Studenten stehen auf der Straße

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Rudi Popp kam in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder dieser eine Gedanke: „Ich schmeiß den Job hin, ich kann einfach nicht mehr.“ Seit 16 Semestern vermittelt Popp Zimmer für Studierende im Eugen-Bolz-Wohnheim in Weingarten. „So extrem wie jetzt war es noch nie, das ist eigentlich verrückt“, sagt er.

150 Plätze kann er vergeben, vier Zimmer für Mädchen sind noch offen, dafür zählt er aktuell – 80 Bewerbungen. „Das Telefon klingelt permanent, jeden Tag muss ich 50 Emails bearbeiten“, klagt Popp, der natürlich nicht hinschmeißt, schließlich startet in wenigen Tagen das neue Semester.

Das für viele Studienanfänger mit einem Super-Gau beginnt. Denn auch die anderen Wohnheime melden: „Komplett ausgebucht.“ „Mir tun die Studenten leid, die nun auf der Straße stehen“, sagt Claudia Lochmaier, sie vermittelt für das Studentenwerk Weiße Rose Zimmer, 180 Plätze in Weingarten, 92 in Ravensburg, hier wie dort heißt es: „Alles voll.“ „Der Anstieg der Anfragen ist Wahnsinn“, bestätigt Lochmaier den Trend, den auch das Studentenwerk Seezeit verzeichnet, 204 Zimmer in Weingarten sowie 193 in Ravensburg sind schon vor der ersten Vorlesung belegt.

Die Wohnungsnot kommt nicht überraschend, erreicht die Zahl der Studienbewerber doch Rekordniveau. So „viel wie noch nie“ vermeldet zum Wintersemester etwa die Hochschule Ravensburg-Weingarten mit 6008 Bewerbungen, alleine am Tag vor Bewerbungsschluss gingen Schreiben der Studienanfänger, die sechs gelbe Postcontainer füllten.

Die Hochschule zählt damit 2900 Studierende, die Duale Hochschule Ravensburg knackt in diesem Semester erstmals die 3000-Marke, die Pädagogische Hochschule Weingarten kommt auf mehr 2500 angehende Akademiker. Weit mehr als 8000 junge Menschen wollen also in der Region Ravensburg/Weingarten studieren und leben.

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