Schüler fordern Chancengleichheit im Abitur

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Das Abitur ist zu Corona-Zeiten erschwert. Ravensburger Schüler fordern Chancengleichheit.
Das Abitur ist zu Corona-Zeiten erschwert. Ravensburger Schüler fordern Chancengleichheit. (Foto: Symbol: Hans Punz/dpa)
Schwäbische Zeitung

Durch die coronabedingte Situation an den Schulen in den vergangenen Monaten sehen sich die Schüler der beruflichen Gymnasien in Ravensburg in der Vorbereitung auf das Abitur im kommenden Jahr benachteiligt. In einem offenen Brief an die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann fordern die Vertreter der Kursstufe 1 der beruflichen Gymnasien in Ravensburg nun eine Reihe von Maßnahmen, die ihnen Chancengleichheit garantieren soll.

Den Schülern der beruflichen Gymnasien würden mehrere Wochen fehlen, in denen der Unterricht an den Schulen bereits wieder möglich gewesen wäre, heißt es in dem Schreiben. An den allgemeinbildenden Gymnasien sei dies erfolgt. Doch anstatt die Lerninhalte in der kurzen Zeit bis zu den Sommerferien intensiv nachzuholen und aufzuarbeiten, würden Tests und Kurzklassenarbeiten geschrieben, um Noten für dieses Halbjahr zu bilden. Die kurze Zeit im Präsenzunterricht diene also „ausschließlich der Vorbereitung und Besprechung dieser Leistungsfeststellung und keinesfalls der Vorbereitung auf unser Abitur 2021“, so der Vorwurf der Schüler.

Während der Phase des Homeschoolings und auch jetzt mit dem Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht seien nur vage Vorgaben vom Kultusministerium gekommen, wie die Lehrkräfte vorzugehen hätten, weshalb die Umsetzung an jeder Schule unterschiedlich erfolge. Es herrsche hier keine Chancengleichheit, da der Stoff während der Schulschließung unterschiedlich intensiv vermittelt worden sei. „Mangelnde technische Ausstattung und die Unerfahrenheit der Lehrkräfte im Bereich Technik und digitalem Unterricht machten das Homeschooling zu einer riesigen Herausforderung“, die man nur schwerlich als bewältigt bezeichnen könne.

Seit dem Wiedereinstieg in die Schule gehe jede Lehrkraft auf ihre Weise mit den gegebenen Vorgaben und Umständen um. In manchen Fächern würden Tests geschrieben, in anderen ganze Klassenarbeiten und in manchen Fächern wiederum gebe es gar keine Leistungsfeststellung. Auch hier gebe es keine einheitlichen Vorgaben, um die Zeugnisse am Ende des Halbjahres miteinander vergleichen zu können.

Um Bildung weiterhin zukunftsfähig zu gestalten und um in Zukunft auf solche Situationen vorbereitet zu sein, fordern die Vertreter mehr Fortbildungen für die Lehrkräfte. Für Online-Meetings müssten die technischen Voraussetzungen gegeben sein und Vorgaben, wie solche Online-Meetings auszusehen haben, um unter allen Lernenden gleiche Bedingungen zu schaffen. Dafür müssten die Lehrkräfte geschult und im Umgang mit der Technik vertraut gemacht werden. Selbst Lernenden und Lehrkräften, die zuhause nicht über die nötigen Mittel für den Online-Unterricht verfügen, müssten digitale Endgeräte zur Verfügung gestellt werden. Auch für die Internetschwierigkeiten, die bei vielen bestehen, müssten Lösungen gefunden werden. Die Politik habe die Wirtschaft mit Milliarden unterstützt, nun sollte auch die Bildung, die mindestens genauso wichtig ist, finanziell gefördert werden.

Die Bemühungen der Schulen seit der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts, die Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten, stünden in starkem Kontrast zu dem Leben außerhalb des Schulgebäudes. An der Ravensburger Bushaltestelle hielten sich um die 80 Schüler auf, die alle in denselben Bus müssen. Es sei unzumutbar, auf engstem Raum mit so vielen fremden Menschen zusammengedrängt zu stehen, erzwungen durch mangelnde Zusatzbusse, die erforderlich wären, um die bestehenden Abstandsregeln einhalten zu können.

Durch den späten Wiedereinstieg in die Schule und die kurze Zeit bis zu den Sommerferien fehle den Schülern fast ein ganzes Halbjahr an Unterricht. Um das zu kompensieren sollte es Angebote geben, in denen der Stoff nachgeholt werde. „Wir wünschen uns hierfür Lehrkräfte, die bereits Erfahrung in ihrem Beruf haben und die wissen, wie man uns richtig auf unser Abitur vorbereitet“, schreiben die Schüler, und „keine unerfahrenen studentischen Hilfskräfte, die so erstmals ihre Unterrichtsfähigkeiten unter Beweis stellen müssen.“

Da es nicht möglich sein werde, den inzwischen fehlenden Stoff ausreichend nachzuholen, fordern die Schüler eine Anpassung ihres Abiturs. „Wir erachten es für sinnvoll, wenn es Wahlthemen gibt, bei denen unsere Lehrkräfte individuell entscheiden können, was sie mit uns bearbeitet haben und was somit in der Abiturprüfung abgefragt werden kann“, heißt es in dem offenen Brief.

Eine Anpassung des Abiturs 2021 sei „unumgänglich“, denn die Nachteile die durch die Corona-Zeit entstanden sind, müssten in irgendeiner Form kompensiert werden

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