Schon 70 Fälle: Warum die Corona-Regeln im Kreis Ravensburg besonders streng sind

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Das Landratsamt von außen
Das Landratsamt Ravensburg hat wegen der Vielzahl Infizierter im Kreis noch strengere Corona-Verfügungen als das Land Baden-Württemberg erlassen. (Foto: Archiv: Anton Wassermann)
Schwäbische Zeitung

Weil es im Kreis Ravensburg überdurchschnittlich viele Corona-Infizierte gibt, bleibt es nach Auskunft des Landratsamtes bei den strengeren Regeln im Vergleich zum restlichen Land Baden-Württemberg. Veranstaltungen ab 51 Personen sind demnach untersagt, die Corona-Verordnung des Landes sieht hingegen „nur“ eine Grenze von 100 Teilnehmern vor.

Eine entsprechende Allgemeinverfügung des Kreises und der Kommunen wurde erneuert. Sie ist nötig, um die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verlangsamen. Seit Dienstag gibt es im Kreis Ravensburg 70 bestätigte Fälle.

Überblicksfotos von kleineren Versammlungen anfertigen

Demnach müssen Kontakte auf das Notwendige reduziert werden. Es ist untersagt, öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen mit einer voraussichtlichen Teilnehmerzahl von mehr als 50 Menschen durchzuführen. Das betrifft zum Beispiel auch Firmen. Selbst geplante Veranstaltungen mit einer voraussichtlichen Teilnehmerzahl von 20 bis 50 Personen sind dem jeweiligen Bürgermeisteramt 72 Stunden vorab zu melden und müssen begründet werden.

In dem Fall gelten dann strenge Maßnahmen, teil das Landratsamt weiter mit: Die teilnehmenden Personen müssen in einer Anwesenheitsliste erfasst werden, mit Vor- und Nachname, vollständiger Anschrift und Telefonnummer. „Außerdem ist, soweit möglich, ein Überblicksfoto, wer neben wem sitzt, anzufertigen. Die Anwesenheitsliste und das Foto sind vom Veranstalter für die Dauer von vier Wochen nach Ende der Veranstaltung aufzubewahren und dem Gesundheitsamt auf Verlangen vollständig auszuhändigen“, heißt es in der Verfügung weiter. Ausgenommen seien jedoch Gemeinderats- und Kreistagssitzungen sowie Sitzungen der entsprechenden Ausschüsse. Die Verfügung gelte auch nicht für behördliche Besprechungen.

Zudem hat das Landratsamt noch ein Merkblatt für Menschen herausgegeben, die einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 ausgesetzt sind. Das sind Menschen ab 60 Jahren. „Das Risiko, an der Krankheit zu versterben, steigt ebenfalls mit dem Alter. Besonders betroffen sind Menschen, die 80 Jahre und älter sind. Hintergrund hierfür ist, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter auf Infektionen weniger gut reagiert als bei Jüngeren“, äußert sich das Gesundheitsamt des Landkreises.

Gegen Pneumokokken impfen lassen

Das gleiche gilt für Jüngere, wenn sie folgende Vorerkrankungen haben: chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma, chronische Bronchitis oder COPD, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen, und Krebs.

Die allgemeinen Hygienemaßnahmen gelten für sie in besonderem Maße: also häufiges Händewaschen, Abstand zu anderen Menschen halten, wenn sie niesen oder husten, Einwegtaschentücher benutzen, nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen, auf Händeschütteln und engen Körperkontakt wie Umarmung zur Begrüßung verzichten.

Sie sollten sich außerdem mit ihrem Hausarzt über eine Pneumokokken-Impfung unterhalten, da bei Lungenentzündungen, die durch Viren verursacht werden, manchmal bakterielle Infektionen hinzukommen, was den Krankheitsverlauf zusätzlich erschwert.

Handschuhe beim Einkaufen tragen

Im Alltag sollten die Betroffenen soziale Kontakte so weit wie möglich reduzieren. Das Landratsamt gibt dazu folgende Tipps: Einkäufe außerhalb der Haupteinkaufszeiten erledigen oder Einkäufe vor die Wohnungstür liefern lassen (zum Beispiel von Familienangehörigen oder Nachbarn), öffentliche Nahverkehrsmittel möglichst außerhalb der Stoßzeiten nutzen und Handschuhe tragen, um eine Erregerübertragung über die Hände zu vermeiden. Verzichten sollten die Risikogruppen auch auf geschäftliche und private Treffen, die nicht unbedingt notwendig sind, und auf Familienfeiern. Vermeiden sollten sie größere Menschenansammlungen.

Die einzigen Aktivitäten, die draußen noch ohne Risiko möglich sind: Freizeit- oder Sportaktivitäten an der frischen Luft, sofern man dabei keinen engen Kontakt zu anderen Personen hat (zum Beispiel Spaziergang, Fahrradfahren).

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