Schnee wächst sich zum schwerwiegenden Problem aus

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 Große Schneemengen wie die in Lindau am vergangenen Wochenende drohen in diesem Winter häufiger für chaotische Zustände zu sorg
Große Schneemengen wie die in Lindau am vergangenen Wochenende drohen in diesem Winter häufiger für chaotische Zustände zu sorgen. (Foto: Michael Scheyer)
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Der heftige Schneefall hat am Wochenende viele Menschen überrascht, nicht jedoch Meteorologe Roland Roth. „Das sage ich schon seit einem halben Jahr, seit der langen Trockenheit, dass uns das blüht“, antwortet Roth auf Nachfrage, welchem Wetterphänomen die Region sich derzeit ausgesetzt sieht. „Dieser Winter wird uns noch öfter auf Trab halten“, meint Roth und: „Einfach wird das nicht.“

Am Wochenende hatten wir es mit einer Großwetterlage zu tun. Über den britischen Inseln stand ein Hochdruckgebiet, über Osteuropa ein Tiefdruckgebiet. Dazwischen schob sich eine Nordostströmung, die von der Nordsee kommend sehr viel Feuchtigkeit mitbrachte. „Vor den Alpen gab es den typischen Staueffekt, der für die Starkniederschläge sorgte“, erklärt Roth. Bis zu 50 Liter pro Quadratmeter und Stunde seien da vom Himmel gefallen – weil die Luft kalt war als Schnee und weil der Boden dagegen um den Nullpunkt lag, sog sich der Schnee dort voll mit Tauwasser. Dementsprechend war der Schnee extrem schwer und brachte zahlreiche Äste und Bäume zu Fall und Einsatzkräfte im Voralpenraum ans Limit. „Enorm, was die Leute geleistet haben“, betont auch Roth.

 Roland Roth, Meteorologe der Wetterwarte Süd in Bad Wurzach.
Roland Roth, Meteorologe der Wetterwarte Süd in Bad Wurzach. (Foto: Felix Kästle)

Dabei mag der schwere Schnee vielleicht sogar noch das geringste Übel gewesen sein: Wäre es zwei bis drei Grad wärmer gewesen, wäre der Schnee nicht liegen geblieben, dafür wäre es zu starken Überschwemmungen gekommen, schätzt Roth. Wäre es dagegen zwei bis drei Grad kälter gewesen, wäre kein Schnee geschmolzen und die Schneemassen hätten die Räumdienste wohl in die Knie gezwungen.

Wenn die ersten Schneeflocken fallen, freuen sich viele Menschen über die weiße Winterlandschaft. Aber den Wintereinbruch birgt auch Gefahren. Aber warum kann Schnee so gefährlich sein?

Roth zufolge wird es jedenfalls nicht das letzte Mal gewesen sein, dass uns große Schneemassen beschäftigen. Wegen zunehmender Starkniederschläge und ausgetrockneter Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen können, verspreche der Winter, nicht langweilig zu werden. Am Dienstag solle es wieder etwas milder werden – da werde aus Schnee Regen – bevor es am Mittwoch wieder kälter wird – da aus Regen wieder Schnee werden wird. Auf Schnee – auf sehr viel Schnee – müsse man sich in diesem Winter jedenfalls gefasst machen.

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