Towerstars-Trainer Toni Krinner stirbt an Krebs

Lesedauer: 7 Min

Toni Krinner, seit Oktober 2016 Trainer der Ravensburg Towerstars, ist an Krebs gestorben.
Toni Krinner, seit Oktober 2016 Trainer der Ravensburg Towerstars, ist an Krebs gestorben. (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

„Wir sehen uns am Donnerstag im Training.“ Das sagte Towerstars-Trainer Toni Krinner nach dem Spiel gegen den SC Riessersee am vorletzten Sonntag zum Geschäftsführer Rainer Schan. Er werde sich die Gallensteine entfernen lassen müssen, so Krinner. Schnell wollte der 49-Jährige zurückkehren. Gesehen haben sich Schan und Krinner jedoch nicht mehr. Denn der Trainer des Eishockey-Zweitligisten ist in der Nacht zum Donnerstag völlig überraschend seinem Krebsleiden erlegen.

Das gab Schan am Donnerstagvormittag bekannt. Krinner wurde nur 49 Jahre alt, er hinterlässt seine Lebensgefährtin, mit der er eine kleine Tochter hat. Der Bad Tölzer war schon mal verheiratet, aus dieser Ehe stammen zwei erwachsene Kinder.

„Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei der Familie und bei seinen Kindern“, sagte Schan, der am Donnerstagvormittag sichtlich unter Schock stand. Krinner starb an Leber- und Nierenversagen, nachdem er vor einer Woche kurzfristig wegen Schmerzen in die Klinik musste. Zunächst war von einer notwendigen Gallenstein-Operation die Rede. Doch letztlich gab es die bittere Gewissheit, dass der Lymphdrüsenkrebs zurück war. In der Nacht auf Donnerstag erlag der 49-Jährige dann seinem Leiden. Krinners Familie war am Mittwochabend noch bei ihm in der Klinik. „Ich hatte eine enge, freundschaftliche Verbindung zu ihm“, sagte Co-Trainer Christopher Oravec. „Wir haben sechs Tage in der Woche im Trainerbüro analysiert und diskutiert.“ Oravec hat jetzt die schwere Aufgabe, das Team auf die letzten Hauptrundenspiele in der Deutschen Eishockey-Liga 2 gegen Rosenheim (Freitag) und in Bad Nauheim (Sonntag) sowie die Pre-Play-offs (ab Dienstag) vorzubereiten.

Seit Oktober bei den Towerstars

Zum ersten Mal hatte die Krankheit im Sommer 2015 zugeschlagen. Nach einer intensiven Behandlung hatte sich Toni Krinner länger auf seine Jagdhütte im Wald zurückgezogen, kämpfte erfolgreich gegen den Krebs und kehrte ins Eishockeygeschäft zurück (siehe Kasten). Ende Oktober 2016 ersetzte Krinner bei den Towerstars den entlassenen Trainer Dany Naud. „Ich bin zu 100 Prozent fit“, hatte der Bad Tölzer damals versichert. „Meine Frau und meine Ärzte würden mir etwas erzählen, wenn ich mich übernehmen würde.“

Rainer Schan vermutet, dass Krinner schon länger Anzeichen der heimtückischen Krankheit bei sich entdeckt hatte, es aber für sich behielt und sich voll auf die schwierige Saison mit den Ravensburg Towerstars konzentrierte. „Er hat in den letzten drei, vier Wochen hier wahrscheinlich sehr gelitten und hatte enorme Schmerzen“, meint Schan. „Er hatte wohl nur noch eines im Kopf: ,Ich muss die Mannschaft vor dem elften Platz und den Play-downs bewahren.’ Und das hat er durchgezogen.“ Nach dem 4:0-Heimsieg gegen den SC Riessersee am 19. Februar war sich Krinner laut Schan dann sicher, mit seinem Team den Klassenerhalt geschafft zu haben.

Hochzeit im April geplant

Ein paar Tage später musste Krinner in die Klinik. „Es ist umso bemerkenswerter, was er für einen Willen gezeigt und was er für unsere Organisation geleistet hat“, sagt Schan. „Er hat bis zuletzt alles für die Towerstars gegeben.“ Parallel zur schwierigen aktuellen Saison arbeiteten Krinner und Schan im Hintergrund schon akribisch an der neuen Saison. Ende des vergangenen Jahres unterschrieb der Trainer einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den Towerstars. Einen Tag, bevor Krinner ins Krankenhaus musste, hatte er mit Schan noch über neue Spieler gesprochen. Mit seiner Familie suchte der Trainer bereits eine Wohnung in Ravensburg. Im April wollte der 49-Jährige seine Lebensgefährtin heiraten. „Er war kurz davor, hier ein Haus zu kaufen“, meinte Schan. „Er wollte seinen Lebensmittelpunkt nach Ravensburg verlegen. Er wusste, dass hier etwas entstehen kann.“

Stille in der Kabine

Die Mannschaft erfuhr am Donnerstagvormittag vor dem Training in der Kabine vom Tod des Trainers. „Danach war es ein paar Minuten komplett still“, sagte Verteidiger Raphael Kapzan. Oravec und seine Mannschaft müssen sich trotz des Schocks am Freitagabend in der Eissporthalle im vorletzten Spiel der DEL-2-Hauptrunde den Starbulls Rosenheim stellen. „Der Sport“, gestand Rainer Schan mit belegter Stimme, „steht aber jetzt komplett im Hintergrund.“ Für Stürmer Max Brandl ist jedoch klar: „Toni Krinner war so ehrgeizig, dass es sein Wunsch gewesen wäre, dass wir uns als Team zusammenreißen.“ Das Ganze, gab Brandl zu, sei jedoch „ein Horrorszenario“.

„Wir sind geschockt“, sagte Towerstars-Verteidiger Lukas Slavetinsky. „Als Trainer hat er eine klare Linie verfolgt, daran musste man sich halten, da war er sehr fordernd. Als Mensch habe ich ihn sehr schätzen gelernt“, sagte Slavetinsky weiter, „er hatte eine geradlinige, direkte Art. Wie er mit der Krankheit umgegangen ist, zeigte, was er für ein Kämpfer war. Ich habe größten Respekt, er war ein absolutes Vorbild.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen