Schluss mit Müll: Landkreis Ravensburg will Pappbecherpfand

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Kaffeebecher aus Pappe zur einmaligen Verwendung landen direkt im Müll - nicht sehr umweltfreundlich.
Kaffeebecher aus Pappe zur einmaligen Verwendung landen direkt im Müll - nicht sehr umweltfreundlich. (Foto: Andrea Warnecke/dpa)

Eine schöne Tasse Kaffee trinken: Früher hat das bedeutet, sich alleine oder mit Freunden in ein Café zu setzen und eine Pause zu machen. Heute nehmen im Alltagsstress immer mehr Menschen einen „Coffee-to-go“ ein. Heißt: Sie kaufen den Kaffee in einem Pappbecher, trinken ihn im Gehen und werfen den Becher dann in den nächsten Mülleimer – oder, noch schlimmer: auf die Straße. Dem Trend zur Umweltverschmutzung will der Landkreis Ravensburg jetzt entgegenwirken.

SPD ist Müll ein Dorn im Auge

„Kaffee zum Mitnehmen“ gibt es mittlerweile nicht nur in Ketten à la Starbucks, sondern auch in Bäckereien. Und zunehmend landen die leeren Pappbecher auf der Straße. Das beklagt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Ravensburger Gemeinderat, Frank Walser. Er fragte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, warum die Stadt kein Pfandsystem einführe – wie das anderswo schon geschehen sei. Die Antwort von Bürgermeister Simon Blümcke: Man sei dran, der Landkreis habe dabei die Federführung übernommen.

Im Bodenseekreis gibt es ein solches System schon. Dort beteiligen sich mehrere Partner am „Recup“-System: Bäckereifilialen ebenso wie Hochschulen oder die Elektronikschule Tettnang. Das Münchner Unternehmen Recup steuert die wiederverwendbaren Becher bei, die für den Bodenseekreis ein eigenes Design erhalten haben. Die hellbraunen und helltürkisen Becher aus Kunststoff sind mit einigen markanten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten verziert, unter anderem mit einem Zeppelin. Für einen Euro Pfand können Kunden einen Becher mitnehmen und an einem anderen Ort wieder abgeben. Theoretisch auch in anderen (Groß-)Städten wie München, Köln oder Berlin, in denen das System verbreitet ist. Ebenso in Ulm und Kempten. Spülen müssen die Kunden den Becher daheim nicht. Sie können ihn beim nächsten Besuch abgeben. Bis zu 500 Mal kann ein solcher Pfandbecher wiederverwendet werden.

Dadurch wird die Umwelt geschont. Laut dem Unternehmen Recup werden in Deutschland jährlich derzeit 2,8 Milliarden Becher ausgegeben und weggeschmissen. Damit könnte man einen Stapel bis zum Mond errichten. Für die Herstellung werden laut Recup 43 000 Bäume gefällt, 320 Millionen Kilowattstunden Strom, 3000 Tonnen Rohöl und 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht.

Der Landkreis Ravensburg bestätigte, dass das Pfandsystem kreisweit eingeführt werden soll – „als Teil unserer Müllvermeidungsbemühungen“. Allerdings ist man laut Pressesprecher Franz Hirth noch im Anfangsstadium. „Diese Becher sollen mit Motiven aus dem Landkreis gestaltet werden, die Stadt Ravensburg will dieses Design dann auch übernehmen, also keine eigenen Becher gestalten und ist insofern dann doch in dieses Projekt involviert, da sie den Becher bei ihren Cafébetreibern, Bäckereien und so weiter bewerben will, damit diese mitmachen und den Recup-Becher in ihr Angebot aufnehmen“, so Hirth.

Letztendlich hänge die Einführung davon ab, dass genügend Standorte gefunden werden. Der Landkreis selbst will die Becher bei den beiden Dipers-Verkaufsstellen (im Kreishaus I und im Jobcenter) und in den vier Kreisschulen mit Kiosk anbieten. Ein idealer Teilnehmer wären aus Sicht des Kreises zudem die hiesigen Hochschulen.

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