Spenden retten inhaftierte Kinder auf den Philippinen

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Schwäbische Zeitung

Im vergangenen Jahr hat die „Schwäbische Zeitung“ im Rahmen ihrer Weihnachtsaktion beim Spendenprojekt der Kölner Tatort-Kommissare „Tatort – Straßen der Welt e.V.“ das Kinderschutzzentrum der Preda-Stiftung auf den Philippinen mit 2550 Euro unterstützt.

Pater Shay Cullen, Träger des Menschenrechtspreises von Weimar und der Martin-Buber-Plakette, hat als Leiter der Preda-Stiftung folgende Zeilen mit seinen persönlichen Erfahrungen an die Leser der „Schwäbischen Zeitung“ geschickt. Übersetzt wurde der Text von Thomas Hoyer, dem geschäftsführenden Vorstand der Ravensburger Genossenschaft dwp – die Weltpartner.

„Als ich Pedro das erste Mal sah, war er ein kleiner Junge, dem Tränen über das ganze Gesicht strömten. Er starrte mich durch die Gitterstäbe einer überfüllten Gefängniszelle an. Er war damals erst elf Jahre alt, stark unterernährt und sehr klein für sein Alter. Warum waren dieser kleine Junge und viele andere Kinder in dieser kleinen Gefängniszelle eingepfercht? War dieser Elfjährige ein Krimineller, fragte ich mich. Welches Verbrechen, das diese Strafe rechtfertigt, könnte dieser kleine Junge begangen haben?

Seine Geschichte ist kein Einzelfall, Pedro kommt aus zerrütteten Familienverhältnissen. Sein Vater wurde aufgrund von Drogenbesitz verhaftet, die neue Stiefmutter arbeitete als Straßenkehrerin und vernachlässigte ihn. Es war kein Geld für die Schule da, selbst für Essen war das Geld oft knapp. Das Gefühl von Hunger war Pedros ständiger Begleiter.

Pedro begann zu betteln, dafür wurde er verhaftet und inhaftiert. In dem Jugendgefängnis wurde er in die kleine überfüllte Gefängniszelle gesperrt. Dort war es drückend heiß, es stank nach Fäkalien und er schlief mit den anderen Kinder gemeinsam auf dem nackten, harten Boden. Die Sonne bekamen die Kinder dort nie zu Gesicht und auch von Bildung oder irgendeiner Form von Betreuung oder gar Unterhaltung fehlte jede Spur.

Sein einziges Verbrechen war es, obdachlos, aber frei auf der Straße zu leben, und um für sein „tägliches Überleben“ zu betteln.

Auf den Philippinen leben 107 Millionen Menschen und während viele arm sind, leben 16 Millionen in bitterer Armut und von ihnen wiederum acht Millionen in extremer Armut. Die Philippinen sind reich an Bodenschätzen und besitzen eine leistungsfähige Industrie. Aber es fehlt die soziale Gerechtigkeit, denn 0,0001 Prozent der Bevölkerung besitzen über 70 Prozent des nationalen Gesamtvermögens.

 Pater Shay Cullen
Pater Shay Cullen (Foto: Fotos: privat)

Es gibt tausende Kinder mit einem ähnlichen Schicksal wie Pedro. Die Preda-Stiftung hat über hundert Kampagnen durchgeführt, um die Regierung zu stoppen, Kinder einzusperren. Jedoch hat die Regierung einen Prozess eingeleitet, um das Alter der Strafmündigkeit von 15 auf neun Jahre zu senken. Sie sehen Kinder als Kriminelle, mit der Begründung, dass die Kinder illegale Drogen für Drogenhändler schmuggeln würden. Ohne Beweise hat die Polizei Tausende von Verdächtigen getötet, darunter waren auch 37 Kinder. Auch Pedro hätte schuldlos eines der Opfer werden können.

Ich war jedoch fest entschlossen, dass Pedro zu den vier Kindern gehören sollte, die wir an diesem Tag retteten. Das Sorgerecht der Kinder wurde auf uns übertragen und alle vier Jungen zogen in das auf dem Land gelegene Kinderheim Preda. Dort haben die Jungen die Möglichkeit frei zu sein, Basketball zu spielen, zu schwimmen, wild herum zu tollen und einfach Kind zu sein. Die Jungen bekommen eine Therapie, neue Kleidung, Essen, Bildung und somit die Chance auf einen Beruf und ein selbstbestimmtes Leben in Würde.

Es gibt leider zu viele Kinder wie Pedro, die unsere Hilfe benötigen. Wir tun unser Bestes und so konnten wir durch die Spende der letztjährigen Weihnachtsaktion der „Schwäbischen Zeitung“ in 2018 mit 2550 Euro insgesamt 13 Kinder und Jugendliche aus ähnlichen Verhältnissen legal „befreien“. Aktuell bieten wir in den Räumlichkeiten unserer Preda-Stiftung 40 „befreiten“ Jungen so ein neues Zuhause.

Unser Ravensburger Fair Trade Partner dwp – die Weltpartner unterstützt unsere Arbeit seit Jahren, indem sie einerseits den durch uns betreuten Kleinbauernfamilien faire Ernteerzeugnisse für deren Mangos bezahlen. Zum anderen profitieren wir als Preda-Stiftung vom Export dieser fair gehandelten Mango-Produkte an dwp, da ein Teil unserer so erzielten Exporterlöse direkt in unsere Kinderrechtsarbeit einfließen. Mit dieser Unterstützung und der von Organisationen, die Spenden für unsere Arbeit sammeln, wie dem „Tatort – Straßen der Welt e.V.“, dessen Mitgründer, der Tatort-Schauspieler Dietmar Bär, uns im Februar 2019 wieder auf den Philippinen besuchen wird, oder auch der „Schwäbischen Zeitung“ können wir diesen Kindern einen Neuanfang und ein frohes Weihnachtsfest ermöglichen.

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