So soll das Impfen im Kreis Ravensburg im Winter ablaufen

 Ukrainer benötigen eine Auffrischungsimpfung in Deutschland, um hier einen vollständigen Impfschutz nachweisen zu können, heißt
Ukrainer benötigen eine Auffrischungsimpfung in Deutschland, um hier einen vollständigen Impfschutz nachweisen zu können, heißt es vom Gesundheitsamt. (Foto: Archiv: Christian Charisius/dpa)
Redakteurin

Wer eine Corona-Impfung haben möchte, bekommt die im Landkreis Ravensburg aktuell von niedergelassenen Ärzten. Das soll auch im Herbst und Winter so bleiben – außer den Medizinern wird es zu viel.

 Annika Behrendt und Martin Sommer vom Gesundheitsamt stehen mit den Ärzten in Kontakt und könnten kurzfristig ein ergänzendes I
Annika Behrendt und Martin Sommer vom Gesundheitsamt stehen mit den Ärzten in Kontakt und könnten kurzfristig ein ergänzendes Impfangebot auf die Beine stellen. (Foto: Lena Müssigmann)

Dann würde die neue Impfkoordinatorin des Landkreises eingreifen und Unterstützung organisieren. Sie hat schon Pläne, was dann kurzfristig zu tun wäre.

Erfahrung im Kreisimpfzentrum gesammelt

Annika Behrendt hat die neue Aufgabe als Impfkoordinatorin übernommen – als Mitarbeiterin des Landratsamtes war die gelernte Vermessungstechnikerin schon Schichtleiterin im Kreisimpfzentrum in der Oberschwabenhalle.

Sie bringt Erfahrung mit bei der Frage: Wie zieht man so was hoch?,

sagt Martin Sommer, Leiter des Sachgebiets Pandemiebekämpfung im Gesundheitsamt.

„Wir sind froh, dass wir sie haben.“

Im Moment ist die Nachfrage nach Corona-Schutzimpfungen gering, wie der Chef der Kreisärzteschaft, Hans Bürger, auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ sagt. „Extra Strukturen braucht es für den Moment nicht“, so Bürger. Auch die überarbeiteten Impfstoffe von Biontech und Moderna, die einen Immunschutz nicht nur gegen die ersten Varianten des Coronavirus, sondern auch gegen Omikron aufbauen sollen, sei gering. In seiner Praxis in Vogt habe es bislang gerade mal zwei Anfragen dazu gegeben.

Auch den Pflegeheimen ist die Koordinatorin bekannt

Im Gesundheitsamt schätzt man die Situation im Moment ähnlich ein. Die Ärzte wüssten von der Möglichkeit, bei der Impfkoordinatorin Bescheid zu geben, wenn die Nachfrage auf ein nicht mehr zu bewältigendes Niveau steigt. Und auch in Einrichtungen wie zum Beispiel Pflegeheimen habe man die Impfkoordinatorin bekannt gemacht für den Fall, dass die Impfung der Bewohner nicht gewährleistet werden kann.

 Kreisärztechef Hans Bürger hat bisher in seiner Praxis kaum Nachfrage nach überarbeiteten Impfstoffen festgestellt.
Kreisärztechef Hans Bürger hat bisher in seiner Praxis kaum Nachfrage nach überarbeiteten Impfstoffen festgestellt. (Foto: Bürger)

Die vierte Corona-Schutzimpfung wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) aktuell für über 60-Jährige und Menschen „mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung“ empfohlen. Wie sich die weitere Nachfrage nach Impfungen entwickelt, hänge auch davon ab, was die Stiko für die restliche Bevölkerung empfiehlt. „Ab 1. Oktober besteht ein vollständiger Impfschutz aus drei Impfungen, oder einer Kombination aus Impfungen und nachgewiesener Erkrankung“, so Sommer. Noch unklar sei, ob und wo überall dieser Impfschutz im kommenden Herbst und Winter nachgewiesen werden muss.

Mit GnW hat der Kreis einen Partner gefunden

Nachdem das Landratsamt zu Beginn der Impfkampagne das Kreisimpfzentrum aufgebaut und betrieben hat, hält die Behörde dieses Engagement jetzt nicht mehr für nötig. Inzwischen liege die Verantwortung bei den Ärzten. Staatliche Strukturen sehe das Land aktuell nicht vor.

Sollten die Ärzte und Apotheker, die ebenfalls impfen dürfen, die Nachfrage nach Impfungen nicht mehr decken können, dann hat der Landkreis mit dem Anbieter „Gemeinsam neue Wege“ (GnW) aus Ravensburg einen Partner: Der private Anbieter, der eine Testinfrastruktur insbesondere im westlichen Landkreis betreibt, könnte ein Impfangebot kurzfristig aufbauen, wie Impfkoordinatorin Behrendt sagt. Auch ein mobiles Angebot sei für GnW denkbar.

Amt hält Laptops vor, um auch mobil impfen zu können

Erst, wenn auch das nicht ausreicht, würde der Landkreis selbst aktiv werden. „Wir sind im Stand-By-Modus“, sagt Behrendt. Sie halte Laptops mit der nötigen Software vor, die das Landratsamt benötigen würde, um Impfungen ans Robert-Koch-Institut zu melden und Impfzertifikate auszustellen, sollte die Behörde vorübergehend noch einmal ins Impfen einsteigen. Auch mit möglichen Mitarbeitern, die man aus dem Impfzentrum kenne, habe sie schon in Kontakt gestanden, so Behrendt.

Impfstoff hält der Landkreis aber nicht mehr vor, sondern würde diesen über den Apotheker-Großhandel einkaufen, sollte er selbst noch einmal ins Impfen einsteigen. Wo der Landkreis Impfungen anbieten würde, das hinge davon ab, an welcher Stelle in der Region der Bedarf vorhanden sei.

Ukrainer benötigen zusätzliche Impfung

Unterstützung bietet das Gesundheitsamt den Ärzten außerdem durch ein Formular auf Ukrainisch, mit dem die Mediziner unter anderem den Impfstatus von Geflüchteten abfragen können. Weil in der Ukraine Impfstoffe verwendet worden seien, die in der EU nicht zugelassen sind, benötigten die Ukrainerinnen und Ukrainer eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, erklärt Sommer, um hier einen vollständigen Impfschutz nachweisen zu können.

Der Pandemiebekämpfer sieht aktuell eine Situation, in der alle Beteiligten größere Ruhe bewahren können als in früheren Phasen der Pandemie. „Wer auf die zweite Auffrischungsimpfung wartet, ist schon geimpft. Wir haben nicht so einen riesigen Zeitdruck wie im Dezember 2021.“ Auch weil die aktuelle Corona-Variante mildere Verläufe verursache, sei die Situation nicht vergleichbar mit vorangegangenen Wintern. Und das Landratsamt sähe sich in der Lage, die Impfkapazität kurzfristig auszuweiten. „Wir haben einen Plan für den Fall der Fälle, es gibt keinen Grund, Angst zu haben“, sagt Sommer. Den Bürgern rät er, die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission im Blick zu behalten und für sich die passende Entscheidung zu treffen.

Bürger: „Drei Impfungen waren verlangt“

Kreisärztechef Bürger sagt zu möglichen weiteren Corona-Impfungen: „Drei Impfungen waren verlangt. Das hat funktioniert und die Krankheit deutlich abgemildert.“ Seine persönliche Meinung sei, dass im Herbst eine gleichzeitige Erkrankung an Corona und Grippe „keine gute Melange“ sei. Jeder einzelne müsse sich daher überlegen, wogegen er sich impfen lasse. „Wir müssen Vertrauen schaffen, das geht nicht mit Auflagen“, ist er persönlich überzeugt.

Die Terminvereinbarung für einen Impftermin solle am besten über den Hausarzt laufen, so Bürger. Sollte der keine Corona-Impfung anbieten, dann könne man das Terminvergabeportal des Landes nutzen, erklärt die Impfkoordinatorin. Es ist im Internet abrufbar unter impftermin-bw.de und telefonisch erreichbar unter 0800 / 2822 7291.

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