„Sowas von ekelhaft“: Ravensburger ärgern sich über Biomülltonne

Lesedauer: 5 Min
 Für viele Ravensburger ist die Biotonne nicht der sauberste Weg, Essensreste zu entsorgen.
Für viele Ravensburger ist die Biotonne nicht der sauberste Weg, Essensreste zu entsorgen. (Foto: Symbol: Peter Steffen/dpa)

Wenn es nach dem Landkreis Ravensburg geht, sollen wesentlich mehr Bürger eine Biotonne benutzen. Offensiv wurden in einem Schreiben an Tausende Haushalte die vermeintlichen Vorteile beworben. Viele Ravensburger stehen der Biotonne aber äußerst kritisch gegenüber.

Im Schreiben des Landkreises Ravensburg war unter anderem zu lesen, dass die Biotonne für weniger üble Gerüche im Garten sorge. Das bezweifelt Michael K. „Mit Grauen denke ich an den nächsten Sommer, in dem der Biomüll vor sich hin stinkt, um Ratten anzulocken“, schreibt er auf Schwäbische.de. Außerdem gelange durch den Biomüll Plastik in das Grundwasser, da viele nicht nur Papiertüten zur Entsorgung verwendeten.

Auch Anita E. glaubt nicht, dass der Biomüll in der Tonne angenehmer riecht als auf dem Kompost: „Ein Kompost ist im Garten Gold wert. Und stinkt nicht“, schreibt sie auf der Facebookseite Schwäbische Oberschwaben.

„Geht nicht um die Umwelt, sondern um das bare Geschäft“

Roland S. zweifelt auf Schwäbische.de ebenfalls an der wohlriechenden Biotonne: „Apropos Gestank im Garten, haben Sie schon mal eine in der Sonne stehende Biotonne gerochen?“ Doch es kommt anscheinend darauf an, wo die Tonne steht, denn Marcus S. berichtet: „In der Tiefgarage lasse ich den Deckel der Tonne auch gerne offen, dann stinkt es weniger als bei geschlossenem Deckel.“ Er hält die Biotonne für eine gute Sache: „40 Kilogramm Biomüll pro Einwohner. Das bedeutet für mich fast viermal das Erdgas-Auto volltanken und ein gutes Vierteljahr klimaneutral Auto fahren. Leute, sammelt euren Biomüll!“

Roland S. hingegen glaubt, dass hinter dem Werben des Landkreises rein geschäftliche Interessen stehen: „Warum preist der Landkreis die Biotonne so an? Weil man sonst nirgendwo zweimal abkassieren kann: erst bei Leerung der Tonnen, dann mit der Produktion von Biogas?“ Auch Josef B. vermutet, dass es bei der Aktion nicht um die Umwelt gehe, sondern um das „bare Geschäft“. Finanziell ist die Biomüllabfuhr aber derzeit im Kreis Ravensburg ein Zuschussgeschäft. Die Abfallgebühren der Bürger reichen nicht aus, um alle Kosten zu decken. Das Defizit gleiche der Kreis mit einer in den vorausgegangenen Jahren angesparte Gebührenrücklage aus.

Bürger wünschen sich regelmäßige Leerung

Dabei halten viele die Biomülltonne in der Theorie für nicht schlecht. Allerdings mangele es an der praktischen Ausführung. „Wenn das Landratsamt auch dafür sorgt, diese regelmäßig und zeitgemäß leeren zu lassen (…), dann wäre die Biomülltonne super. Aber das funktioniert nur bei schönem Wetter, nicht bei Schnee.“ Dann nämlich fahre die Müllabfuhr bestimmte Straßen nicht mehr an, beklagt der User Ma H. auf Facebook.

Außerdem sei die Taktung, in der die Müllabfuhr die Tonne leert, unzureichend: „Der Biomüll muss wöchentlich geleert werden, um eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu bekommen“, schreibt Michael K. auf Schwäbische.de. Dorina S. bestätigt, dass der Müll in der Tonne zu selten abgeholt werde: „Ich finde diese Biotonne sowas von ekelhaft. Diesen Dreck, den man zwei Wochen herumstehen hat, der vor sich hin gammelt und abartig stinkt“, schreibt die Facebook-Userin.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen