Tausende Mädels kommen zum ersten Nachtflohmarkt

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 Tausende Schnäppchenjägerinnen haben am Wochenende auf dem Mädelsflohmarkt in der Oberschwabenhalle nach Schätzen gestöbert.
Tausende Schnäppchenjägerinnen haben am Wochenende auf dem Mädelsflohmarkt in der Oberschwabenhalle nach Schätzen gestöbert. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Mädelsflohmarkt, nachts, in der Ravensburger Oberschwabenhalle: Das schreit förmlich nach Schnäppchenjagd. Barbara Sohler hat Keller, Bühne und Kleiderschrank durchforstet und sich mit einem Kofferraum voller Mädelskram als eine von 300 Ausstellerinnen registrieren lassen. Ein Erfahrungsbericht.

Neben mir rattert ein Kleiderständer über den Schotter auf dem Parkplatz. Jemand zieht stereo zwei dicke Überseekoffer. Die brav aufgereihten Autos stehen mit offenen Heckmäulern rückwärts Richtung Hallen-Seitentüre. Es ist hektische Aufbau-Zeit: 14 Uhr. Ich schleppe meine bis zur Schmerzgrenze gefüllten Taschen an meinen Platz, laufe ein halbes Dutzend Mal zum Auto und zurück. Ganz gewiefte Flohmarkt-Profis schieben ihre Kisten auf Sackkarren. Clever. Drei Meter, an der Wand, nur für den Mädels-Nachtflohmarkt am Freitagabend habe ich geordert, bei Eberhard Fetzer, der seit fast 30 Jahren Messen aber eben auch Flohmärkte im Süden organisiert. Für zwei Meter Stand bezahlt die Ausstellerin 22 Euro pro Tag. Aussteller-Tische und Stühle können für zehn bzw drei Euro geliehen werden. Außerdem hat die Ausstellerin die Wahl zwischen Nachtflohmarkt (Freitag von 16 bis 21 Uhr) oder den Flohmarkt am Samstag, von elf bis 16 Uhr. Nicht wenige der 300 Stände werden gleich über beide Tage betrieben.

Apropos Betrieb: Als um 16 Uhr die mächtige Glastüre zur Oberschwabenhalle aufschwingt, da stehen tatsächlich hunderte Frauen in einer geordneten Schlage quer über den Vorplatz um gleich darauf in einer breiten Flut in die restlos ausgebuchte Halle zu strömen. Wer zuerst kommt, der macht den besten Schnapper – wie ehedem beim Schlussverkauf, so scheint auch diese Devise hier auf dem Flohmarkt zu gelten. „Kauf mich! Sonst tut’s ein anderer“ steht auf einer Kreidetafel am Stand gegenüber. Gemeint sind: Jede Menge Klamotten. Stylische Schuhe, die garantiert nur wenige Tage getragen worden sind. Handtaschen, die erstklassig in Schuss sind. Kerzenhalter und Karoblazer. Für fünf Euro.

Was den Reiz dieser Mädelsflohmärkte ausmacht, das weiß Veranstalter Fetzer sehr genau. Nicht nur die Schnäppchen-Lust sondern auch der Nachhaltigkeitsgedanke, die Wertschätzung der Kleider und Accessoires gegenüber lockt die Frauen. „Das liegt nicht nur bei jungen Leuten im Trend“, sagt Eberhard Fetzer. Außerdem wollen Mädels öfter mal was Neues, der Spaß unter Gleichgesinnten sei auch eine Triebfeder, so Fetzer.

Das kann ich nur bestätigen. Mit einem Sekt von den Standnachbarinnen verwöhnt, hab ich in fünf Stunden Verkaufszeit unglaublich nette Begegnungen: Mit der Dame, die meinen geliebten, teuren aber nie getragenen Ledermantel ersteht („Für Fasching“, wie sie sagt). Mit einer Clique, die meiner Tochter ein paar Sneaker schenkt. Mit der aufblondierten Kundin, die sich unsterblich in mein Designer-Tuch verliebt. Mit dem freakigen Mädel, das meinem übrig gebliebenen Feder-Ohrring weitere Teile der Welt zeigen wird.

Den ganzen Aufwand im Vorfeld – Flohmarkttaugliches suchen, waschen, aufpolieren – hab ich unterschätzt. Und auch, dass selbst bei guten Geschäften enorm viel Plunder wieder eingepackt und erneut Daheim verstaut werden will. Bis zum nächsten Flohmarkt. Im Grunde aber ist es eine easy Sache: Viele meiner Schätze haben ein neues Zuhause gefunden und ein paar Euro sind in die Oster-Kasse gewandert.

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