Schockenhoff will 2013 wieder kandidieren

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Schockenhoff will 2013 wieder kandidieren
Schockenhoff will 2013 wieder kandidieren
Schwäbische Zeitung

Andreas Schockenhoff beabsichtigt nicht, sein Bundestagsmandat aufzugeben. Der 54-jährige CDU-Politiker, der Anfang Juli mit Alkohol im Blut beim Ausparken ein anderes Auto beschädigt und sich vom Unfallort entfernt hatte, sprach gestern erstmals im Redaktionsgespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ offen und ausführlich über seine Alkoholkrankheit. Gleichzeitig kündigte er an, sich 2013 erneut um das Direktmandat für den Wahlkreis Ravensburg bewerben zu wollen. „Solange, wie ich das Vertrauen der Wähler und der CDU genieße, mache ich weiter.“

Vier Wochen lang habe er sich in einer Klinik im Schwarzwald einer intensiven tiefen- und verhaltenspsychologischen Therapie unterzogen, die er jetzt ambulant fortsetzt. Außerdem haben ihm seine Ärzte die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe empfohlen. Da die körperliche Abhängigkeit noch nicht weit fortgeschritten gewesen sei und die Blutwerte relativ gut sind, habe er keine Entgiftung machen oder Medikamente nehmen müssen, sagte Schockenhoff. „Ich habe die Auszeit gebraucht, um auf mich selbst zu hören, trotz eines vollen Terminkalenders bin ich auf Jahre hin ein sehr einsamer Mensch gewesen.“ Einer, der alles rational lösen wollte, auch das Alkoholproblem, das ihn immer wieder eingeholt hat. „Ich konnte manchmal Monate lang überhaupt keinen Alkohol trinken und bin der Selbsttäuschung erlegen, ich könnte damit umgehen. Ich habe mir eingebildet, ich hätte alles voll im Griff.“

Erst durch den Unfall habe er seinen zunehmenden Kontrollverlust eingesehen. „Ich hatte das Gefühl, auf einer leicht geneigten Ebene zu stehen, die Tendenz ging immer weiter runter.“ Die Tatsache, dass er mittlerweile offen und ehrlich über seine Krankheit redet, gehört zu seiner Bewältigungsstrategie. „Für mich selbst, meine Familie und mein Umfeld will ich das Thema abräumen. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt als Outing-Politiker durch die Lande ziehe.“

Für den stellvertretenden Fraktionschef der Union im Bundestag steht fest, dass er sich 2013 erneut für die Bundestagswahl nominieren lassen will. Fürchtet er parteiinterne Konkurrenten, nachdem er durch seine Alkoholkrankheit angreifbar geworden ist? Dem früheren Grünen-Abgeordneten und zur CDU gewechselten Ravensburger Publizisten Oswald Metzger werden Ambitionen nachgesagt, zumal er noch eine Rechnung mit Schockenhoff offen hat. Dieser hatte Metzger weder bei seiner Kandidatur im Wahlkreis Biberach noch im Bodenseekreis unterstützt, sondern seine jeweiligen Gegner. Angst habe er vor Metzger nicht, meint Schockenhoff. „Wenn man sich dem politischen Wettbewerb nicht stellen will, darf man das nicht machen.“

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