Statt Schocktherapie geht es um anschauliche Aufklärung

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Sieht gut aus, aber wird wie andere Kleidungsstücke oft unter schlimmen Arbeitsbedingungen hergestellt: die allseits beliebte Jeans. Darauf weist der Ravensburger Agenda-Arbeitskreis „Eine Welt“ dieses Jahr mit unterschiedlichen Veranstaltungen hin. (Foto: Shutterstock)
Schwäbische Zeitung

Der Agenda-Arbeitskreis „Eine Welt“ greift heuer ein heißes Eisen auf und geht dem Thema „Kleidung – made in Würde?“ nach. Zum Auftakt des Jahresprogramms erörtert Kinga von Gyökössy-Rudersdorf von der Kampagne für saubere Kleidung (CCC) am Donnerstag, 3. April, 20 Uhr, im Ravensburger Kornhaus die Frage, ob Mode denn wohl Sünde sein kann. Kann sie durchaus: Denn wie in unterschiedlichen Veranstaltungen deutlich wird, ist an Jeans oder T-Shirts längst nicht alles gut, was gut aussieht.

Häufig sind Kinder bei Aussaat, Ernte und Pestizidbehandlung der dafür nötigen Baumwolle im Einsatz, wie Sophie Bader von der in der Ravensburger Stadtverwaltung angesiedelten Kontaktstelle „Bürgerschaftliches Engagement“ berichtet. Angelika Vogler-Rieger vom Agenda-Arbeitskreis ergänzt: Im weiteren Verlauf der Produktionskette müssten dann etwa in Indien Mädchen und junge Frauen jahrelang in Kellern Fäden spinnen. Schließlich würden 90 Prozent unserer Kleidung in Niedriglohnländern wie Kambodscha, China, Indien oder Bangladesch genäht – vorzugsweise von Mädchen und jungen Frauen unter „katastrophalen Arbeitsbedingungen“, so Vogler-Rieger: In 84-Stunden-Wochen ohne einen freien Tag, ohne Pausen, oft ohne sauberes Trinkwasser und genügend Luft „werden die Näherinnen unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet“.

Derlei Fakten beleuchtet Kinga von Gyökössy-Rudersdorf übrigens nicht nur in ihrem Vortrag, sondern am darauf folgenden Tag auch in verschiedenen Schulklassen an AEG, Welfen- und Spohngymnasium. Anton Brehm vom Agenda-Arbeitskreis konstatiert erfreut, dass „immer mehr engagierte Lehrer“ die Eine-Welt-Themen im Unterricht aufgreifen. So kommt’s, dass die Gruppe nicht mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat, im Gegenteil: Immer wieder klopfen junge Leute an und bringen eigene Themen ein. An Mitstreitern mangelt es ebenfalls nicht: Seit kurzem sind beispielsweise auch der Arbeitskreis Asyl Ravensburg-Weingarten, der Verein Kwizera, der Mikrokredite an Frauen und Ruanda vergibt, oder die regionale Nachhaltigkeits-Initiative Wirundjetzt e.V. beim Agenda-Arbeitskreis „Eine Welt“ mit von der Partie. „Bei unseren Sitzungen sind wir jedes Mal erstaunt, wie viele zusätzliche Stühle wir brauchen“, freut sich Angelika Vogler-Rieger.

Zum Jahresthema läuft zudem im Weingartener Linse-Kino am 10. April, 10 Uhr, der verstörende Film „Gift auf unserer Haut“ – durchaus „schwer verdaubare“ Kost, wie Bader weiß. Geht es in dem Beitrag doch unter anderem um Kinder, die bis zur Hüfte in gesundheitsschädlicher Lauge stehen, um Jeanshosen zu „präparieren“. Doch die Zuschauer werden mit diesen Bildern nicht alleine gelassen, denn danach steht Regisseur Manfred Karremann für Fragen bereit. Überhaupt „wollen wir den Leuten keine Schocktherapie verpassen, sondern sie aufklären, sensibilisieren und ein Bewusstsein für die Problematik schaffen“, beschreibt Brehm den Anspruch des Agenda-Arbeitskreises. Damit dann hoffentlich „in Prozess in Gang kommt“, die Arbeitsbedingungen sich auf lange Sicht verbessern, höhere Löhne gezahlt werden und Kinder wenigstens mit ein bisschen Bildung versorgt werden, hofft Vogler-Rieger. Wobei sich die Initiatoren durchaus im Klaren darüber sind, dass die Möglichkeiten der Verbraucher begrenzt sind. Zumindest aber könne man nachfragen, woher denn die schicken Klamotten jeweils kommen.

Im Lauf des Jahres gibt es zudem etliche Ausstellungen – sei es im Ravensburger Rathaus-Foyer oder im Bauernhausmuseum Wolfegg. Im September ist ferner eine Podiumsdiskussion geplant, am 4. Oktober präsentieren sich beim Aktionstag auf dem Marienplatz sämtliche 35 „Eine Welt“-Partner-Gruppierungen, und im Oktober soll es bei einem Vortrag in einem der Ravensburger Modehäuser um die Frage „Wer zahlt den Preis für unsere Kleidung?“ gehen.

Am Donnerstag, 3. April, 20 Uhr, problematisiert Kinga von Gyökössy-Rudersdorf von der Kampagne für „saubere“ Kleidung auf Einladung des Agenda-Arbeitskreises „Eine Welt“ im Ravensburger Kornhaus-Saal das Thema „Kann denn Mode Sünde sein?“ und gibt Anregungen dazu, was man mit gutem Gewissen kaufen könne.

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