Trotz Protest: Blutbuche in der Ravensburger Südstadt darf jetzt doch gefällt werden

Lesedauer: 5 Min
 Die Blutbuche verlor beim Beschnitt im September die Hälfte ihrer einst runden Krone. Jetzt darf sie vollends gefällt werden.
Die Blutbuche verlor beim Beschnitt im September die Hälfte ihrer einst runden Krone. Jetzt darf sie vollends gefällt werden. (Foto: Archiv: Ozan Önder)
Schwäbische Zeitung

Nachdem Naturschützer, Grünen-Politiker und Baubürgermeister Dirk Bastin mit Hilfe der Polizei im September die Fällung einer Buche in der Ravensburger Südstadt aufgehalten hatten, darf der Baum jetzt doch umgemacht werden. Diese Entscheidung gab die Stadtverwaltung am Mittwoch bekannt. Der Grund für die Kehrtwende: Der Baum auf einem Privatgrundstück in der Hindenburgstraße ist laut einem von der Stadt beauftragten Gutachter irreversibel beschädigt.

Im September hatte ein von den Eigentümern beauftragtes Unternehmen schon fast die Hälfte der Baumkrone abgesägt, als die Arbeiten durch das Einschreiten der aufgebrachten Baumschützer unterbrochen wurden. Daraufhin wurde diskutiert, ob die Fällung erlaubt war oder nicht.

Stadt räumt ein: Eigentümer haben nicht gegen Recht verstoßen

Zwar sollte der Baum durch Bebauungsplaneintrag ausdrücklich gesichert werden, wie die Stadt mitteilt. Der Grundstückseigentümer habe zum Zeitpunkt der Aktion aber nicht gegen geltendes Recht verstoßen, räumt die Stadtverwaltung ein. Dass der Gemeinderat nur wenige Tage später eine Baumschutzsatzung für Ravensburg beschloss, habe keine Auswirkung auf den Fall.

Ein Baumgutachten, das die Stadt in Auftrag gab, sollte die Überlebenschancen der massiv beschnittenen Blutbuche klären. „Das Ergebnis liegt inzwischen vor und ist ernüchternd“, schreibt die Stadtverwaltung. Laut Gutachten sei ein irreversibler Schaden durch die massiven Astabschnitte entstanden, unter anderem sei die Baumkrone stark windbruchgefährdet und müsste nochmals deutlich eingekürzt werden. Die direkte Sonneneinwirkung auf den ungeschützten Baum führe zu Rindenbrand und damit zu einer weiteren Schwächung. Auf Dauer könne die Buche mit vertretbarem Aufwand nicht erhalten werden, heißt es weiter über die Ergebnisse des Gutachtens. Der Eigentümer können den Baum daher fällen.

Bastin bedauert die Entscheidung

„Auch wenn es weh tut“, sagt Baubürgermeister Dirk Bastin, „man muss das so akzeptieren.“ Das Haus auf dem Grundstück steht leer, es soll abgerissen und dann ein neues Haus gebaut werden, dem der Baum im Weg stand. Eine Baugenehmigung liegt laut Stadtverwaltung inzwischen vor. Die Eigentümer müssen aber nach Abschluss der Bauarbeiten auf ihrem Grundstück zwei Linden pflanzen und zusätzlich 9000 Euro bezahlen, damit anderswo zwei weitere Bäume gepflanzt und gepflegt werden können.

Der Anwalt der Eigentümer, Matthias Weber, begrüßte die Entscheidung. Sie zeige, dass das Vorgehen der Baumschützer damals falsch gewesen sei und die Buche schon im September hätte gefällt werden dürfen. „Meine Mandantschaft ist heilfroh, dass die Sache jetzt über die Bühne ist und hofft, dass sie weiter über die Bühne geht“, sagt er. Einen Termin für die Fällung wollte er nicht nennen.

Grüner Gemeinderat: „Das ist keine gute Nachricht“

„Das ist keine gute Nachricht“, sagte Grünen-Gemeinderat Ozan Önder über die Bekanntgabe der Stadt am Mittwoch. Önder hatte seine Mitstreiter im September auf den radikalen Baumschnitt aufmerksam gemacht und war vor Ort. „Das Gutachten hätte anders ausgesehen, wenn an dem Tag nicht so an dem Baum rumgeschnipfelt worden wäre.“ Bis die Linden, die als Ersatz gepflanzt werden müssen, so groß sind wie die Buche, werde es wohl an die 100 Jahre dauern, so Önder.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen