Transfercoup: FV Ravensburg holt Harun Toprak

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Harun Toprak (früher SC Pfullendorf) spielt in der Rückrunde für den FV Ravensburg. (Foto: Karlheinz Bodon)
Schwäbische Zeitung

Der FV Ravensburg vermeldet einen spektakulären Neuzugang für die Rückrunde. Harun Toprak (25), älterer Bruder von Bundesliga-Profi Ömer Toprak (23/Bayer Leverkusen), verstärkt die Verbandsliga-Mannschaft von Marco Konrad ab sofort. Harun Toprak ist in Oberschwaben kein Unbekannter. Wie sein Bruder ist er in Ravensburg geboren und aufgewachsen, spielte zunächst für den TSB, dann für den FV in der Jugend. Anders als Ömer, der nach der C-Jugend ins Fußball-Internat nach Freiburg ging, versuchte Harun sein Glück beim SSV Ulm 1846. Mit 19 machte er seine ersten Spiele bei den Aktiven des FVR in der Verbandsliga, mit 20 bekam er seinen ersten Profivertrag beim SC Pfullendorf, wo er mit dem heutigen FV-Trainer Marco Konrad in der Regionalliga zusammenspielte. Sprung in die Süper Lig misslingt

Der Sprung in die damals noch dritthöchste Liga in Deutschland war riesig für den jungen Spieler, aber schon im ersten Jahr machte er 25 Spiele und wurde mehr und mehr zum Stammspieler. Der SCP verpasste dann aber den Sprung in die eingleisige dritte Liga. Nach insgesamt eineinhalb Jahren in Pfullendorf kam wieder ein riesiger Sprung für Toprak. Über ein Probetraining bekam er 2010 einen Zwei-Jahres-Vertrag beim türkischen Erstligisten Sivasspor. Aber gerade in der Heimatstadt seiner Eltern wurde er nicht glücklich. Toprak konnte sich nicht durchsetzen und machte kein einziges Süper-Lig-Spiel für Sivasspor, dreimal war er im Kader. „Es hat leider nicht geklappt“, sagt er heute, „es war am Ende für ein halbes Jahr eine sehr, sehr schwierige Zeit, aber meine Familie stand immer hinter mir.“

Toprak kam dann zurück nach Deutschland. Fußball-Lehrer René Weiler (jetzt FC Aarau), der Toprak aus Pfullendorf kannte, holte ihn zum FC Schaffhausen in die zweite Schweizer Liga . Nach dem Weggang von Weiler stieg Schaffhausen in die dritte Liga ab. Toprak spielte ein weiteres Jahr in Schaffhausen.

„Eigentlich lief es sehr gut, aber dann kam die Verletzung“, sagt Toprak. In der Rückrunde 2012 plagten ihn permanent Rückenschmerzen, mehrere Monate biss er auf die Zähne und ließ sich fit spritzen. Sein letztes Pflichtspiel absolvierte er im Mai 2012 für Schaffhausen. Die Ärzte konnten die Ursache zunächst nicht finden. Toprak ging von Pontius zu Pilatus, nützte auch seine Kontakte über Bruder Ömer und andere Profis. Erst ein Arzt in der Türkei habe dann die richtige Diagnose gestellt, sagt Toprak. Auf Anraten der Ärzte in Deutschland ließ sich Toprak jedoch nicht operieren und arbeitet seitdem akribisch am Muskelaufbau für seinen Rücken. „Es sieht jetzt sehr gut aus“, freut sich Toprak im Gespräch mit der SZ. „Ich weiß heute aber, dass die Gesundheit das A und O ist.“

Über Marco Konrad kam dann der Kontakt zum FV Ravensburg zustande. „Für mich geht es darum, wieder fit zu werden“, sagt Toprak, „und ich will dem FV natürlich helfen, in die Oberliga aufzusteigen.“ Laut Toprak gab es auch Angebote aus der Regionalliga. Aber: „Ich war hier in der Jugend, der FV Ravensburg hat mir vieles gegeben, jetzt gebe ich etwas zurück.“ Harun Toprak wohnt wieder bei seinen Eltern, nur fünf Minuten vom Ebra-Stadion entfernt. Auch der Kontakt zu Marco Konrad ist ihm wichtig: „Ich weiß, wie er arbeitet, er hat auch in Pfullendorf immer als Profi gelebt.“

Schnell und torgefährlich

Toprak hat sein neues Team in der Vorrunde schon einmal angeschaut. „Es ist eine gute, junge Mannschaft“, sagt er. „Die Jungs spielen offensiven Fußball und beherrschen das Spiel.“ Das komme ihm entgegen. Toprak spielt hauptsächlich im rechten Mittelfeld, kann aber auch auf der linken Seite und in der Vierer-Abwehrkette spielen. „In mir brennt es, wieder auf den Platz zu kommen und wieder zu spielen. Ich bin gespannt, ob der Ball noch mein Freund ist“, sagt er und lacht.

„Harun ist extrem schnell, sehr torgefährlich als Vollender sowie als Vorbereiter“, sagt auch der Sportliche Leiter des FV, Peter Mörth. Mit der Verpflichtung von Toprak könne man die Abgänge der beiden Defensivspieler Moritz Fässler (Studium im Ausland) und Manuel Binninger (pausiert) kompensieren. Noch aus seiner ersten Zeit in Ravensburg weiß man um den Antritt von Toprak, er dürfte sofort einer der schnellsten in der Verbandsliga sein.

Am 25. Januar startet Harun Toprak mit dem FV Ravensburg in die Vorbereitung. Wunder darf man dabei nicht erwarten: „Ich muss noch viel nachholen, ich habe sieben Monate keinen Fußball gespielt“, sagt Toprak, „ich durfte aufgrund der Verletzung nichts machen.“ Aber Toprak ist zuversichtlich: „Ich werde Extraschichten machen, denn mein Körper muss sich wieder daran gewöhnen, zweimal am Tag zu trainieren.“ Denn klar ist für Toprak auch: „Fußball ist immer noch mein Beruf“, deshalb will sich der 25-Jährige im Sommer wieder nach einem Profi-Vertrag bemühen, wenn die Gesundheit mitspielt.

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