingsbums. Gemeint ist ein Alphorn, das sie meisterlich zum Klingen bringt.

Hypes, die sprachlos machen

Im Hintergrund begibt sich das Duo Jose Miguel Martinez und Gabriela Diaz Cardozo an einem Vertikalband in die Lüfte. Zirkusakrobatisch erzählen ihre sich kreiselartig windenden Körper eine innige Liebesgeschichte.

So wie auch Anatollys Ignatov und Valerly Ganzyuk mit ihrer Kontakt-Improvisation am Boden bestachen. Zu vibrierenden Xylophonrhythmen erhob sich die Ukrainerin Viktoria Gnatiuk kopfüber auf einem Baukastensystem, das sie aus dieser gebogenen Haltung heraus neu sortierte. Was ungebremsten Jubel auslöste, war die Performance „Lift“ mit Blancaluz Capella und Laura Smith. Zwischen zwei Türmen, auf denen sich ihre Partner Rafael Moraes und Mark Pieklo postierten, flogen sie wie Pendel an Armen und Beinen gehalten durch die Luft.

 Sorgten für Begeisterungsstürme: Lukas Ivanow und Aaron Hakala.
Sorgten für Begeisterungsstürme: Lukas Ivanow und Aaron Hakala. (Foto: Elke Obser)

Elvis Presleys „Jailhouse Rock“ machte diesen spektakulären Trip zu einem Best of. Eher ruhig, aber nicht weniger brisant, gab sich der Auftritt von Fasil Moges. Nicht mehr als eine Leiter braucht es für den Äthiopier, um einem mit diesem waghalsigen Balanceakt die Sprache zu verschlagen.

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