Thai-Botschaft fordert Urnen der toten Mädchen

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Streit um die Toten: Das thailändische Generalkonsulat will die getöteten Eschacherinnen nach Thailand holen. Der Stiefvater und
Streit um die Toten: Das thailändische Generalkonsulat will die getöteten Eschacherinnen nach Thailand holen. Der Stiefvater und mutmaßliche Täter will sie indes in Obereschach beerdigen lassen. (Foto: Colourbox)
Jasmin Bühler

Bei dem mutmaßlichen Dreifachmord von Untereschach hat sich nun die thailändische Botschaft eingeschaltet. Das thailändische Generalkonsulat in Frankfurt fordert, die drei Urnen mit der Asche der toten Frauen nach Thailand zu überführen. Dort sollen sie – so der Wille der Familienangehörigen – beigesetzt werden. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring in Ravensburg möchte hingegen, dass zumindest zwei der Getöteten auf dem Friedhof in Obereschach ihre letzte Ruhe finden.

Die 37-jährige Frau und ihre beiden 14- und 18-jährigen Töchter waren Anfang Juli mit einem Beil und einem Messer getötet worden – wohl vom eigenen Ehemann und Stiefvater. Ein fünf Jahre altes gemeinsames Kind des 53-Jährigen und der 37-Jährigen überlebte die Tat. Die getötete Frau und ihre Töchter stammten aus Thailand. Dorthin sollen sie nach ihrem Tod auch wieder zurückkehren – das wünschen sich zumindest die Angehörigen in Thailand.

Wie die Zeitung „Bangkok Post“ berichtet, haben sich die thailändischen Eltern der 37-Jährigen vor wenigen Tagen an die regionale Regierung in der Provinz Kalasin gewandt. Ihre Bitte: die Toten in die Heimat holen. Laut der „Bangkok Post“ erklärte der Vater der 37-Jährigen: „Wir wollen unsere Lieben noch ein letztes Mal bei uns haben. Wir sind arm und wissen nicht, an wen wir uns wenden sollen.“ Der Regierungschef der Provinz soll daraufhin das thailändische Außenministerium sowie das Generalkonsulat informiert haben. Die Diplomaten drängen nun auf eine Überführung der Urnen.

Urne der toten Mutter ist schon in Thailand

Die Urne mit der Asche der toten 37-Jährigen ist bereits in Thailand angekommen. Doch was soll mit den Urnen der toten Teenagermädchen passieren? „Wir setzen uns dafür ein, dass sie auf dem Friedhof in Obereschach beigesetzt werden“, sagt Josef Hiller von der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Ravensburg. Der Grund: „Die überlebende Fünfjährige soll einen Ort haben, an dem sie trauern kann.“ Hiller zufolge soll es eine Grabplatte mit allen drei Namen der Opfer geben. Eine Beerdigung in Obereschach befürwortet auch der Stiefvater der Mädchen und mutmaßliche Täter – weil er sie adoptiert hat, darf er entscheiden.

Das Generalkonsulat in Frankfurt teilt indes auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit: „Die Familienangehörigen haben in Thailand für alle drei Toten den Tempel ,Wat Nong Hin‘ als Beisetzungsort gewählt.“ Dort sollen sie nach buddhistischer Religion beigesetzt werden.

Fall beschäftigt Außenministerium

Der Eschacher Mordfall hat laut Generalkonsulat in Thailand hohe Wellen geschlagen. Medien und Bürger zeigten sich entsetzt darüber, dass eine thailändische Familie in Deutschland umgebracht worden sein soll. Den Streit um die Urnen verfolge die Bevölkerung daher mit großem Interesse. Nach SZ-Informationen ist zu dem Fall für Mittwoch eine Pressekonferenz im Außenministerium in Bangkok geplant.

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