Towerstars müssen gegen ihren Angstgegner ran

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Dieser Blick sagt alles: Jonas Langmann und die Ravensburg Towerstars wollten die Pre-Play-offs eigentlich vermeiden.
Dieser Blick sagt alles: Jonas Langmann und die Ravensburg Towerstars wollten die Pre-Play-offs eigentlich vermeiden. (Foto: Jan Huebner)
Sportredakteur

Die Ravensburg Towerstars müssen in der DEL 2 zum zweiten Mal in Folge in die Pre-Play-offs. Im alles entscheidenden „Endspiel“ beim EC Bad Nauheim um den direkten Einzug ins Viertelfinale unterlag die Mannschaft von Trainer Jiri Ehrenberger verdient mit 3:5. Da die Eispiraten Crimmitschau gleichzeitig bei den Heilbronner Falken gewannen, müssen die Towerstars nun gegen ihren Angstgegner aus Sachsen ran. Das erste von maximal drei Spielen findet am Dienstag in der Ravensburger Eissporthalle statt.

Dem grundsätzlich kaum zu Emotionen neigenden Ehrenberger war die Niederlage in der Pressekonferenz praktisch nicht anzumerken: „Meine Mannschaft hat nie aufgegeben. Bad Nauheim hat die Tore immer zum richtigen Zeitpunkt geschossen.“ Sein Gegenüber Petri Kujala meinte nach dem Erreichen des fünften Platzes: „Wir haben hart für diesen Erfolg gearbeitet.“

Die Ausgangslage für beide Mannschaften war leicht zu überblicken: Schon mit dem Erreichen der Verlängerung würde Bad Nauheim mindestens den sechsten Platz verteidigen, Ravensburg brauchte dagegen zwingend einen Sieg nach regulärer Spielzeit. Für diese Aufgabe stand Ehrenberger zwar der immer noch erkrankte Lukas Slavetinsky nicht zur Verfügung; sechs Verteidiger konnte der Towerstars-Coach trotzdem aufbieten, da der gegen Kassel gesperrte Kilian Keller als sechster Verteidiger wieder dabei war. Kapitän Vincenz Mayer durfte deshalb auf seine Stürmerposition zurückwechseln.

Rückstand nach 43 Sekunden

Es dauerte gerade einmal 43 Sekunden, da lag der Puck schon im Ravensburger Netz. Einen Schuss von James Livingston konnte Towerstars-Goalie Jonas Langmann zwar zur Seite abwehren, die freie Scheibe schnappte sich aber der Ex-Ravensburger Radek Krestan und verwandelte ohne große Hektik. So hatte sich Ehrenberger das nicht vorgestellt. „Den Rückstand haben wir zu einfach bekommen“, bemängelte der Towerstars-Trainer. Auch eine erste Überzahl brachte keine Sicherheit ins Aufbauspiel, im Gegenteil: Bad Nauheim war viel besser in der Partie und kam zu mehreren Chancen. Zwei Strafzeiten hintereinander (Martin Kokes und Vincenz Mayer mussten in die Kühlbox) lähmten zudem die Ravensburger Bemühungen. Die erste große Möglichkeit ließ fast 15 Minuten auf sich warten. Jakub Svoboda traf im Powerplay den Außenpfosten, kurz danach scheiterte David Zucker mit der Rückhand an Bad Nauheims Goalie Felix Bick. Eine weitere Überzahl gaben die Towerstars kurz vor der ersten Pause durch zwei eigene Strafen kläglich aus der Hand.

Das zweite Drittel verschlechterte die Aussichten für die Gäste noch. Zwar hatten sie früh ihre bis dahin stärkste Phase: Im insgesamt vierten Ravensburger Powerplay kurvte Brian Roloff mit dem Puck über das ganze Feld, spielte dann genau auf Carter Proft – und dieser traf (27.). Weitere gute Chancen durch Justin Buzzeo und Kilian Keller folgten. Doch dann machten sie es sich wieder selber schwer. Daniel Pfaffengut musste nach einem Check ins Gesicht von Marcel Brandt (zwei Minuten plus zehn) auf die Strafbank. Diese Überzahl nutzte Bad Nauheim zur erneuten Führung durch Krestan (33.). Nur mehreren Sensationsparaden von Langmann war es danach zu verdanken, dass es zunächst beim 1:2 blieb. Eine weitere Unterzahl kurz vor der zweiten Pause war dann eine zu viel. Sieben Sekunden vor der Sirene netzte Marcel Brandt zum 3:1 ein, Krestan verdiente sich durch die Vorlage seinen dritten Scorerpunkt an diesem Abend.

Bad Nauheim nicht verunsichert

Im Schlussdrittel brauchten die Towerstars nun mindestens drei Tore, um doch noch direkt das Play-off-Viertelfinale zu erreichen. Ein erster Schritt war der Anschlusstreffer durch Jakub Svoboda (43.), dessen Treffer erst nach einem Videobeweis gegeben wurde. Bad Nauheim zeigte sich aber nicht verunsichert und stellte durch Dennis Reimer den alten Abstand wieder her (50.). Auch Brian Roloffs 3:4 (52.), dem eine Ravensburger Überzahl folgte, zeigte keine große Wirkung. Im Gegenteil: Ein eigenes Powerplay nutzten die Bad Nauheimer zum alles entscheidenden 5:3 (58.) Ehrenberger versuchte nicht einmal mehr, durch die Herausnahme Langmanns noch einmal heranzukommen – das war angesichts von drei benötigten Treffern vermutlich auch nachvollziehbar.

Nach der Schlusssirene hieß es für die Towerstars, zügig die Heimreise anzutreten. Denn es bleibt ihnen nur ein Tag, um sich auf das erste Pre-Play-off-Spiel in eigener Halle gegen die Eispiraten Crimmitschau am Dienstagabend vorzubereiten. Die Sachsen sind so etwas wie der Ravensburger Angstgegner, denn die Towerstars haben alle vier Hauptrundenspiele gegen die Eispiraten verloren.

EC Bad Nauheim – Ravensburg Towerstars 5:3 (1:0, 2:1, 2:2)

Tore: 1:0 (1.) Radek Krestan (Livingston, McNamee), 1:1 (26:37 ÜZ) Carter Proft (Lapsansky, Roloff), 2:1 (32:18 ÜZ) Radek Krestan (Livingston), 3:1 (39:53 ÜZ) Marcel Brandt (Krestan), 3:2 (42:02) Jakub Svoboda, 4:2 (49:46) Dennis Reimer, 4:3 (51:38) Brian Roloff (Pfaffengut), 5:3 (57:46 ÜZ) James Livingston (Sylvester)

Strafminuten: Bad Nauheim 14 + 10 (Widén, Check gegen Kopf oder Nacken), Ravensburg 18 + 10 (Pfaffengut, Check gegen Kopf oder Nacken).

Zuschauer: 3312.

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