Sie hat ihre raffinierte Idee präzise ausgeführt

Lesedauer: 5 Min
 Die jungen Preisträgerinnen des diesjährigen Selinka-Kunstpreises (von links): Fatima Pfleghar (Zweiter Preis), Maddalena Bedna
Die jungen Preisträgerinnen des diesjährigen Selinka-Kunstpreises (von links): Fatima Pfleghar (Zweiter Preis), Maddalena Bednar (Erster Preis), Emily Hölz (Dritter Preis) und die Preisstifterin Gudrun Selinka neben dem Drahtobjekt „Gedanken – Gedankenlos“ von Emily Hölz nach einem Porträt von Ludwig Meidner. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Auch dieses Jahr hatte die kleine Fachjury für den Selinka-Kunstpreis wieder die Qual der Wahl. Zum vierten Mal wählte sie aus den eingereichten Arbeiten drei Preisträger aus. Insgesamt neun Schüler aus dem Welfengymnasium (Kunsterzieher Elisabeth Klass und Uli Schubert) hatten an dem ein Jahr lang vorbereiteten Wettbewerb teilgenommen. Die Ergebnisse konnten am Montag bei der Preisvergabe und einer kleinen Feier im Haus Selinka besichtigt werden.

Verbunden mit dem Preis ist nicht nur eine Urkunde, sondern auch ein Preisgeld, das nicht die Hauptsache, aber eine Anerkennung für die Teilnahme und die Leistung darstellen soll. Die Stifterin des Preises, Gudrun Selinka, finanziert das Ganze aus eigenen Mitteln und hatte sich dieses Jahr entschlossen, allen Teilnehmern des Wettbewerbs nicht nur wie bisher eine Urkunde, sondern auch eine Gratifikation von 75 Euro auszuhändigen. Denn wie Gudrun Selinka in ihrer Begrüßung darstellte, sind alle Beteiligten für sie Gewinner. Eine schöne Geste, die mit großer Freude aufgenommen wurde und für die sich Schulleiter Tilmann Siebert in seiner gedankenreichen Ansprache herzlich bedankte.

Die Bilder und Objekte zeigen einmal mehr, dass die vier Anforderungen an die zu gestaltende künstlerische Arbeit – Konzeption, Umsetzung, Eigenleistung, Text – von Mal zu Mal besser bewältigt werden. Und man sieht die Beschäftigung mit Werken der Sammlung Selinka bei allen dreien gleichsam im Hintergrund aufleuchten.

Der dritte Preis (150 Euro) ging an Emily Hölz für ihr hängendes Drahtobjekt „Gedanken – Gedankenlos“, beeindruckend auch durch den Schattenriss, der sich hinter dem angestrahlten filigranen Objekt auf der weißen Wand abzeichnet. „Das mit dem Licht hat sich dann erst später so ergeben“, sagt Emily Hölz im Gespräch. Die Vorlage von Ludwig Meidner, ein Porträt von 1920, wurde in Bleistift gezeichnet, vergrößert und auf ein Brett gespannt, unterschiedlich dicker Metalldraht mit einer Vielzahl von Zangen – von der Kneifzange bis zum Seitenschneider – in Form gebracht. Ganz und gar nicht einfach, solch ein grafisches Liniengeflecht mit seinen Modellierungen in Draht auszuführen. Und etwas Abstand muss auch sein, damit das Auge sich überlisten lässt und darin die Einzelformen des Gesichts erkennt.

Ganz anders näherte sich Fatima Pfleghar mit ihrer aus Zweimeter-Holzlatten gebauten offenen Box der Kunst von Asger Jorn: Eine grinsende Teufelsfigur und ein groteskes Tierwesen in grellen Farben zu beiden Seiten, in Acryl auf Packpapier und Lackfarbe auf Plastikfolie gemalt, und in der Mitte ein mit Batikfarbe abstrakt bemaltes Tuch sollen die „Zerrissenheit“ des modernen Menschen schildern. Für die „mutige Gestaltung und die eigenwillige Kombination aus rohem Material“, so Stiftungsvorstand Andrea Dreher zur Begründung der Jury, erhielt Fatima Pfleghar den zweiten Preis (250 Euro).

Der erste Preis (500 Euro) überzeugte nachdrücklich in der Raffinesse der Idee und Präzision der Ausführung: Die 17-jährige Maddalena Bednar – eine sehr begabte Zeichnerin – ließ sich von einer Lithografie von Erich Heckel nur marginal anregen und gestaltete mit der Arbeit „Der spiegelnde Betrachter“ etwas Neues. Sie zeichnete sich selbst vor dem Spiegel in einer Frontal- und einer Rückansicht und schnitt diese mit einem Präzisionsschneider in schmale Streifen, die sie plisseeartig zusammen klebte, sodass die Ansicht von schräg links die Rückansicht in Bleistift auf weißem Karton und die von schräg rechts die Vorderansicht in weißer Pastellkreide auf blauem Karton ergibt. Komplex ausgedacht, minutiös perfekt ausgeführt, frappierend in der Wirkung – und mit Recht der erste Preis.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen