So verändert der Klimwandel das Schussental

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Es wird wärmer in Deutschland – was diesen Sommer die Menschen gespürt haben, setzt auch Tieren und Pflanzen zu. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer der Klimaerwärmung.

An natürliche Klimaverschiebungen, die in langen Zeiträumen verlaufen, können sich Tiere, Pflanzen und Ökosysteme anpassen, sagt Manfred Walser, Vorstandsmitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppe Ravensburg-Weingarten. „Der menschengemachte Klimawandel hat eine solche Geschwindigkeit, dass die Evolution nicht mehr mitkommt.“

Verlierer des Klimawandels

Zugvögel: Wenn Zugvögel wie Kuckuck, Gartenrotschwanz oder Mauersegler zum gewohnten Zeitpunkt aus ihrem Winterquartier zurückkommen, ist die Natur wegen des wärmeren Wetters schon weiter gediehen als in zurückliegenden Jahrzehnten. Andere Vögel haben dann schon das Nahrungsangebot verringert und die besten Reviere besetzt, erklärt Walser. Manche Zugvögel erproben auch schon die Überwinterung. „So ist es inzwischen keine Seltenheit mehr, hierzulande einen Storch durch den Schnee stapfen zu sehen“, sagt Walser.

Allergiker: Die milderen Temperaturen sorgen für eine längere Pollenflugsaison. „Der Hasel beginnt beispielsweise schon im Dezember zu blühen. Und nicht nur das: Ganz neue Pflanzenarten wie die wärmeliebende Ambrosia werden bei uns heimisch, die immer öfter Allergien hervorrufen“, so Walser.

Bauern: Wenn Pflanzen früher austreiben und blühen, können Spätfröste besonders starke Schäden anrichten. Das mussten im vergangenen Jahr die Obstbauern erfahren. Auch Trockenheit kann zu Ernteausfällen führen.

Der Klimawandel bedroht die Landwirtschaft am Bodensee
Wetterextreme wie Starkregen, Hagel oder extreme Hitzewellen haben in den vergangenen Jahren schwer zugenommen. Längst ist der Klimawandel auch bei uns in der Region angekommen. Welche Auswirkungen der Klimawandel für die Landwirtschaft am Bodensee mit sich bringt, darüber haben Experten bei einem Vortragsabend in Lindau gesprochen.

Moore und Bäche: Moore drohen bei zunehmender Wärme und Trockenheit auszutrocknen. „Hier trägt unsere Region eine besondere Verantwortung, denn Oberschwaben und das Allgäu sind durch ihren Reichtum an kleinen Mooren und Feuchtwiesen ein ,Hotspot’ für Arten, die auf diese Lebensräume angewiesen sind“, sagt Walser. Als Beispiel nennt er das sogenannte Moor-Wiesenvögelchen, ein Tagfalter, und die Sumpfdotterblume, die auf Moorwiesen und an Wassergräben wächst. Trocknet ein Moor aus, beginnt die Zersetzung der darin konservierten Pflanzen, Gase werden frei und heizen den Klimawandel weiter an.

Wald: Nach diesem Sommer mit Dürreschäden und starkem Borkenkäferbefall (siehe Gewinner) muss besonders viel Holz aus dem Wald geholt werden, wie der Leiter des Kreisfortsamtes, Marijan Gogic, sagt. Der Abtransport gefällter Stämme müsse eigentlich auf gefrorenem Boden stattfinden. Doch mit dem Klimawandel seien die Winter milder geworden. „Das macht das Rücken schwerer.“ Und auf den Rückegassen entstünden beim Fahren mit schwerem Gerät Schäden.

Die Gewinner des Klimawandels

Borkenkäfer: Der Buchdrucker, auch Fichtenborkenkäfer genannt, konnte in diesem warmen und trockenen Sommer zum ersten Mal drei Generationen vom Ei bis zum Käfer ausbilden, wie Förster Gogic sagt. Die Käfer leben zwischen Rinde und Holz und können dazu führen, dass die Bäume absterben.

Wildschweine: Die Zahl der Wildschweine nimmt laut Gogic zu, weil der Boden im Winter nicht mehr zufriere und im Winter kaum ein Tier wegen Nahrungsmangels verende. Deshalb müssten die Jäger dabei helfen, die Vermehrung der Wildschweine zu kontrollieren. Im letzten Jagdjahr von April 2017 bis März 2018 wurden laut Landratsamt im Kreis Ravensburg 598 Wildschweine erlegt. Zehn Jahre zuvor waren es im entsprechenden Zeitraum nur 190 Wildschweine gewesen.

Eichenprozessionsspinner: Manche Tiere können durch den Klimawandel auch in hiesigen Breitengraden heimisch werden, weil sie auf wärmere Bedingungen angewiesen sind. „Dazu gehört der Eichenprozessionsspinner, dessen massenhaftes Auftreten mancherorts bereits gesundheitliche Probleme verursacht“, erklärt Walser. Die Raupe besitzt Härchen, die bei Berührung mit der Haut allergieähnliche Symptome auslösen. Zu den neuen Arten in unseren Breitengraden gehört auch eine tropische Zecke (die SZ berichtete).

Bienenfresser: Zu den neuen Tierarten gehöre auch der Bienenfresser, eine besonders bunte Vogelart, der die Alpen überquert und laut Walser bei Überlingen eine Brutkolonie gebildet hat.

Walnuss: Als typischer Gewinner des Klimawandels gilt die wärmeliebende Walnuss. Aber sollte wie im vergangenen Jahr ein später Frost übers Land ziehen, kann sie wie andere früchtetragende Pflanzen schnell zum Verlierer werden.

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