Sensation in Ravensburg: Grüne vor der CDU bei Europawahl

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 Bei der Europawahl wurden die Grünen in Ravensburg stärkste Partei.
Bei der Europawahl wurden die Grünen in Ravensburg stärkste Partei. (Foto: Elke Obser)

Sensation in Ravensburg: Die Grünen überrundeten am Sonntag in Ravensburg erstmals bei einer Europawahl die CDU. 31,2 Prozent stimmten im Stadtgebiet für die Umweltpartei, 13,6 Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren. Die Christdemokraten verloren hingegen 9,1 Prozentpunkte und waren nur noch in einigen Ortschaften stärkste Partei. Besonders bitter verlief der Wahlabend für die Sozialdemokraten. Sie stürzten von 20,8 auf 10,6 Prozent ab. Die Wahlbeteiligung lag mit 62,6 Prozent deutlich höher als bei der Europawahl 2014 (48,9 Prozent).

Die Ravensburger liegen damit mehr oder weniger im Bundestrend. Großer Wahlgewinner sind die Grünen, die in einigen Wahllokalen sogar die 40-Prozent-Hürde rissen. Ergebnisse, die bislang nur die ehemals großen Volksparteien erzielten. Im Wahlbezirk „Rathaus“ im Herzen der Innenstadt holten die Grünen mit 44,8 Prozent ihr bestes Ergebnis, ein Zuwachs von 18,2 Prozent. Aber auch im Gemeindesaal Christkönig und im Wahllokal Kreissparkasse Waaghaus kamen die Grünen über 40 Prozent. Der Ravensburger Landtagsabgeordnete und baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha und die hiesige Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger kommentierten das so: „Die Grünen sind nicht nur die Baden-Württemberg-Partei, sie sind auch die Europa-Partei.“

Nur noch zweitstärkste Partei bei der Europawahl in Ravensburg wurde die CDU, die von 39,9 Prozent auf 30,8 Prozent abstürzte. Die Christdemokraten verloren sowohl in den Wahllokalen in der Kernstadt als auch in den Ortschaften teils dramatisch an Stimmen. Ihr bestes Ergebnis erzielten sie noch mit 54,5 Prozent an der Grundschule Taldorf (minus 8,2 Prozent).

Noch schlechter als bundesweit schnitten die Sozialdemokraten in Ravensburg ab. Sie halbierten fast ihr Ergebnis. Holten sie im Jahr 2014 noch 20,8 Prozent der Stimmen, waren es am Sonntag bloß 10,6.

Leicht erholt hat sich die FDP, die vor fünf Jahren in ihrer einstigen Hochburg Ravensburg von 15,1 auf 4,3 Prozent absackte und nun wieder 6,2 Prozent der Stimmen einfuhr. Überholt wurde sie jedoch von der AfD. Zwar kamen die Rechtspopulisten nicht auf ein zweistelliges Ergebnis wie im Bund, gewannen jedoch 6,6 Prozent der Stimmen (plus 0,8 Prozent). Die Linke verlor leicht und kam auf 3,2 Prozent (minus 0,5 Prozent).

Sonstige Parteien, die bei der Europawahl nicht der Fünf-Prozent-Hürde unterliegen und deshalb bessere Chancen haben, überhaupt gewählt zu werden, kamen in Ravensburg auf 11,4 Prozent (plus 3,3). Ganz vorne lagen dabei die ÖDP und die Satirepartei „Die Partei“ mit je 2 Prozent, gefolgt von den Freien Wählern mit 1,9 Prozent. Die „Menschliche Welt“, die in Ravensburg auch für den Gemeinderat kandidiert, holte lediglich 0,2 Prozent der Stimmen.

Ob sich die erdrutschartigen Verschiebungen bei der Europawahl auch auf die Kommunalwahl auswirken, steht erst am Montagnachmittag nach Auszählung der Stimmen fest.

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