Technische Werke Schussental investieren in Windkraft

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Schwäbische Zeitung

(fh/dre) - Die Technischen Werke Schussental (TWS) wollen in ein Windkraftprojekt in Gammertingen im Kreis Sigmaringen investieren. Südlich der Ortschaft Kettenacker sollen vier Anlagen entstehen. Die Gemeinderäte der Städte Ravensburg und Weingarten, die Hauptgesellschafter der TWS sind, haben dem Vorhaben zugestimmt. Doch unumstritten sind die Pläne nicht.

Der kommunale Energieversorger, der im vergangenen Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert hatte, will verstärkt in die Sparte erneuerbare Energien investieren. In Boms-Haggenmoos hat die TWS gerade die größte Photovoltaik-Anlage im Kreis in Betrieb genommen. Jenseits der Kreisgrenze soll nun die Windkraft das Portfolio der Technischen Werke erweitern. Kontakte mit den Gemeindewerken Gammertingen, den Stadtwerken Sigmaringen und der EnBW als Projektpartnern gibt es schon seit Ende 2010/Anfang 2011. In der Ortschaft Kettenacker hat sich mittlerweile eine Initiative von 35 Anwohnern gegen die Pläne formiert.

Deren Bedenken teilen auch einige Ravensburger Stadträte: „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber Menschen dürfen nicht unter Technik leiden“, argumentierte Dieter Schwendinger von den „Bürgern für Ravensburg“. Und: „Wir sagen Nein, denn es fehlt die kommunale Akzeptanz.“ Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Anwohner durch Infraschall brachte auch Rolf Engler (CDU) zur Sprache. Roland Dieterich machten eher die Finanzen Sorgen: Die TWS investieren in die Planung 200 000 Euro. TWS-Netz-Geschäftsführer Helmut Hertle bezifferte die Chancen, dass die Anlage tatsächlich gebaut wird, auf rund 50 Prozent. Dieterich: „Diese Wahrscheinlichkeit wäre mir für mein privates Geld eindeutig zu gering.“ Auch die erwartete Rendite von unter sechs Prozent überzeugt den FDP-Chef nicht. Die Mehrheit allerdings stand im Gemeinderat hinter der Investition, um die Energiewende mitzutragen.

Auch in Weingarten stimmte die Mehrheit der Stadträte für das Vorhaben, es gab allerdings zwei Enthaltungen und eine Gegenstimme. Die Zustimmung ging quer durch die Fraktionen. Peter Holletzek (CDU) mahnte dazu, die „Bedenkenträger“ ernst zu nehmen: „Vogter Zustände will niemand haben“, sagte er im Hinblick auf die dort laufende Windkraft-Diskussion, die er in der Presse verfolgt habe. Er fragte, ob man das Risiko nicht durch Flächennutzungspläne minimieren könne. Sein Fraktionskollege Dieter Pfleghar äußerte sich positiv zu dem Vorhaben. Nicole Hagert-Neuf sagte, man sei stolz darauf, vor Ort einen Beitrag zur Energiewende zu haben. Die Frage nach dem Risiko wurde ebenfalls gestellt. Hertle sagte, man hätte sich nicht damit beschäftigt, wenn es aussichtslos wäre. Der Gemeinderat in Gammertingen habe mit seiner einhelligen Zustimmung ein positives Signal gegeben: „Wir wollen so ein Projekt auch nur dort verwirklichen, wo es eine Mehrheit dafür gibt.“

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