Schweizer backen bald in Ravensburg

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Bislang hat die Firma Kambly hauptsächlich an ihrem Stammsitz in Trubschachen produziert. Doch in den kommenden Jahren soll das
Bislang hat die Firma Kambly hauptsächlich an ihrem Stammsitz in Trubschachen produziert. Doch in den kommenden Jahren soll das meiste Gebäck in Ravensburg produziert und von hier aus in die Welt exportiert werden. (Foto: Foto privat: Kambly)
Schwäbische Zeitung
Jasmin Bühler
Crossmediale Redakteurin

An dem Werk der „Conditorei Tekrum“ in der Ravensburger Schwanenstraße prangen bis jetzt noch Name und Logo des bisherigen Inhabers: Griesson de Beukelaer. Doch das wird sich bald ändern. Ein neues Schild kommt her – und mit ihm ein neuer Eigentümer: Der Schweizer Gebäckhersteller Kambly übernimmt zu Beginn des neuen Jahres offiziell das Unternehmen Tekrum.

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für die Tekrum-Übernahme schon lange. Seit mehr als einem Jahr, um genau zu sein. Denn bereits im Dezember 2015 wurden die Expansionspläne der Schweizer bekannt (die SZ berichtete). Zwölf Monate hat sich der Gebäckhersteller mit Sitz in Trubschachen (Kanton Bern, Schweiz) nun Zeit gelassen, um sich mit dem Ravensburger Werk vertraut zu machen, die Abläufe kennenzulernen und Kambly-Systeme sowie -Standards einzuführen. „Wir wollten es sorgfältig angehen lassen“, erklärt Kambly-Geschäftsführer Hans-Martin Wahlen. „Denn das, was wir mit Ravensburg vorhaben, braucht Zeit.“

Wie genau die Pläne für den neuen Kambly-Sitz in Oberschwaben aussehen, hat Wahlen in einem exklusiven Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ dargelegt. So soll Ravensburg zum wichtigsten Exportstandort werden. „Kambly erwirbt mit der ,Conditorei Tekrum‘ zusätzliche Kapazitäten, ergänzende Technologien und erweiterten Marktzugang – und dadurch neue Wachstumsfelder im Ausland“, sagt der Geschäftsführer. Dabei stehe Kambly aber weiterhin zum Standort Schweiz, alle Biscuits für die Schweiz würden nach wie vor im Emmental gebacken. Wahlen: „Der Erwerb von Tekrum trägt schlussendlich auch zur Zukunftssicherung des Emmentaler Familienunternehmens und dessen Arbeitsplätze am Hauptstandort in Trubschachen bei.“

Schweizer Standards eingeführt

Von Ravensburg aus möchte Kambly den Weltmarkt erobern. Dafür wurde eigens eine Gesellschaft gegründet: Kambly Deutschland, mit Sitz in Ravensburg. Zwar gibt es das Emmentaler Feingebäck schon in mehr als 50 Ländern, vor allem in Frankreich ist es beliebt, doch sind die Biscuits eher den Liebhabern bekannt als der breiten Masse. In Deutschland ist die Marke bislang wenig bekannt, hierzulande führen nur einzelne Händler Kambly-Ware. Laut Hans-Martin Wahlen sollen jedoch auch die Deutschen bald „Genuss und Freude“ von Kambly-Gebäck erfahren. „Unser Fokus liegt zunächst auf dem süddeutschen Raum“, berichtet er. Alles Weitere werde sich zeigen. „In drei, vier Jahren wollen wir mit dem Ravensburger Werk in den schwarzen Zahlen sein“, so Wahlen.

Das Vorhaben ist ambitioniert, einen ähnlichen Schritt ins Ausland hat der Familienbetrieb, der derzeit in der dritten Generation geführt wird, vorher noch nie gewagt. Daher habe man sich für die Übernahme auch so viel Zeit gelassen, erklärt Wahlen. Damit am Ende der Erfolg steht, wurden in dem Tekrum-Werk in Ravensburg die gleichen Arbeitsprozesse und -standards eingeführt, wie sie in Trubschachen üblich sind. „Wir haben unter anderem die Linien verlängert und damit die Prozesseffizienz und -kapazität gesteigert“, sagt Wahlen. Mehrere Millionen Euro habe Kambly dafür in die Ravensburger Fabrik investiert. An dem Gebäude selbst sowie den vorhandenen Anlagen musste hingegen kaum etwas gemacht werden. „Es war alles in einem hervorragenden Zustand“, meint der Geschäftsführer, „darauf konnten wir gut aufbauen.“

Tekrum als Marke bleibt

Alle 163 Arbeitsplätze, die es bei Tekrum zuletzt gab, sollen Wahlen zufolge erhalten bleiben. Zusätzlich wurden sechs Mitarbeiter eingestellt, sodass Kambly zum 1. Januar 2017 in Ravensburg mit 169 Mitarbeitern startet. Vor allem über die Erfahrung der Tekrum-Angestellten freut sich Hans-Martin Wahlen. „Der Durchschnitt liegt bei 18 Dienstjahren“, berichtet er. „Das sind fähige Mitarbeiter, die das Handwerk beherrschen.“

Neben Erhalt und Ausbau der Arbeitsplätze sei es ein weiteres Ziel, „die Fabrik richtig auszulasten“, sagt Wahlen. Dies geschehe unter anderem dadurch, dass die Marke Tekrum bestehen bleibe und zukünftig sogar an Bedeutung gewinne. Wahlen verspricht: „Wir wollen Tekrum aufleben lassen.“ Die Marke solle „eigenständig positioniert“ werden. Während Kambly-Biscuits die Attribute „klein, fein und knusprig“ innehabe, setze man bei Tekrum auf die Eigenschaften von „handwerklichem, weichem Konditoreigebäck“, beschreibt Hans-Martin Wahlen die Unterschiede.

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