Traditionsreicher Männerchor feiert „Hundertjähriges“

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 Petrolfarbene Sakkos, schwarze Hosen, türkisfarbene Krawatten und weiße Hemden – der Männerchor Eschach 1919 kann sich sehen la
Petrolfarbene Sakkos, schwarze Hosen, türkisfarbene Krawatten und weiße Hemden – der Männerchor Eschach 1919 kann sich sehen lassen. Auf dem Gruppenbild fehlt Dirigent Arno Kleiß. (Foto: Siegfried Heiß)
Günter Peitz

Mit einem Jubiläumskonzert am Samstag, 18. Mai, begeht der Männerchor Eschach 1919 e. V. zusammen mit dem Ravensburger Vokalensemble diapaso´n, Erik Hörenberg (Trompete, Flügelhorn) und Tobias Rädle (Klavier) sein 100-jähriges Bestehen. Sie sind gewiss nicht mehr die Jüngsten, die 18 aktiven Sänger, Altersdurchschnitt knapp 75 Jahre, aber sie lassen sich einfach nicht unterkriegen und haben unter der Leitung ihres Chorleiters Arno Kleiß ein abwechslungsreiches Programm auf beachtlichem Niveau vorbereitet.

Früher einmal, nach der Wiedergründung des traditionsreichen Männerchors nach dem Krieg 1950 als „Liederkranz Eschach-Gornhofen“, hatten 52 Sänger auf der Mitgliederliste gestanden, darunter auch „Überbächler“. So nennen die alteingesessenen Eschacher die Nachbarn jenseits des Grenzbaches aus Hegenberg und Liebenau. Doch die Glanzzeit des Männergesangs ganz allgemein landauf, landab und auch in der Ortschaft Eschach ist lange vorbei, wissen Vorsitzender Heinz Mrosek, übrigens auch ein „Überbächler“ und stellvertretender Vorsitzender sowie Schriftführer Berthold Biegger nur zu gut, wird in einem SZ-Gespräch zur Chorgeschichte und zum bevorstehenden Jubiläum deutlich.

Mit ihrem weitgespannten Repertoire, das deutsche und ausländische Volkslieder umfasst, aber auch bekannte Opernchöre und „Ohrwürmer“ aus Musicals, kommt der Chor zwar bei der älteren Generation nach wie vor bestens an, aber nicht mehr so gut bei den Jüngeren. Zudem wollen oder können sich jüngere Sänger nicht mehr so wie die 18 Aufrechten, die dem Chor trotz mancher gesundheitlicher Einschränkungen eisern die Treue halten, ständig an den Verein binden. Sie sind allenfalls noch für einen zeitlich befristeten Projektchor zu gewinnen.

Chorleiter-Klippe umschifft

Etliche Männerchöre im Kreis Ravensburg haben unter diesen erschwerten Bedingungen bereits aufgegeben, manche scheiterten auch, weil sie keinen Dirigenten mehr fanden. Nicht so die Eschacher Sänger, die sich neben den drei Kirchenchören in der Ortschaft (Obereschach, Gornhofen und Weißenau) weiter behaupten. Es gelingt ihnen demnächst sogar, die gefährliche Chorleiter-Klippe zu umschiffen. Im Sommer tritt ihr bewährter Leiter Arno Kleiß (seit 2011), der als gelernter Schulmusiker Schwung in die sangesfreudige Truppe gebracht hat, in den Ruhestand. Doch ein Nachfolger steht schon bereit. Es ist „Vize“ Paul Keckeisen. Sich zu wandeln in einen gemischten Chor, um die Zukunft zu gewinnen, daran denken die Eschacher Sänger nicht. In ihrem Alter wollen sie sich nicht mehr umorientieren. Wohl aber erwägen sie Konzert-Kooperationen mit anderen Chören an wechselnden Orten.

In den vergangenen 100 Jahren haben 12 Dirigenten und 12 Vorstände die Vereinsgeschichte geprägt. 1919 war der „Sängerbund Eschach-Liebenau“ als Unterabteilung des „Kriegervereins Obereschach“ gegründet worden. In den Zwanzigern und Anfang der Dreißiger des vergangenen Jahrhunderts traten 30 Sänger regelmäßig bei Weihnachts- und Frühjahrskonzerten auf. Diese fanden früher im Bräuhaus statt, später in der Festhalle Weißenau und schließlich in der Eschachhalle vor noch größerem Publikum. 1954 erreichte der Chor beim Gauliederfest in Friedrichshafen die Bestnote „sehr gut“. Er galt als Referenzchor.

„Die musst du hören“, hieß es voller Respekt bei anderen Chören. Selbstverständlich waren die Eschacher früher auch häufig auf Achse, kamen weit herum, sogar bis nach Wales im Rahmen der Städtepartnerschaft, hatten diese Partner von der britischen Insel auch schon zweimal in Eschach zu Gast. Gemeinsame Konzerte mit befreundeten Chören gab es auch schon früher. Ein Erfolgsmodell, das die Eschacher seit 1971 entwickelt haben, ist das beliebte Wunschkonzert. Anlässlich ihres Jubiläums wünschen sie sich, dass das deutsche Volksliedgut an den Schulen wieder mehr gepflegt werden möge, damit der Chorgesang hierzulande eine Zukunft hat.

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