Streetworker soll sich um junge Flüchtlinge kümmern

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Nicht immer geht es am nördlichen Marienplatz so friedlich zu wie auf diesem Foto.
Nicht immer geht es am nördlichen Marienplatz so friedlich zu wie auf diesem Foto. (Foto: Archiv: Felix Kaestle)

Manche Menschen – vor allem Frauen und Senioren – meiden den nördlichen Marienplatz und gehen nicht gern durchs Frauentor. Sie fühlen sich belästigt durch Bettler, Trinker, Drogenabhängige oder laute Musik hörende Jugendliche, die sich dort bei schönem Wetter aufhalten, darunter in jüngster Zeit auch einige Flüchtlinge. Auch die „Schwäbische Zeitung“ hatte schon Mitte März über die Problematik berichtet. Damit der Holzmarkt nicht (wieder) zum sozialen Brennpunkt wird, hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend die Einrichtung einer Streetwork-Stelle genehmigt.

Zwischen Mai und Juli will der gemeinnützige Verein Arkade mit der aufsuchenden Sozialarbeit am Marienplatz, aber auch an anderen Stellen der Innenstadt, zum Beispiel der Seelbruckstraße, beginnen. Im Fokus stehen dabei Flüchtlinge, besonders auch minderjährige. Ihnen soll der Streetworker verständlich machen, dass manche Verhaltensweisen, etwa das Hinterherpfeifen von Frauen, nicht gut ankommen. Für die Trinker und Drogenkonsumenten gebe es bereits Angebote – den Württemberger Hof und den Kontaktladen „Die Insel“.

Streetworker soll ein Mann sein

Alle Fraktionen im Gemeinderat billigten die Einrichtung der Stelle, die zunächst bis Ende 2019 befristet ist und für diesen Zeitraum bis zu 150 000 Euro kostet. Noch ist nicht klar, ob sie mit einer Person oder eventuell zwei Teilzeitkräften (zum Beispiel im Verhältnis 70:30 Prozent) besetzt wird. Auf jeden Fall soll der Streetworker ein Mann sein, weil Frauen von problematischen Flüchtlingen nicht so ernst genommen würden, sagte Margarete Eger (CDU). Passanten und Geschäftsleute sorgen sich ihrer Meinung nach zurecht. Daher sei es gut, „die Szene zu entwirren und zu steuern, bevor etwas passiert“. Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei sei wichtig, weil bei manchen gute Worte allein nichts helfen würden. Eger: „Prävention und Repression – wir brauchen beides.“

Toleranz gefordert

Maria Weithmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen, warnte vor „überzogenen Erwartungen“. Vor allem die Vermittlerfunktion sei wichtig, die Vernetzung also mit weiteren Hilfsangeboten. Wilfried Krauss (Bürger für Ravensburg) warb für ein toleranteres Menschenbild im Hinblick auf die Flüchtlinge. „Ihnen gehört die Stadt genauso wie jedem anderen Bürger.“ Frauen hinterherzupfeifen, sei nicht so schlimm. „In Italien müssen sich Frauen eher Sorgen machen, wenn ihnen niemand nachpfeift.“ Das sah Rudi Hämmerle (CDU) anders: „Menschenrecht müssen Sie jedem zugestehen, auch jemandem, der über den Marienplatz gehen will – und zwar unbehelligt.“

Werner Nuber vom Verein Arkade sagte zu, dass der Streetworker zwar überwiegend tagsüber unterwegs sein wird, weil sich die Flüchtlinge dann nach ihren Sprach- und Integrationskursen in der Innenstadt aufhalten würden, bei Bedarf aber auch hin und wieder abends oder am Wochenende. Er meinte auch, dass ein Mann für diese Aufgabe geeigneter sei als eine Frau. „Streetwork ist kein Zuckerschlecken.“

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