Streit um ein Pflanzprojekt in Ravensburg

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Eine Fläche aus dem Projekt „Natur nah dran“ in der Weststadt, wie sie sich in diesen Tagen präsentiert.
Eine Fläche aus dem Projekt „Natur nah dran“ in der Weststadt, wie sie sich in diesen Tagen präsentiert. (Foto: Willi Mayer)
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Unverständnis hat der Naturschutzbund (Nabu), Gruppe Ravensburg, nach der Kritik von CDU-Stadtrat Rolf Engler und Anwohnern an angeblich ungepflegten Grünflächen in der Ravensburger Weststadt geäußert. Die Wiesen aus dem „Natur nah dran“-Projekt entwickelten sich „prächtig“, sagt der Nabu.

Wie berichtet, hatte Engler kritisiert, dass im Umfeld der Gradmannstraße ein vorhandener Quartiersplatz verwahrlose, während gleichzeitig in unmittelbarer Nähe eine „intakte Wiese abgetragen und mit drei Bäumen und Büschen neu bepflanzt worden sei“. Nachbarn werteten das Aussehen dieser Fläche als „Störflecken“, der dazu auch noch aufwendig und damit teuer von der Stadt bearbeitet würde.

Hintergrund ist das Projekt „Natur nah dran“, ein Programm des Landes. Mit diesem sollen durch Ansaat und Pflanzung geeigneter Kräuter, Sträucher, Gehölze und Rosen Insekten und Wildbienen gezielt gefördert werden. Die Stadtverwaltung räumt in einem Schreiben an Engler ein, dass die umgestalteten Bereiche zunächst „zugegebenermaßen einen etwas mageren Eindruck machen“. Dies werde sich allerdings innerhalb eines Jahres ändern. Die ökologische Wertigkeit habe sich in jedem Fall deutlich verbessert.

Das sieht auch der Nabu so: „Die ,Natur nah dran’-Flächen haben diesen Sommer sehr prächtig geblüht und Anwohner äußerten sich mehrfach positiv über das gelungene Naturschutzprojekt der Stadt, des Naturgarten-Vereins und unserer Nabu-Gruppe“, so Vorsitzender Willi Mayer. Von „verwahrlost“ könne bei der Fläche nicht gesprochen werden, da sich Stadtgärtner, eine Naturgartenplanerin und „kompetente Naturschützer“ um die Naturwiese mit viel Aufwand und Erfahrung gekümmert haben.

Im Herbst vorletzten Jahres seien einige Flächen in der Weststadt, beispielsweise am Weststadtfriedhof, umgestaltet worden. Der Nabu-Chef: „Dieses Projekt zeigt erste Früchte. Blühpflanzen wie Bienenfreund, Hornklee, Wildrosen und andere fühlen sich auf den mageren Flächen sichtlich wohl. Was zunächst für viele Menschen unverständlich und hässlich aussah, wird sich die nächsten Jahre zu insektenfreundlichen Flächen entwickeln.“ Ein weiterer Vorteil dieser Flächen sei, dass sie nur wenig Pflege brauchten, was der Stadt Kosten spare. Willi Mayer: „Weitere Kosten ließen sich durch deutlich weniger Mäharbeiten auf städtischen Flächen einsparen. Der Natur würde es jedenfalls guttun.“

Naturnah sei auch, dass verblühte Pflanzen bis in den Herbst stehen bleiben, damit sie aussamen können und Nahrung und Versteck für körnerfressende Vögel bieten. Außerdem lebten Insekten und Schmetterlingsraupen an den Blühpflanzen. Als Puppen überwintern Schmetterlinge an den verblühten Pflanzenstengeln, diese sollten teilweise über den Winter stehen bleiben. Mayer: „Für die Natur ist manchmal ein bisschen Unordnung besser.“

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