Tour de France: Ravensburger Emanuel Buchmann stürmt auf Platz vier am Tourmalet

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Zuschauer schauen auf vorbeifahrenden Fahrradfahrer
Emanuel Buchmann hat mit einer überragenden Klettershow zum legendären Tourmalet hinauf deutsche Hoffnungen auf eine Top-Platzierung bei der Tour de France geweckt (Foto: AFP)
Deutsche Presse-Agentur

Emanuel Buchmann hat mit einer überragenden Klettershow zum legendären Tourmalet hinauf deutsche Hoffnungen auf eine Top-Platzierung bei der Tour de France geweckt - der leuchtende Mann in Gelb bleibt aber Julian Alaphilippe.

Ich habe mich super gefühlt und hatte gute Beine.

Emanuel Buchmann

Buchmann fuhr am Samstag auf der 14. Etappe zum Berg-Riesen der Pyrenäen hinauf auf einen beeindruckenden vierten Platz und brachte mit einer scharfen Attacke sogar Titelverteidiger Geraint Thomas in arge Nöte. Jubeln durften aber mal wieder die Franzosen: Es siegte Thibaut Pinot nach 117,5 Kilometern vor Alaphilippe, der seine Führung in der Gesamtwertung vor Thomas sogar noch ausbaute.

„Ich habe mich super gefühlt und hatte gute Beine“, sagte Buchmann und ergänzte mit Blick auf seine Attacke 1,1 Kilometer vor dem Ziel: „Wir sind nicht so schnell gefahren. Da habe ich gedacht, ich probiere es einfach mal. Ich habe gehört, dass Thomas Probleme hatte. Das ist schön zu hören. Ich bin optimistisch für die nächsten Tage.“

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Vor den Augen von Frankreichs Staatspräsident Emanuel Macron, der im Auto von Tour-Chef Christian Prudhomme Platz nahm, fiel die Entscheidung kurz vor dem Ziel des 2115 Meter hoch gelegenen Tourmalet, als Buchmann für die entscheidende Tempo-Verschärfung sorgte. Das war zu viel für Thomas, der am Ende 36 Sekunden verlor.

Die große Überraschung war aber wieder einmal Alaphilippe, der über sich hinauswuchs und sogar auf den zweiten Tagesplatz sprintete. Schon am Vortag hatte der Weltranglistenerste das Einzelzeitfahren gewonnen und seine Landsleute weiter träumen lassen. Alaphilippe liegt nun 2:02 Minuten vor Thomas und 2:14 Minuten vor dem Niederländer Steven Kruijswijk. Buchmann folgt 3:12 Minuten zurück auf Platz fünf.

Der Franzose  Thibaut Pinot hat die Bergankunft auf dem legendären Col du Tourmalet bei der 106. Tour de France gwonnen. (Foto: AFP)

„Das wird eine der entscheidenden Etappen der Tour“, hatte Buchmann angekündigt und Recht behalten. Mit hohem Tempo ging die Favoritengruppe in den Anstieg zum Tourmalet, der zum 83. Mal bei der Tour im Programm war. Das Rennen glich einem Ausscheidungsfahren, nach und nach verabschiedeten sich prominente Namen aus der Gruppe. Nairo Quintana, Richie Porte, Weltmeister Alejandro Valverde, Jakob Fuglsang, Rigoberto Uran und schließlich Thomas — nur Buchmann zeigte keine Schwächen.

Schon beim ersten Hindernis des Tages gerieten einige hochgehandelte Akteure in die Bredouille. Der frühere Tour-Zweite Romain Bardet musste beim Anstieg zum 1474 Meter hohen Col du Soulor früh abreißen lassen und vergab alle Chancen auf eine Top-Platzierung im Gesamtklassement. Auch Mitfavorit Adam Yates hatte Probleme, ehe er am Tourmalet schließlich abgeschüttelt wurde.

Ich habe ganz gut geschlafen, habe aber einmal eine Vollbremsung im Traum gemacht mit der Hand. Mir geht es den Umständen entsprechend gut.

Maximilian Schachmann

Für Maximilian Schachmann ging die Reise dagegen nach Berlin statt zum Tourmalet, nachdem er am Vortag bei einem Sturz im Zeitfahren einen Bruch von drei Knochen in der linken Mittelhand erlitten hatte. Erst im Spätherbst soll der 25-Jährige wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen.

„Ich habe ganz gut geschlafen, habe aber einmal eine Vollbremsung im Traum gemacht mit der Hand. Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, berichtete der 25 Jahre alte Radprofi am Samstagmorgen noch im Bora-hansgrohe-Teamhotel in Pau.

Schlimm hatte es auch den dreimaligen Cross-Weltmeister Wout van Aert erwischt. Der Belgier musste noch am Freitag eine Stunde lang operiert werden. Der belgische Teamkollege von Tony Martin hat zwar keine Brüche erlitten, allerdings ging die tiefe Fleischwunde bis in den Muskel hinein.

„Es war ein schrecklicher Anblick. Wout wird einige Tage im Krankenhaus bleiben müssen“, sagte Mathieu Heijboer, der Performance Manager von Jumbo-Visma. Van Aert war in einer Kurve an einer Absperrung hängengeblieben. Sein Oberschenkel wurde regelrecht aufgeschlitzt.

Am Sonntag geht die Kletterpartie in den Pyrenäen weiter. Auf den 185,5 Kilometern von Limoux nach Foix Prat d'Albis müssen die Radprofis drei Berge der ersten Kategorie überwinden. Der letzte Anstieg hat es mit 11,8 Kilometern und einer Steigung von 6,8 Prozent noch einmal in sich.

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