Sanierung des Alten Theaters kostet Ravensburg 520000 Euro

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Der einstige große Ausstellungsraum im Alten Theater wird jetzt von Mediendesign-Studenten genutzt. Blickfang ist der rote Kubu (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Sibylle Emmrich

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die einstige städtische Galerie im Alten Theater, das historische Gebäude zwischen Marktstraße und Gespinstmarkt, ist seit Sommer 2013 neue Heimstatt für den Studiengang Mediendesign der Dualen Hochschule (DHBW). In den stilecht sanierten Räumen haben die rund 200 Studierenden adäquate Arbeitsbedingungen. So wurde der 400 Quadratmeter große Renaissance-Saal im ersten Obergeschoss, einst vom Licht durchfluteter Ausstellungsraum, in drei Räume unterteilt. Doch der Umbau ist die Stadt teuer gekommen: Die Kosten sind zuletzt um 90000 Euro auf 520000 Euro. gestiegen Dazu kommt noch ein Landeszuschuss von 240000 Euro.

Der Gemeinderat stimmte in seiner Sitzung am Montag einmütig dieser Schlussabrechnung zu, die somit insgesamt auf 760000 Euro gestiegen ist. Das war nicht die erste Verteuerung, denn schon im Oktober 2012 hatte der Gemeinderat eine „Fortschreibung der Gesamtkosten“ von 500000 auf 660000 Euro bewilligt. Die Sanierung umfasste sowohl das Gebäude Marktstraße 13, in dem 62 Jahre lang die Städtische Galerie untergebracht war, als auch die Marktstraße 15, wo sich zuvor vier Wohnungen befanden. Außer einem Geschäft im Erdgeschoss und dem Figurentheater ist der gesamte Gebäudekomplex jetzt von der Hochschule gemietet. Die jährliche Kaltmiete soll bei 80000 Euro liegen.

Vor allem Maßnahmen für den Brandschutz und für Elektroinstallationen haben die zusätzlichen Ausgaben nötig gemacht. Wie Dietmar Diehm vom städtischen Amt für Architektur und Gebäudemanagement erläuterte, mussten dazu weitere Decken und Wände in dem historischen Gemäuer geöffnet werden. Außerdem wurde im Dachgeschoss ein zweiter Rettungsweg über eine Treppe nötig. Das Ergebnis und die gezeigten Fotos vom stilvollen Ambiente überzeugten den Gemeinderat. Nur Stadtrat Michael Lopez-Diaz (SPD) stellte eine kritische Frage und wollte wissen, wann sich denn die Sanierungskosten durch die Vermietung amortisieren. Ursprünglich sollten die Mieteinnahmen der ehemaligen Städtischen Galerie sogar dazu beitragen, einen Teil der laufenden Kosten des neuen Ravensburger Kunstmuseums zu kompensieren. Die Schwäbische Zeitung berichtete im Juni 2012: Da der Zuschuss von rund 300000 Euro für die Galerie wegfalle und dieses Gebäude (also das Alte Theater) dann Mieteinnahmen bringen werde, könnte ein Großteil der jährlichen Kosten für das Museum aufgefangen werden.

Kein Bezug zu Kunstmuseum

Ursprünglich war die Stadt Ravensburg lediglich von einem Investitionsaufwand von 180000 Euro für das Alte Theater ausgegangen. Das sollte außerdem so gewinnbringend vermietet werden, dass das von einigen Kritikern als viel zu teuer beanstandete Kunstmuseum quersubventioniert werden könnte. „Für die geplante Büor- oder Schulnutzung ist ein solcher Aufwand nicht erforderlich“, zitierte die SZ am 2. Juni 2012 Stadtsprecher Alfred Oswald als Antwort auf die Frage, ob der Investitionsaufwand nicht wesentlich höher werde. Von diesen, zwei Jahre alten Aussagen wollte OB Daniel Rapp jetzt nichts mehr wissen. Man habe nie einen Zusammenhang mit der Kunstmuseum hergestellt. „Durch das Alte Theater sollten langfristig keine zusätzlichen Kosten für die Stadt entstehen“, sagte Rapp auf die Frage von Lopez-Diaz. Der günstigste Fall sei, so Baudezernent Dirk Bastin, „dass dieses Gebäude keine Nachfolgekosten generiert“. Hier Einnahmen zu erzielen, das sei nicht denkbar. Immerhin werde damit ein Kulturdenkmal mitten in der Stadt erhalten und einer sinnvoller Nutzung zugeführt.

Den Grünen-Stadtrat Yalcin Bayraktar machte die Aussage stutzig, dass die Mehrausgaben für die Sanierung des Alten Theaters durch Minderausgaben von 90000 Euro bei Sanierungsarbeiten im Ummenwinkel eingespart werden sollen. Keinesfalls werde auf Kosten ohnehin ärmerer Stadtteile gespart, lautete die Erklärung aus dem Baudezernat. Man habe derzeit keine Kapazitäten frei für die Sanierung im Ummenwinkel und wolle ohnehin erstmal eine Gesamtplanung erarbeiten.

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