So bereiten sich Drohnenpiloten auf ihren Führerschein vor

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Digitalredakteurin

Drohnen sind keine Seltenheit mehr. Egal, ob am Aussichtspunkt einer Wanderung  oder beim Stadtbummel mit Blick auf die Kirche, plötzlich kündigt ein Sirren in der Luft den kleinen Kopter an. Allerdings gibt es ein Problem: Viele Drohnenpiloten wissen gar nicht, wo sie fliegen dürfen und wo nicht.

"Private Drohnen machen uns den Ruf kaputt"

Denn ein Führerschein für die private Anwendung von Drohnen unter zwei Kilo Gewicht ist nicht Pflicht - "leider", sagt Franz Bormann. Gemeinsam mit seiner Frau Sonja entwickelt, baut und verkauft er Drohnen in der gemeinsamen Firma Bormatec in Ravensburg-Mariatal. "Die privaten Drohnen machen uns den Ruf kaputt. Sie fliegen zum Beispiel über Wohngebiete und Menschen und kommen oft viel zu nah ran, weil die Piloten nicht wissen, was sie dürfen", kritisiert der Ravensburger. Dabei ist das gerade in der Region ein Sonderfall: Wegen des Flughafens in Friedrichshafen gibt es eine Kontrollzone, die bis nach Ravensburg reicht und in der deutlich strengere Regeln gelten.

Die, die die Drohnen gewerblich nutzen, haben in den meisten Fällen einen Kenntnisnachweis, wie der Drohnenführerschein offiziell heißt. Die Prüfung ist nur in Stellen möglich, die das Luftfahrtbundesamt zertifiziert hat.

Durchfallquote: zehn Prozent

Die Ravensburger Firma ist eine davon. Seit zwei Jahren gehört eine Drohnenflugschule zum Betrieb von Sonja und Franz Bormann. "Etwa 90 Prozent unserer Teilnehmer machen den Führerschein, weil sie eine Drohne gewerblich nutzen", sagt Sonja Bormann. Die Durchfallquote liegt bei etwa zehn Prozent. Denn anders als bei einem freiwilligen, vereinfachten Nachweis, der auch online möglich ist, kann man bei der offiziellen Prüfung auch durchfallen, wenn mehr als 25 Prozent der Antworten im Multiple-Choice-Test falsch oder unvollständig sind.

Zwar gibt es bisher keine Pflicht für den Drohnenführerschein, wenn man einen Kopter unter zwei Kilo Gewicht beruflich nutzt. "Aber erfahrungsgemäß kommt man trotzdem nicht mehr dran vorbei, weil die allermeisten doch mal über ein städtisches Grundstück, eine Bundesstraße oder ein Naturschutzgebiet fliegen müssen", sagt Bormann. Etwa 300 Euro kostet der Führerschein inklusive Schulung.

Fotografen, Biologen, Jäger, Feuerwehrleute

Drohnen werden immer beliebter, nicht nur für Fotografen: Biologen werfen damit Käfer ab, die Läuse fressen, Jäger suchen Kitze, Feuerwehren machen Wärmebildaufnahmen. Drohnen gelangen in schwer zugängliche Gebiete und könnten zugleich Pakete zustellen. "Das Potenzial für die Zukunft ist riesig", sagt Franz Bormann.

Bisher haben ausschließlich Männer ihren Drohnenführerschein in Oberschwaben gemacht. Franz Bormann sieht den Grund dafür in der Region – vielleicht würden sich in Oberschwaben die Frauen die technische Ausbildung einfach nicht so oft zutrauen. Bei anderen Ausbildungsstellen waren immer wieder mal Frauen unter den Teilnehmern. Erst seit Ende Juli gibt es auch eine Frau mit Drohnenführerschein aus der oberschwäbischen Prüfungsstelle.

Projekt: Pflanzenschutz mit unbemanntem Fluggerät

Zu den Teilnehmern des jüngsten Kurses gehörten auch Fabio Martin und Georg Lohrmann. Auch sie brauchen den Drohnenführerschein für den Job: Der Maschinenbauer und der Agrarökonom arbeiten an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen an einem Forschungsprojekt zur Unkrautbehandlung auf Grünlandflächen. Sie wollen mit Drohnen unerwünschte Pflanzen erkennen und dann gezielt einzeln bekämpfen. Um eine große Drohne fliegen zu dürfen, brauchen sie den Kenntnisnachweis, auch wenn sie nur über den Flächen des Auftraggebers fliegen.

Viel Erfahrung mit Drohnen haben die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht - ganz anders als Jakob Bosch, der ebenfalls den Führerschein ablegen will. Der Fotograf aus Bad Säckingen braucht den Kenntnisnachweis, weil seine Kunden Wert darauf legen. Er fotografiert für Architekten, Immobilienverwalter und Bauherren. Seit zwei Jahren fliegt er Drohnen - deshalb legt er zum Kenntnisnachweis auch noch als einziger an diesem Tag die praktische Prüfung ab, die aber nicht verpflichtend ist. Obwohl er regelmäßig fliegt, macht ihn die bevorstehende Prüfung nervös.

Lufträume, Gesetze, Technik und Aerodynamik

Zur Vorbereitung auf die theoretische Prüfung gibt es ein 60 Seiten starkes Heft mit Schulungsunterlagen, die Franz und Sonja Bormann in einem Tagesseminar Schritt für Schritt durchgehen: Gesetze, Lufträume, Zuständigkeiten, Abkürzungen, technische Voraussetzungen, Aerodynamik und mehr - Drohnenpiloten brauchen ein umfassendes Wissen.

Am nächsten Tag gibt es noch einmal eine zweistündige Wiederholung, dann folgt die Prüfung: 60 Fragen, für jeden einen anderen Bogen. Die Situation erinnert ein bisschen an die Führerscheinprüfung fürs Auto. Die Kursteilnehmer geben ihre Handys ab und nehmen an verschiedenen Tischen Platz. "Es sind alles Multiple-Choice-Fragen. Ist ein Kästchen falsch oder fehlt, gilt die ganze Antwort als falsch", warnt Sonja Bormann.

Auf fünf Jahre begrenzt

Leicht ist die Prüfung nicht, es sind Fallen eingebaut. Doch alle bestehen und nehmen ihre blauen Drohnenführerscheine entgegen - vorausgesetzt, sie haben vorher ihr polizeiliches Führungszeugnis eingereicht. Jakob Bosch hat als Bester abgeschnitten: Nur eine einzige Frage hat er nicht richtig beantwortet. "Aber ohne das Schulungsheft wäre ich dazu nicht imstande gewesen, obwohl ich seit Jahren fliege", sagt er.

Fünf Jahre ist der Kenntnisnachweis gültig. Und dann? "Bis dahin ist auf EU-Ebene mit Sicherheit schon wieder alles anders geregelt", sagt Sonja Bormann.

Für die praktische Prüfung braucht es Training

Dass die meisten es zunächst bei der Theorie belassen müssen, ist volle Absicht: "Um die praktische Prüfung zu bestehen, braucht es mehr Flugerfahrung", sagt Franz Bormann. "Wir empfehlen den Anfängern, erst mal ein paar Stunden zu üben." Denn exaktes Fliegen und Landen von Drohnen braucht Training. Die meisten Geräte sind zwar über GPS gesteuert und finden selbstständig zurück zum Startpunkt. Aber wenn das ausfällt, muss der Pilot das Gerät landen können - und unter anderem ist das in der praktischen Prüfung gefragt, die Jakob Bosch am Nachmittag bevorsteht: Under anderem muss er dafür ein gleichschenkliges Dreieck mit 50 Metern Seitenlänge fliegen und die Drohne in einem angenommenen Notfall in einer exakten Linie an einem vorgegebenen Punkt landen.

Doch seine Sorge war unbegründet: Am Ende hat er nicht nur den theoretischen, sondern auch den praktischen Kenntnisnachweis in der Tasche.

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