Schwieriger Einsatz nach Corona-Zwangspause

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Im Liederkranzsaal in Aktion (von links): Jochen Pfleghaar, Philipp Stäbler, Katrin Ganser, Tobias Gerstung, Sybille Bantle und
Im Liederkranzsaal in Aktion (von links): Jochen Pfleghaar, Philipp Stäbler, Katrin Ganser, Tobias Gerstung, Sybille Bantle und Sonja Weißhaar. (Foto: Christoph Stehle)
Christoph Stehle

Wie bei allen Vereinen hat die Corona-Pandemie auch für den Liederkranz einen Stillstand gebracht und Improvisieren verlangt. Nun bewegt sich wieder etwas, doch lähmen die Unsicherheiten nach wie vor.

Inzwischen gehöre Singen im Chor ja fast schon zu den gefährlichsten Hobbys. Dieser Scherz zu Beginn des Gesprächs mit dem geschäftsführenden Vorstand des Oratorienchors Liederkranz Ravensburg hat aber nicht darüber hinwegtäuschen können, wie sehr der Probenbetrieb und das Vereinsleben eingeschränkt sind. Denn für Chöre gelten noch striktere Beschränkungen als für Instrumentalisten und die meisten Sportarten. Der Grund liegt in der Aerosole. Das ist allgemein die ausgestoßene Atemluft mit Schwebeteilchen, und weil Chormitglieder besonders intensiv Atemluft abgeben, schweben auch entsprechend viele Aerosole-Partikel im Probelokal – und damit möglicherweise auch die Viren.

Online-Proben als Ersatz

Der erste Schritt in den Wiedereinstieg war nach Ostern noch vergleichsweise einfach gewesen, so Jochen Pfleghaar vom geschäftsführenden Vorstand. Dank einer Online-Konferenz-Plattform finden seither Ersatzproben statt, zu denen man sich zu Hause an den Laptop setzt und integrierte Kamera sowie Mikrophon einschaltet. Auf dem Bildschirm erscheinen dann die Köpfe der teilnehmenden Sänger in Briefmarkengröße, und Chorleiter Gregor Simon kann in Echtzeit Übungen zur Stimmbildung durchführen und einzelne Passagen aus der Chorliteratur vorstellen. Und wer sich getraut, singt sogar mit, sofern man das den Mitbewohnern zumuten will. Allerdings: Chorklang kann so nicht entstehen, denn das geht nur über die reale Präsenz. Und auch ein live übertragenes Dirigat kann nie so exakt sein wie das Original in der Singstunde. Dennoch sind diese regelmäßigen Termine für das Training der Stimme wichtig.

Unsichere Zukunft

Für Chöre wird es kurzfristig erst mal keine weitere Lockerung geben. Und gibt es diese irgendwann, dann kommt die Frage auf, wo man eigentlich mit einem 80-köpfigen Chor mit gebotenem Sicherheitsabstand proben kann. In der Oberschwabenhalle oder getrennt nach den vier Stimmen Sopran, Alt, Tenor und Bass? Derzeit gibt es noch keine Klarheit. „Es wird nämlich wieder einmal deutlich, wie schwierig es ist, in Ravensburg passende und bezahlbare Räume für Vereine zu finden“ – so Sonja Weißhaar, die stellvertretende Vorsitzende.

Sicher ist nur, dass nach der beliebten Frühjahrs-Serenade mit Programm und kulinarischem Büffet nun auch das Hauptkonzert im Herbst ausfallen muss. Und wann der Liederkranz die in der Region selten aufgeführte „Petite Messe solennelle“ des Opernstars Gioachino Rossini (1792-1868) dann 2021 aufführen kann, bleibt ebenfalls noch offen. Vielleicht wird es 2020 ja wenigstens ein mehr oder weniger spontanes Weihnachtskonzert geben, wenn das bis dahin erlaubt ist. Sicher ist nur, dass die Pandemie auch die Zukunft beeinflusst. Denn eigentlich müsste man spätestens jetzt Solisten und Musiker für Konzerte 2021 und 2022 engagieren. Derzeit ist es aber zu riskant, sich vertraglich zu binden, betont Tobias Gerstung, der andere stellvertretende Vorsitzende.

Neuer Vorstand, neuer Dirigent

Beim Liederkranz stehen auch ohne die Corona-Pandemie Weichenstallungen an. So war geplant, dass Pfleghaar auf der Mitgliederversammlung im März Hilde Purkart ablöst, die den Verein über zehn intensive Jahre geleitet hat. Im Juli können die Neuwahlen nun stattfinden. Eine härtere Nuss wird der Wechsel bei der Chorleitung. Gregor Simon ist nämlich fünf Jahre zu den Proben immer aus Laupheim angereist und will sich bei seinen festen Engagements nun doch auf das nördliche Oberschwaben konzentrieren. Doch wann und wie sich Probedirigate durchführen lassen, kann noch nicht geklärt werden. Immerhin garantiert Gregor Simon einen gesicherten Übergang.

Wichtig ist, dass sich der Zusammenhalt bisher bewährt, wie Pfleghaar, Weißhaar und Gerstung betonen. So sind sie beeindruckt, wie viele Mitglieder – auch die Senioren – an den Online-Chorproben teilnehmen. Und immerhin nutzen nun auch wieder einige Chormitglieder die Möglichkeit, sich nach der virtuellen Probe noch real auf einen kleinen Umtrunk zu treffen.

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