Tania Oleiro verzaubert das Publikum mit portugiesischem Fado

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Tania Oleiro und Henrique Leitao an der portugiesischen Gitarre
Tania Oleiro und Henrique Leitao an der portugiesischen Gitarre (Foto: Tim Jonathan Kleinecke)
Tim Jonathan Kleinecke

Auf der Bühne nur vier Stühle, im Raum der Zehntscheuer war kein einziger unbesetzt: Eine kleine Überraschung war es schon, dass sich so viele Menschen für Tania Oleiro und das Carlos Leitao Ensemble interessierten. Ziemlich selten nämlich sind Fado-Konzerte in dieser Region – was sich nun hoffentlich ändert, denn das Publikum ließ sich bereitwillig verzaubern von melancholischen Liedern, einer leidenschaftlichen Sängerin und einem bravourös aufspielenden Ensemble.

Den Abend eröffnet mit Carlos Leitao ein Fadista, der in seiner Heimat zu den profiliertesten Sängern der jüngeren Generation zählt und mit seinem Ensemble schon mehrfach außerhalb Portugals aufgetreten war. Mit viel Gefühl und Vibrato in der Stimme brilliert er vor allem in langsameren Liedern, aus denen Sehnsucht und Heimweh nur so strömen. Sein Ensemble tritt in der klassischen Besetzung auf: Er selbst spielt auf der klassischen Gitarre hauptsächlich Begleitakkorde, sein Bruder Henrique Leitao sorgt auf der portugiesischen Gitarre für melodische Ausschmückungen der Gesangslinien und spielt virtuose Soli. An der akustischen Bassgitarre beschränkt sich Carlos Menezes zunächst sehr geschmackvoll auf den harmonischen Unterbau.

Mit der Sängerin Tania Oleiro kommt eine junge Fadista auf die Bühne, die das Publikum sofort in ihren Bann zieht: Sie kommt ohne große Gesten aus, hat aber eine grandiose Stimme, der man unglückliche Liebe und Saudade (Weltschmerz) abnimmt, auch wenn man kein Portugiesisch versteht. Mit sieben Jahren stand sie erstmals in ihrer Heimatstadt Lissabon auf der Bühne, inzwischen gehört sie in die erste Liga der Sängerinnen.

Tradition aus Lissabon nach Deutschland bringen

Die Erneuerung oder Öffnung des Fado in Richtung Pop oder Jazz, wie es Stars wie Mariza oder Cristina Branco sehr erfolgreich praktizieren, ist nicht die Sache von Leitao oder Oleiro – sie stehen ganz in der Tradition des klassischen Fado aus Lissabon. Diesen zu präsentieren ist erklärtes Ziel des Tournee-Organisators Dietmar Haslinger, der dieses so originär portugiesische Kulturgut nach Österreich und Deutschland bringt und vor Beginn kurz die Geschichte erläutert: Untrennbar mit Lissabon verbunden, entstand dort vor etwa 200 Jahren dieser Musikstil, vermutlich aus Seefahrerliedern mit Elementen aus arabischer und sogar indischer Musik.

Nach der Pause wird das Konzert noch besser, die Musiker legen eine Schippe drauf und Bassist Menezes spielt sehr schöne Soli. Die Songs werden lebhafter: Melancholie und Virtuosität mischen sich zu packenden Momenten, besonders wenn Oleiro und Leitao sich in den Liedern mit dem Gesang abwechseln. Melancholie kann sehr fröhlich sein.

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