Singer-Songwriterin Rebekka Bakken verführt mit ihrer Stimme

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 Charismatische Sängerin: Rebekka Bakken im Ravensburger Bärengarten.
Charismatische Sängerin: Rebekka Bakken im Ravensburger Bärengarten. (Foto: Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Ihre Songs sind mit Ironie gewürzt, aber sie singt sie mit überwältigender Ausdruckskraft. Als Moderatorin ist Rebekka Bakken dagegen echt witzig und cool. Im ausverkauften Bärengarten-Saal hat das Publikum sich ihr geradezu ausgeliefert. Die vier Musiker ihrer Band gaben die perfekte Basis für den Auftritt im Rahmen des Landes-Jazz-Festivals in Ravensburg.

„Ich bin eine ziemlich eigenartige Person, die viele innere Konflikte ausficht“, sagte die 1970 in Oslo geborene Sängerin der Wiener Kronen-Zeitung bei Erscheinen ihrer neuen CD „Things you leave behind“. Der Veranstalter „Jazztime Ravensburg“ hatte für die schöne Norwegerin im Bärengarten ein Stehplatzkonzert organisiert. Sie habe schon viele Konzerte von Rebekka Bakken besucht, auch in Ravensburg, aber noch keins ohne Stühle, bemerkte eine Besucherin. Das Publikum wusste sich zu helfen. Man holte ein paar Stühle von nebenan oder ließ sich auf Fensterbänken nieder. Die meisten Gäste standen von den Songs beseelt lässig zwei Stunden.

„Huch, ziemlich eng hier“, sagte Rebekka Bakken. Mit ihren langen, blonden Haaren ließ sie unter den Schwarzen Hosenbeinen rote High Heels aufblitzen. Tschakk, machte das Schlagzeug. „Closer“ sang der Star des Abends, seufzte, schmachtete und verführte – zum Nachdenken. „Closer, closer to you in me“ (näher zu dir in mir): Mit dem ersten Song ihres neuen Albums warf Rebekka Bakken Funken ins Publikum. Sie stellte ihre Mitspieler vor und versicherte dem Publikum, es sei phantastisch: „You are phantastic!“ Die Sängerin lobte den deutschen Weißwein, den sie gerade trank und zog über Grünen Tee her. Ob Trinkgewohnheiten, Lieblingskrimis oder Frisurkatastrophen, jedes scheinbar private Geplauder leitete gewiss einen nächsten Song ein: You know I’m Norwegian / I like my men on ice… Do not care for those organic / Green tea sipping boys” (Als Norwegerin mag ich Männer auf Eis, Grüntee schlürfende Jungs sind mir dagegen gleich).

Mit unglaublicher Konzentration zelebrierte Rebekka Bakken die fast durchweg selber geschriebenen Lieder. Mit ihren nackten Armen beherrschte sie die Bühne und durchwanderte den Kosmos ihrer Lyrik. Auf die selbstbewusste, knallharte Abgrenzung folgten melancholische Rückblicke. Mühelos kam die Stimmkünstlerin von solistisch vorgetragener, engelsgleicher Reinheit zu erdiger Naturverbundenheit und skandinavischer Folklore. Von der Band verstärkt ließ sie schamanische Ekstase in Geheul verebben. Auf eine Liebeserklärung der Tochter an den wortkargen Vater in „True North“ folgte das Bild einer Trinkerin in „Shelter“ (Schutz). Im Song „Sound of us“ intonierte Rebekka Bakken im Refrain „It’s cooooold“, einem sinkenden Stern gleich. Die Sängerin sah inzwischen nicht mehr so blendend aus. Der Schlagzeuger präsentierte ein schweißnasses Hemd, und das Publikum stand ergriffen wie ein antiker Chor. Um besser zu sehen, waren manche in Strümpfen auf die Polsterecken geklettert. „Love is everything“, bekannte die Norwegerin und leitete das Finale ein. Der letzte Song war eine Verbeugung vor dem Barden Ludwig Hirsch und mit ein paar Zugaben dekoriert.

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