Sanierung der Gymnasien sprengt den Kostendeckel

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Der 1912 bis 1914 errichtete Neubau für Gymnasium und Oberrealschule (heute Spohn- und Albert-Einstein-Gymnasium) kurz nach sei (Foto: SZ-Archiv)
Schwäbische Zeitung
Sibylle Emmrich

Es ist das größte und teuerste Projekt der Stadt Ravensburg seit der Sanierung des Humpisquartiers: die Generalsanierung von Albert-Einstein- und Spohngymnasium. Wie sich gestern bei der zweiten öffentlichen Sitzung des eigens gegründeten Projektausschusses herausstellte, ist der im vergangenen November beschlossene Kostendeckel bereits gesprengt. Mit 17,27 statt 16,7 Millionen Euro wird jetzt gerechnet. Und die Ausschussmitglieder billigten mit ihrer einstimmigen Empfehlung an den Gemeinderat, dass bei jährlicher Baukostensteigerung von rund zwei Prozent bis 2018 unterm Strich nahezu 20 Millionen Euro stehen könnten.

Das große 100 Jahre alte Schulhaus ist zwar solide gebaut worden, aber nach heutigen Maßstäben total veraltet und teilweise marode, vor allem was Haustechnik, Energieeffizienz und Sanitäranlagen anbelangt. Dass eine Generalsanierung dringend nötig ist, darin war sich der Gemeinderat schon vor einem Jahrzehnt einig. „Wir haben ein fast museales Gebäude und rüsten jetzt auf“, brachte es CDU-Gemeinderat Walter Blum auf den Punkt. Aber die Sache wird teuer und wird sich voraussichtlich bis 2018 hinziehen. Beim Grundsatzbeschluss 2012 ging man noch von 12 Millionen Euro aus. Im vergangenen November wurde die aktuelle Kostenberechung von knapp 19,5 auf 16,7 Millionen Euro gedrückt. Dies ging zulasten technischer Innovationen wie beispielsweise der Ausstattung mit LED-Leuchten. Werde noch mehr gespart, bringe dies spürbare Nachteile für den Schulalltag mit sich, so Dieter Katein vom städtischen Amt für Architektur und Gebäudemanagement

Doch jetzt sind es bereits wieder 17,27 Millionen Euro geworden. Wie Katein und der zuständige externe Projektsteuerer ausführten, ist die aktuelle Kostensteigerung gut zur Hälfte auf höhere Honorarsätze für Architekten und Ingenieure zurückzuführen und, zum anderen, auf die bislang absehbaren Kostensteigerungen im Baugewerbe. Bis zum Abschluss der Sanierung, wahrscheinlich 2018, wird Jahr für Jahr mit weiteren zwei Prozent gerechnet. Es sei rechtlich gar nicht zulässig, eine solche Kostensteigerung schon von vornherein einzukalkulieren, erklärte Baudezernent Dirk Bastin. Katein konnte jedoch insofern beruhigen, dass bis Spätsommer 2014 bereits 80 Prozent der gesamten Aufträge ausgeschrieben und vergeben sein sollen. Dann herrrsche mehr Kostensicherheit.

Container als Zwischenlösung

Und wie sieht der Zeitplan aus? Noch 2014 wird im ersten Bauabschnitt mit der Sanierung des Pavillons (Richtung Turnhalle) begonnen. Der zweite Bauabschnitt liegt im Bereich des Spohngymnasiums. Bauabschnitt drei und vier umfassen das zur Gartenstraße, also Richtung Westen ausgerichtete Hauptgebäude. Während der Bauzeit werden immer wieder Klassen in einen Ersatzbau, wahrscheinlich eine Containerlösung auf dem Teerplatz Richtung Turnhalle, ausweichen müssen. Auf vier Jahre ist die gesamte Bauzeit veranschlagt. Doch Baudezernent Bastin wollte kein Sanierungsende 2018 versprechen. Sollte es in einem Ravensburger Haushaltsjahr an der nötigen Finanzkraft fehlen, müsse man auch mal eine Pause einlegen.

Die Gemeinderäte nahmen die Kostensteigerungen mehr oder weniger widerspruchslos zur Kenntnis. CDU-Chef August Schuler („Hier poltert jetzt niemand los“) wollte nur wissen, ob noch weitere unangenehme Überraschungen drohen, wenn während der Sanierung bislang nicht bekannte Gebäudeschäden sichtbar werden. Damit rechnen die Planer nicht, da die gesamte Haustechnik, wie Heizkörper und Leitungen, komplett erneuert werden soll. Wolfgang Engelberger (SPD) gab sich fatalistisch: „Es ist mit Händen zu greifen, dass es nochmals teurer wird. Wir können nur hoffen, dass die Anpassung in homöopathischen Dosen passiert.“

Bürgermeister Hans Georg Kraus gab als Sitzungsleiter einen deutlichen Einsparhinweis: Jeder zusätzliche Wunsch führe zu zusätzlichen Kosten. So wird auf ansteigende Stuhlreihen in Physikräumen verzichtet. Dazu seien die Räume gar nicht groß genug.

Der Ravensburger Gemeinderat hatte im März 2012 den Grundsatzbeschluss gefasst, die beiden Gymnasien, deren ältester Gebäudeteil aus dem Jahr 1912 stammt, grundlegend zu sanieren. Wesentliche Verbesserungen soll es beim Brandschutz und der Barrierefreiheit geben, der Lehrer- und Verwaltungsbereich wird neu geordnet, die Fachräume werden an einem Ort gebündelt. Die maroden Toiletten werden nicht nur saniert, sondern deren Zahl auch erhöht. Hinzu kommen Renovierungen des Dachs, aller (400!) Fenster, der Fassade und der Klassenzimmer.

Die Haustechnik, also Heizung, Sanitär und Lüftung, wird komplett erneuert. Dadurch ergeben sich einerseits Mehrkosten bei der Wartung (allein schon wegen der neuen Aufzüge) und beim Gebäudeunterhalt, aber deutliche Einsparungen vor allem bei den Heizkosten. Unterm Strich lassen sich 15 Prozent einsparen, was Dieter Katein vom städtischen Gebäudemanagement auf jährlich 25000 Euro veranschlagte. Damit werde der Ravensburger Verwaltungshaushalt dauerhaft entlastet. (sem)

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