Seelische Störungen entstehen meist in der Kindheit

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 (Cyber)Mobbing ist ein gesellschaftliches Problem, mit dem viele Schüler zu kämpfen haben.
(Cyber)Mobbing ist ein gesellschaftliches Problem, mit dem viele Schüler zu kämpfen haben. (Foto: Symbol: Oliver Berg/dpa)
Schwäbische Zeitung

Dieses Jahr steht der „Internationale Tag der Seelischen Gesundheit“ am Donnerstag, 10. Oktober, unter der Überschrift der Prävention, insbesondere von Suizidversuchen. Das ZfP Südwürttemberg setzt sich nach eigenen Angaben seit vielen Jahren für Vorbeugung von psychischen Krisen und für die Erhaltung der seelischen Gesundheit ein.

„Die Hälfte aller seelischen Störungen von Erwachsenen entsteht bereits in der Kindheit, das heißt vor dem Alter von 15 Jahren. Eine gesunde gesellschaftliche Atmosphäre für unsere Kinder zu schaffen ist daher die beste Prävention“, sagt Professorin Renate Schepker, Regionaldirektorin Ravensburg Bodensee des ZfP Südwürttemberg. Daher sei es wichtig, Mobbing in der Schule oder im Verein entgegenzuwirken, Verhalten wie Ritzen auf den Grund zu gehen und dafür zu sorgen, dass aus einem Probierkonsum von Drogen kein Dauerkonsum wird. Dazu würden die Mitarbeiter aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie immer wieder Vorträge in Schulen oder geben Fortbildungen für Lehrer oder Schulsozialarbeiter halten.

Sehr bewährt habe sich auch das Angebot der „Esmeralda“-Gruppen für Kinder psychisch kranker Eltern, die gemeinsam mit dem Jugendamt Ravensburg angeboten und teilweise vom Landkreis finanziert werden. Kinder erfahren so, dass sie mit „seltsamen“ Verhaltensweisen ihrer psychisch kranken Eltern nicht allein sind. „Für die Erwachsenen“, weiß Schepker aus ihrer Tätigkeit, „sorgen ZfP-Mitarbeiter aus der Psychosomatik für Sprechstunden in Betrieben.“ Ohne Versichertenkarte könne man dort Ratschläge zur Stressvorbeugung oder Informationen darüber bekommen, wie man mit Ärger im Team oder mit spannungsbedingten Körpersymptomen umgeht. Auch würden Vorgesetzte fortgebildet.

Für Menschen, die gefährdet sind eine Abhängigkeit zu entwickeln, arbeitet das ZfP im Suchthilfenetzwerk eng mit anderen Diensten zusammen – das geht von Streetwork, die das ZfP subventioniert, bis zur engen Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und auch dem eigenen Angebot niedrigschwelliger Sprechstunden. „Für diejenigen Menschen, die dann doch irgendwann einmal Patienten im ZfP werden, ist es unser Ziel, dass sie möglichst nie wieder zu kommen brauchen“, sagt Schepker. Dazu arbeite man eng mit dem Gemeindepsychiatrischen Verbund zusammen, der sich um ambulante Betreuung, Wohnmöglichkeiten und die Begleitung bei der Wiedereingliederung in die Arbeitswelt kümmert.

Die Situation alter Menschen führt laut Mitteilung mitunter dazu, psychische Störungen hervorzurufen. Auch hier sei die Gesellschaft gefordert, ein Klima des Wohlwollens, der Akzeptanz und der Wertschätzung von Lebensleistungen herzustellen. Das ZfP unterstütze hier mit Vorträgen zum Umgang mit beginnender Demenz und habe wesentlich am Aufbau eines Demenznetzwerkes mitgewirkt. Dieses solle weiter verbessert werden. „Es ist objektiv so, dass wir hier nicht genug vorsorgen“, meint Regionaldirektorin Schepker dazu, „wir würden uns in der Bürgerberatung viel mehr Aktivität seitens der Kommunen wünschen“.

Ein großes Problem stelle die unzureichende Versorgung mit Heimplätzen und Tagespflegeangeboten, auch mit Tagesbeschäftigungsangeboten dar, die für die älteren Semester passen. „Wenn im Alter die Vereinsamung droht und auch die psychischen Kräfte nachlassen, kann es für die Seele schwierig werden“ warnt Schepker. „Wir würden uns sehr wünschen, dass zum Beispiel der Kreistag sich des demografischen Wandels einmal annimmt und darüber nachdenkt, welche Angebote hier in der Region dringend zu unterstützen sind.“ Fachliche Beratung ist bereits versprochen.

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