Tragetuch-Trend: Beraterin gibt Tipps zur richtigen Technik

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Wie man das Tragetuch anlegt, übt man am besten erst mal mit einer Puppe – Trageberaterin Sandra Mösle zeigt, wie’s geht.
Wie man das Tragetuch anlegt, übt man am besten erst mal mit einer Puppe – Trageberaterin Sandra Mösle zeigt, wie’s geht. (Foto: Ruth Auchter)

Infos zum Thema gibt’s im Internet beispielsweise auf der Internetseite des Vereins Tragenetzwerk unter www.tragenetzwerk.de oder unter Mösles Internetseite www.lupfmi.de. Im Video erläutert Sandra Mösle außerdem, was eine Trageberaterin macht und wie lange man ein Kind tragen kann: www.schwäbische.de/

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Als ihr Sohn vor 19 Monaten zur Welt kam, war für Sandra Mösle klar: Sie will ihn ins Tragetuch packen. Allerdings wusste sie nicht so recht, wie das geht: „Ich war mir unsicher, ob mein Kind richtig sitzt.“ Weder die Hebamme noch ihre Freundinnen noch die Frauen aus der Krabbelgruppe hatten Tipps parat. Und auch aus Internetvideos wurde Mösle nicht recht schlau. So beschloss die gebürtige Allgäuerin vor einem Jahr, eine Ausbildung zur Trageberaterin zu machen. Seither wird sie von immer mehr Eltern zurate gezogen. Tragetücher sind Trend.

Mösle (32) ist überzeugt: Sein Kind auf dem Bauch oder Rücken durch die Gegend zu tragen, „ist eine tolle Sache“. Für die Eltern, weil sie die Hände für andere Dinge frei haben. Und schnell spüren, wenn das Baby wach oder unruhig wird: „Ich kann dann sofort auf die Bedürfnisse meines Sohnes reagieren“, erläutert die gelernte Heilerziehungspflegerin. Tanja Brugger, Gruppenleiterin der Kinderkrippe Takatuka-Land in der Ravensburger Herrenstraße, ergänzt: „Viele der zwischen zwei Monaten und drei Jahre alten Kinder, die bei uns sind, fühlen sich im Tragetuch sicher und geborgen und genießen die Körpernähe.“

Mittlerweile gibt es auch in Aulendorf und Bergatreute Trageberaterinnen, weiß Mösle: „Und ich glaube, das wird immer mehr – das Interesse an dem Thema wächst“, so ihre Beobachtung. Der Markt reagiert mit unterschiedlichen Tragevarianten in verschiedenen Größen und Materialien – vom schlichten Tuch, das Mösles Erfahrung nach „manchen ein bisschen zu viel Gewurschtel ist“, bis hin zu diversen Tragehilfen. Mal mit, mal ohne Bauchgurt und Schnalle, mal mit gepolsterten Trägern, mal als spezielle Rückentragehilfe. Wichtig: „Das Baby muss genug Luft kriegen und die Beine sollten frei beweglich sein“, erläutert die Expertin. Bislang ziehen allerdings meist Frauen es vor, ihr Baby zu tragen, anstatt im Kinderwagen umherzuschieben. Nun, wo „die Designs immer cooler werden“, ziehen auch die Väter langsam nach, so Mösle.

Immer noch wird sie freilich häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, man verwöhne sein Kind womöglich zu sehr, wenn man es im Tuch bei sich trage. Sandra Mösle ist hingegen überzeugt: „Man kann sein Baby gar nicht verwöhnen. Im Gegenteil: Je mehr Nähe und Bindung es erfährt, umso mehr Lust hat es später, die Welt zu erkunden.“

Mehr von der Welt sehen

Weil viele Eltern noch keine Erfahrung mit Tragehilfen haben, empfiehlt Beraterin Mösle, die auch angehenden Erzieherinnen am Institut für Soziale Berufe IFSB die richtige Tragetechnik vermittelt: Erst mal mit Puppe oder Teddy üben, ehe man sich daran wagt, das eigene Kind auf den Rücken zu nehmen. Apropos: Auf den Rücken sollte man den Nachwuchs erst ab einem gewissen Alter packen – wenn er sein Köpfchen schon selbst halten kann. Erfahrungsgemäß wollen viele Babys nämlich irgendwann nicht mehr am Bauch getragen werden, „dann drücken sie oder drehen sich ständig weg“, weiß Mösle. Das bedeutet dann: Der oder die Kleine möchte mehr von der Welt sehen – was auf dem Rücken eben besser möglich ist.

All das mitsamt praktischen Einführungen ins Anlegen eines Tragetuchs vermittelt die 32-Jährige unter anderem in Tragekursen im Mehrgenerationenhaus Gänsbühl in der Ravensburger Herrenstraße – wenn sie nicht gerade in ihrem Job bei den Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte arbeitet, sich um ihre Familie kümmert oder ihren Blog verfasst. In Letzterem wälzt Mösle Gedanken zu Themen, die sie auch persönlich umtreiben. Beispielsweise die Frage nach der „Partizipation“ des Kindes. Konkret: „Wie geh’ ich damit um, wenn mein Kind partout keine Windel will?“ Wie sie all diese Aktivitäten mit zwei Kindern hinbekommt? Die gebürtige Allgäuerin grinst verschmitzt: „Das macht mir alles Spaß – und zwar mehr, als auf dem Sofa zu liegen, wenn die Kinder schlafen.“

Expertin gibt Tipps zum Tragetuch
Immer mehr Eltern wollen ihr Baby im Tuch durch die Welt tragen. Weil viele aber unsicher sind, wie sie sich ihren Nachwuchs sicher auf den Rücken packen, suchen sie Rat bei Trageberaterinnen wie der Ravensburgerin Sandra Mösle.

Infos zum Thema gibt’s im Internet beispielsweise auf der Internetseite des Vereins Tragenetzwerk unter www.tragenetzwerk.de oder unter Mösles Internetseite www.lupfmi.de. Im Video erläutert Sandra Mösle außerdem, was eine Trageberaterin macht und wie lange man ein Kind tragen kann: www.schwäbische.de/

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