Tiki Küstenmacher wagt eine neue Sprache für Gott

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Schwäbische Zeitung

„Mister Simplify“ wird er auch genannt: Werner Tiki Küstenmacher, Theologe und Karikaturist in einem und beides gleich gut. Sein Erstlingswerk „Simplify your life“ wurde millionenfach verkauft. Dem Ravensburger Publikum im Spitalcafé stellte er auch noch sein Zweitwerk „JesusLuxus“ und das neueste Opus, erst zwei Tage auf dem Markt, „Gottneunpunktnull“ vor.

Von unserem Mitarbeiter  Rainer Kössl

Bis auf zwei kleine Ausnahmen harrten die gut 70 Besucher der Dinge, die da kommen sollten – still, fast andächtig, wie früher in der Kirche. Siegfried Welz-Hildebrand, Leiter der katholischen Erwachsenenbildung, nahm in seiner Begrüßung diese gesammelte Stimmung auf und mutmaßte: „,JesusLuxus, Gott 9.0‘ – da wagt einer eine neue Sprache für Gott.“ Was Tiki Küstenmacher dann eineinhalb Stunden lang bot, war eine Appetit machende Mischung aus Humor, intelligenter Spiritualität und erzählerischem und zeichnerischem Talent. Was denn für einen Karikaturisten Mann und Frau unterscheide? So seine Frage an das Publikum. „Die Frau hat Wimpern“, und je dünner der Hals, umso jünger sehe sie aus.

Was hat es nun mit dem „JesusLuxus“ auf sich? Es sei, so Tiki Küstenmacher, im Menschen eine Sehnsucht nach mehr als dem Notwendigen veranlagt. Nach mehr oder weniger Luxus. Diese Sehnsucht werde heutzutage materiell aufgefüllt. Mit Sachen. Jeder Mensch im Wohlstandsdrittel der Welt habe im Schnitt 10 000 Sachen. Dem Menschen Jesus sei dieser Wunsch nach mehr als allem auch eigen gewesen, nur habe er ihn anders bedient. Die Zuwendung Maria Magdalenas, die ihn mit wertvollstem Oel gesalbt hat, habe er sichtlich genossen. Für die Menschen seiner Umwelt habe er sich verschwenderisch viel Zeit genommen, genauso wie für sich selber auch. Küstenmachers Lieblingsmotiv ist die Raupe, die er lustvoll zeichnet. Wenn man eine Raupe aufschneide, dann würde man alles andere als einen Schmetterling sehen.

Und dennoch trage dieses unscheinbare Tierchen eine Verheißung in sich: die Farben und die Leichtigkeit eines Schmetterlings. Auf den Menschen bezogen heiße dies, so der Seelsorger Küstenmacher: „Wir können uns verwandeln, auch wenn es gar nicht danach aussieht. In uns sind Fähigkeiten, von denen wir nichts ahnen. Da kommt noch was.“ Allerdings, der Schmetterling will geboren werden, durch einen ganz kleinen Geburtskanal hindurch. Billiger gehe die Verwandlung nicht. Dann aber mache das neugeborene Lebewesen eine wunderbare Entdeckung: Es gibt noch viele andere Schmetterlinge. Mit mir und neben mir.

Werner „Tiki“ Küstenmacher ist mehr als ein Optimist. Er ist ein Visionär und gleicht insofern seinem Herrn und Meister Jesus von Nazareth. Der habe die Menschen, die sich an ihn gewandt hätten, nicht gefragt, wie es ihnen gehe oder wo es weh tue. „Nimm Dein Bett und gehe“, oder, „öffne Deine Augen“, sei seine Botschaft gewesen. „Jesus hat im Kranken die Gesundheit gesehen, und im Armen den Reichtum.“ So versteht sich auch der Pfarrer aus München: malend und verkündigend.

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