Selbstmord nach Familiendrama

Lesedauer: 13 Min
Mutmaßlicher Mörder tot aufgefunden
Schwäbische Zeitung

Der mutmaßliche Dreifachmörder von Untereschach ist tot. Weil er mit den Folgen seiner Tat nicht weiterleben wollte, hat sich der 53-Jährige am frühen Mittwochmorgen in der Toilette seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Hinzistobel erhängt. Wie die Staatsanwaltschaft Ravensburg weiter mitteilt, gibt es keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung. In seinen persönlichen Sachen wurden mehrere Abschiedsbriefe gefunden.

Dem Mann wurde eines der schrecklichsten Verbrechen zur Last gelegt, das jemals in Ravensburg verübt wurde: Wie berichtet, soll der Familienvater in der Nacht zum 1. Juli seine aus Thailand stammende Ehefrau und seine beiden 18 und 14 Jahre alten Stieftöchter mit einem Beil und einem Messer getötet haben. Der 14-Jährigen gelang es noch, einen Notruf abzusetzen, sodass die Polizei zumindest das Leben der fünfjährigen gemeinsamen leiblichen Tochter retten konnte. Der Vater wollte wohl auch sie und danach sich selbst töten, weil die Familie auseinanderzubrechen drohte: Die 37-jährige Frau hatte einen neuen Freund und beabsichtigte offenbar, ihn zu verlassen. Er ließ sich widerstandslos festnehmen und gestand die Tat. Zudem fand die Polizei schon damals mehrere Abschiedsbriefe.

Mithäftlinge finden Leichnam

Auch in Untersuchungshaft, wo der Monteur auf seinen Prozess wartete, galt er von Anfang an als selbstmordgefährdet und stand deshalb unter Beobachtung. Laut Robin Schray, Pressesprecher des baden-württembergischen Justizministeriums, war er in einer Dreier-Zelle untergebracht, damit seine beiden Mithäftlinge ein Auge auf ihn haben konnten. Zudem wurde er sozial, psychologisch und medizinisch betreut.

Offenbar gelang es ihm aber, sich mit einem Bettlaken ins Bad zu schleichen. Dort erhängte er sich am Toilettenfenster. Die Tür – ähnlich wie bei öffentlichen Toiletten mit einem Drehschloss versehen, das von außen relativ leicht mit einer Münze geöffnet werden kann – hatte er von innen abgeschlossen. Seine Mitgefangenen fanden ihn gegen 5.30 Uhr und setzten einen Notruf ab, der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Dauerhafte Trennung nicht möglich

Zur Klärung der Todesursache wurde eine Obduktion angeordnet. Nach dem vorläufigen Ergebnis des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Ulm ist von einem „Ersticken infolge Erhängens“ auszugehen. Hinweise für eine Fremdeinwirkung ergaben sich nicht.

Der Familienvater, der im Gefängnis als Monteur in der Werkstatt arbeitete, war kurz nach seiner Inhaftierung in Hinzistobel bei einem Hofgang von einem anderen Gefangenen angegriffen und im Gesicht verletzt worden. Nach einem Aufenthalt im Gefängnis-Krankenhaus Hohenasperg wurde er wieder in die Justizvollzugsanstalt verlegt. „Zum Schutz des Gefangenen vor sich selbst“ habe man ihn allerdings nicht dauerhaft von anderen Gefangenen trennen können.

Überlebender Tochter bleibt Prozess erspart

Ob die überlebende fünfjährige Tochter schon vom Tod ihres Vaters weiß, konnte Josef Hiller von der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Ravensburg am Mittwochabend noch nicht sagen. „Das wird man ihr schonend und mit der Hilfe eines Psychologen beibringen müssen“, sagt Hiller. Er meint, dass der Tod eines Menschen – auch eines Täters – immer schrecklich sei. Der Fünfjährigen bleibe nun aber „eine Zerreißprobe erspart“, so Hiller: „Einerseits hat sie mit dem Suizid ihres Vaters auch noch ihre letzte Bezugsperson verloren und ist ganz alleine“, meint der Leiter des Weißen Rings, „aber andererseits muss sie sich jetzt keinem Prozess stellen und sich über den Umgang mit einem Vater im Gefängnis Gedanken machen, der sie überdies ja auch umbringen wollte.“

Sehen Sie hier die Pressekonferenz der Polizei vom 1. Juli

Mutmaßlicher Mörder tot aufgefunden
Der 53-Jährige, der drei Menschen in Eschach getötet haben soll, ist in Haft tot aufgefunden worden.
Entscheidung über Urnen der Eschacher Mädchen
Die Urnen der beiden im Juli in Eschach getöteten Mädchen werden in Thailand beigesetzt. Auf diese Lösung haben sich der thailändische Konsul Parama Chamrasromran und die Stadt Ravensburg in einem Gespräch am Mittwoch geeinigt. Dies sei für alle Beteiligten die beste Lösung.
Eschacher Mädchen werden in Thailand beigesetzt
Die beiden getöteten Mädchen aus Untereschach können nun wie ihre Mutter in Thailand beigesetzt werden. Die Urnen mit der Asche sollen so schnell wie möglich überführt werden.
Mutmaßlicher Mörder verprügelt
In der JVA Ravensburg wurde der mutmaßliche Mörder von Eschach von Gefängnisinsassen verprügelt.
Entsetzen über Gewaltverbrechen in Oberschwaben
In Eschach bei Ravensburg hat in der Nacht zum Freitag ein 53-jähriger Mann seine 37-jährige Frau und seine beiden Stieftöchter mit einem Beil getötet.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen